British Airways sucht erfahrene Langstreckenpiloten, die Jets am Flughafen Chicago O’Hare nur zwischen Terminals rollen, gut bezahlt und ganz ohne Start.
Eine neu geschaffene Stelle für Pilotinnen und Piloten gilt als „so spezialisiert, wie Pilotenjobs nur sein können“.
British Airways (BA) sucht derzeit Pilotinnen und Piloten für Langstreckenjets. Die ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber werden die Maschinen jedoch weder starten noch landen.
Stattdessen sucht die nationale Fluggesellschaft des Vereinigten Königreichs erfahrene Piloten, die Flugzeuge am Boden zwischen den Terminals des Chicago O'Hare International Airport in den USA bewegen.
Die ungewöhnliche Aufgabe brachte den Airline-, Hotel- und Vielfliegerprogramm-Experten Ben Schlappig, Gründer von One Mile at a Time (Quelle auf Englisch), zu dem Kommentar, der Job sei extrem „nischig“. Ganz Unrecht hat er damit nicht.
Die Stellenausschreibung auf der Karriere-Website (Quelle auf Englisch) von BA verspricht ein Gehalt zwischen 90.000 Dollar (76.995 Euro) und 100.000 Dollar (85.551 Euro). Die Pilotinnen und Piloten heben dabei jedoch nie vom Boden ab.
Zu den Anforderungen gehören „aktuelle Erfahrung im Einsatz der Boeing 777 oder 787 als Kapitän oder Erste Offizierin/Erster Offizier“, außerdem die Bereitschaft, sich auf die Standardarbeitsabläufe von British Airways einzustellen, sowie „ein hohes Maß an Vertrautheit mit den Abläufen am Flughafen Chicago O'Hare“.
Warum gibt es diesen Job überhaupt?
Am wichtigsten Flughafen von Chicago kommen BA-Flüge an Terminal 5 an, starten aber von Terminal 3. Erfahrene Pilotinnen und Piloten müssen die Maschinen deshalb zwischen diesen beiden Standorten hin und her rollen.
Ganz unbekannt ist diese Aufgabe nicht, ungewöhnlich ist sie trotzdem.
An den meisten Flughäfen bewegen Bodencrews die Flugzeuge mit Schleppern. In O’Hare gilt es aus verschiedenen Gründen als effizienter und sicherer, die eigenen Triebwerke der Maschine zu nutzen.
Wenig überraschend liegt die Bezahlung für den Taxi-Job unter den Einstiegsgehältern von Pilotinnen und Piloten bei großen US-Fluggesellschaften, selbst wenn diese weniger Erfahrung haben.
Daten der ATP Flight School (Quelle auf Englisch) zufolge zahlen Airlines wie American und United Einstiegsgehälter von mehr als 117.000 Dollar (100.094 Euro).
Wer übernimmt also einen Job, bei dem das langsame Rollen am Boden statt das Fliegen in großer Höhe die Hauptaufgabe ist?
„Ich vermute, wenn man kürzlich in Rente gegangen ist oder die flugmedizinische Untersuchung nicht bestanden hat, kann so eine Stelle interessant sein“, sagt Schlappig.
So neu, wie der Job klingt, ist er allerdings nicht.
„Wir stellen seit 2024 hochqualifizierte, ortsansässige Pilotinnen und Piloten ein, um unsere Flugzeuge zwischen Terminal 5 und Terminal 3 zu verlegen, seit wir unsere Abflüge nach Terminal 3 verlegt haben“, erklärte ein Unternehmenssprecher der Fluggesellschaft gegenüber Euronews Travel.
Die Airline bedient derzeit eine tägliche Nonstop-Verbindung von London Heathrow nach Chicago. Sie plant, ihr Langstreckenangebot in die USA und darüber hinaus auszuweiten.
Ab Winter 2026 erhöht sie die Zahl der Flüge nach New Orleans auf vier pro Woche, Baltimore wird dann täglich angeflogen und nach Houston gehen künftig zwölf Flüge pro Woche.
Die Fluggesellschaft hofft, ihr internationales Langstreckennetz bis Ende dieses Jahres um neun Prozent zu erweitern, vor allem durch zusätzliche Frequenzen. Außerdem kommen zwei neue Nonstop-Ziele hinzu: Melbourne in Australien und Colombo in Sri Lanka.