Zugreisen von London nach Kontinentaleuropa könnten bald einfacher werden: Nach Paris, Brüssel und Amsterdam sollen bis Ende des Jahrzehnts alle 15 Minuten Züge fahren.
Von London mit dem Zug auf das europäische Festland zu fahren, könnte bald deutlich unkomplizierter werden.
Eine neue Analyse von Politico (Quelle auf Englisch) geht davon aus, dass bis Ende des Jahrzehnts vom Bahnhof London St Pancras aus Hochgeschwindigkeitszüge nach Zielen wie Paris, Brüssel und Amsterdam bis zu alle 15 Minuten abfahren könnten. Eurostar bekommt zunehmend Konkurrenz, unter anderem von Virgin Trains und Italiens Trenitalia.
Derzeit bietet Eurostar rund 25 tägliche Hin- und Rückfahrten an. Bis Ende der 2020er-Jahre soll diese Zahl auf 55 steigen, das entspräche vier Abfahrten pro Stunde.
Seit seiner Eröffnung 1994 ist der Eurotunnel, durch den die Züge zwischen Großbritannien und dem Kontinent fahren, nicht voll ausgelastet, obwohl immer wieder Gerüchte über zusätzliche Betreiber kursierten.
Das könnte sich nun ändern.
In der vergangenen Woche erhielt Virgin Trains von der britischen Aufsichtsbehörde Office for Rail and Road (ORR) die Genehmigung, seine Züge auf der Strecke zu betreiben – allerdings noch ohne Zugang zum Tunnel selbst.
Martin Jones, stellvertretender Direktor des ORR, nannte die Entscheidung, dass Virgin die Hochgeschwindigkeitsstrecken im Vereinigten Königreich und auf dem Kontinent nutzen darf, „einen wichtigen nächsten Schritt, um Wettbewerb und Wachstum in den Markt für internationale Bahnverbindungen zu bringen“.
Wenn Virgin die vollständige Zulassung erhält, will das Unternehmen ab 2030 Züge fahren lassen. Möglicherweise kommt Trenitalia hinzu, die staatliche italienische Bahn, die ab 2029 etwa zehn tägliche Hin- und Rückfahrten plant.
Der italienische Betreiber hat Anfang des Monats 19 neue Hochgeschwindigkeitszüge im Wert von zwei Milliarden Euro bestellt, einige davon dürften für internationale Fahrten von und nach London vorgesehen sein.
Bereits 2010 hatte die deutsche Staatsbahn Deutsche Bahn Interesse an der Verbindung gezeigt. Nach dem Brexit wurden die Pläne jedoch aufgegeben, inzwischen denken die Eigentümer offenbar wieder darüber nach.
Mehr Züge nach Europa: Umsetzung ist kompliziert
Ganz gleich, welche Unternehmen am Ende Züge auf der Strecke betreiben: Sie müssen zahlreiche regulatorische Hürden nehmen.
Jeder Betreiber braucht für jedes Land, das er befährt, eine eigene Zulassung – und zusätzlich für den Kanaltunnel. Außerdem wird Platz in einem britischen Wartungsdepot benötigt. Im vergangenen Jahr vergab der ORR die letzten Stellplätze im von Eurostar genutzten Depot Temple Mills an Virgin.
Abschrecken lässt sich die Konkurrenz davon nicht. Dazu gehört auch Gemini Trains, das ab 2030 täglich elf Züge fahren lassen will. Das britische Start-up prüft derzeit den Aufbau eines eigenen Depots außerhalb von London, verfügt aber noch weder über Züge noch über Trassenzugang.
Eurostar richtet den Blick ebenfalls in die Zukunft und hat bis zu 50 neue Züge für die frühen 2030er-Jahre bestellt. Damit will das Unternehmen auch neue Ziele wie Frankfurt und Genf bedienen.
Ein Problem für alle potenziellen Betreiber ist der begrenzte Platz im Bahnhof St Pancras. Die Sitzplätze im Wartebereich reichen schon heute nicht aus, damit alle Fahrgäste vor der Abfahrt ihres Zuges auf den Kontinent einen Platz finden.
Auch die Bahninfrastruktur spielt eine Rolle. Die britische Hochgeschwindigkeitsstrecke kann bis zu acht internationale Züge pro Stunde aufnehmen. Auf dem europäischen Festland müssen zusätzliche Fahrplantrassen gesichert werden, bevor die Zahl der Züge erhöht werden kann.