Das neue biometrische Grenzsystem der EU sorgt an großen Flughäfen für Wartezeiten von bis zu zwei Stunden, besonders in Frankfurt, Amsterdam und München.
Europas neues Grenzkontrollsystem macht die Passkontrolle derzeit zum echten Problem: An einigen der verkehrsreichsten Flughäfen des Kontinents haben sich die Warteschlangen zu Spitzenzeiten teils verdoppelt.
Neue Daten zeigen, dass sich die Wartezeiten an wichtigen Drehkreuzen wie Frankfurt, Amsterdam und München verdoppelt haben. Das Entry/Exit System (EES) kommt mit der großen Zahl von Reisenden aus Nicht-EU-Staaten kaum zurecht.
Laut den Erhebungen hat das biometrische EES, bei dem Nicht-EU-Reisende Fingerabdrücke und Gesichtsscans abgeben müssen, die Schlangen stark anwachsen lassen. Immer öfter verpassen Passagiere ihren Flug.
Eine Auswertung der britischen Zeitung der Financial Times (Quelle auf Englisch) und der Analysefirma Qsensor zeigt: In Frankfurt lag die durchschnittliche Wartezeit im Juli bei 120 Minuten, nach 60 Minuten im selben Monat des Vorjahres.
Am Flughafen München stiegen die Wartezeiten auf bis zu 60 Minuten, nach 31 Minuten im vergangenen Jahr. In Amsterdam schnellten die maximalen Wartezeiten im gleichen Zeitraum von 80 auf 120 Minuten nach oben.
Diese Zahlen sind schon für sich alarmierend. Noch größer ist aber das Problem der Unberechenbarkeit.
Zu Spitzenzeiten stehen Reisende bis zu zwei Stunden an, außerhalb dieser Phasen geht es deutlich schneller.
Seit der vollständigen Einführung des Systems am zehnten April müssen alle Reisenden von außerhalb der EU ihren Pass scannen und einen Gesichtsscan durchführen. Beim ersten Mal werden zusätzlich Fingerabdrücke erfasst.
In der Praxis mussten viele Fluggäste jedoch bei mehreren Reisen erneut Fingerabdrücke abgeben, weil das System fehleranfällig ist.
Die EES-Terminals fallen immer wieder aus, und Reisende brauchen mehr Hilfe, als das Personal zunächst angenommen hatte.
Das Chaos stößt in der gesamten Reisebranche auf Kritik.
Ryanairs Chef Michael O’Leary zog über das System her und nannte es „schlecht konzipiert“.
„Nur die Europäer würden so einen Mist erfinden“, sagte er im Juli und verwies darauf, dass seine Airline an rund 15 Flughäfen in Europa lange Schlangen beobachtet habe.
Einige Flughäfen schalten inzwischen Teile der EES-Kontrollen zeitweise ab – etwa indem sie in Stoßzeiten keine Fingerabdrücke erfassen –, um Passagiere und Beschäftigte zu entlasten.
Diese Praxis soll im September eigentlich auslaufen. Deshalb haben acht EU-Mitgliedstaaten und die Schweiz die Europäische Kommission um eine Verlängerung gebeten.
In einer Erklärung teilte die Kommission mit, sie prüfe die Möglichkeit, daran festzuhalten.
„Mit Blick auf die Zeit nach dem Sommer stehen wir mit jenen wenigen Mitgliedstaaten, in denen es an bestimmten Grenzübergängen Herausforderungen gibt, in engem und konstruktivem Kontakt“, sagte ein Sprecher.
Er fügte hinzu, das EES sei nicht überall ein Desaster; die Registrierung dauere im Schnitt 70 Sekunden und „in den meisten Fällen“ seien die Auswirkungen für Nicht-EU-Reisende begrenzt geblieben.