Ein Blick auf neue Bordkonzepte und Technologien, die das Flugerlebnis schon bald auf ein neues Niveau heben könnten.
Hand aufs Herz: Fliegen macht längst nicht mehr so viel Spaß wie früher. Lange Schlangen am Flughafen, Abflugverspätungen und hohe Ticketpreise sorgen dafür, dass eine Reise im Flugzeug oft mehr Stress als Vorfreude bringt – selbst vor dem wohlverdienten Urlaub.
Kurzfristig ist die Zukunft des Fliegens wegen anhaltender Probleme mit Kerosin und Grenzkontrollen ungewiss. Langfristig können sich Passagiere jedoch auf neue Konzepte an Bord freuen, die das Flugerlebnis insgesamt verbessern sollen.
Von rundumlaufenden Unterhaltungsscreens über Arbeitskabinen bis hin zu Liegebetten in der Economy: Euronews Travel stellt einige Airline-Innovationen vor, die bald in die Luft gehen könnten.
Immersive Unterhaltung am Sitzplatz
Zu den futuristischsten Sitzkonzepten gehört derzeit „Origin“, den RAVE Aerospace und Safran Seats auf der Aircraft Interiors Expo in Hamburg vorgestellt haben.
Das Konzept zeigt, wie sich Premiumkabinen entwickeln könnten. Herzstück ist ein U-förmiger Micro-LED-Bildschirm, der die Suite nahezu komplett umschließt und den Platz in einen immersiven Entertainment- und Wellnessbereich verwandelt. Passagiere können digitale Landschaften, Beleuchtung und Stimmung nach ihren Wünschen anpassen.
Zum Design gehören außerdem Lautsprecher für Ton ohne Kopfhörer, klimatisierte Sitze und adaptive Polster, die besonders Langstreckenflüge bequemer machen sollen.
Doppelstock-Sitze in der Economy
Das spanische Start-up Chaise Longue will mit einem zweistöckigen Sitzkonzept mehr Premiumgefühl in die Economy bringen. Dabei nutzt es den vertikalen Raum der Kabine, um den persönlichen Platz zu vergrößern, statt noch mehr Sitze hineinzupressen.
Vorgestellt wurde der Entwurf auf der Aircraft Interiors Expo. Er bietet großzügige Neigungsverstellung, deutlich mehr Beinfreiheit für Passagiere in der unteren Reihe und mehr Privatsphäre durch versetzte Sitze.
Erfinder Alejandro Núñez Vicente sagt, das Konzept habe sich in Richtung Premium Economy entwickelt. Tests zeigten großes Interesse an einem Layout, das sich beim Komfort an der Business Class orientiert.
Arbeiten in der „Telefonzellen“-Kabine
Boeings neue „Telefonzellen“-Pods denken gemeinsam genutzte Bereiche im Flugzeug neu. Kaum genutzte Flächen in der Kabine werden zu kleinen, privaten Arbeitslounges umgebaut.
Die geschlossenen Kabinen sind Teil des E-Lounge-Konzepts von Boeing und wurden auf der Aircraft Interiors Expo präsentiert. Sie sollen Raum für Videokonferenzen, konzentriertes Arbeiten oder eine ruhige Pause fern vom Sitz bieten – mit schallgedämpften Wänden, integrierter Beleuchtung, Steckdosen und einer kleinen Arbeitsfläche.
Boeing verweist auf den Boom schneller Internetverbindungen an Bord. Die Pods sollen Airlines einen „dritten Raum“ zwischen Sitz und Bordküche verschaffen, wenn Kabinen sich von klassischen Layouts lösen.
First-Class-Suiten mit eigenem Bad
Emirates will den Komfort im Ultraluxus-Segment weiter erhöhen. Geplant sind First-Class-Suiten mit privaten Badezimmern, wie Airline-Präsident Sir Tim Clark im Rahmen der laufenden Modernisierung der Premiumkabinen andeutete.
Details gibt es bislang kaum. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wäre es im Linienverkehr ein Novum in größerem Stil – aufbauend auf den bisherigen Dusch-Spas und komplett geschlossenen Suiten von Emirates.
Sitze ohne Sitznachbarn
Wer kennt es nicht: Die Durchsage „Alle Passagiere sind nun an Bord“ ertönt – und der Blick auf den leeren Mittelsitz neben einem gehört zu den schönsten Momenten jeder Reise.
Der freie Platz schafft Raum, um sich auszubreiten und es sich bequem zu machen. Airlines reagieren darauf und bieten diese Option inzwischen als kostenpflichtigen Zusatzservice an.
Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air hat Anfang des Jahres „Wizz Class“ gestartet. Das Angebot umfasst für Premiumkundinnen und -kunden Zusatzleistungen, darunter einen garantierten freien Nebensitz.
Wer Wizz Class bucht, erhält einen Fenster- oder Gangplatz und kann den Mittelsitz (B oder E) daneben blockieren. Weitere Vorteile sind Sitze mit mehr Beinfreiheit, Priority Boarding, zwei Handgepäckstücke sowie ein Snack und ein alkoholfreies Getränk an Bord.
Eine ähnliche Option bietet Air France mit „Empty Seat - My Extra Space“. Hier können Passagiere bis zu drei Sitze in der eigenen Reihe exklusiv reservieren.
United: Relax-Reihen in der Economy
Im März hat United Airlines als jüngste große Fluggesellschaft ein Angebot für Economy-Gäste vorgestellt, die für mehr Komfort zahlen, aber nicht in Business oder First wechseln wollen.
Mit der Einführung der „Relax Row“ können Passagiere ab 2027 drei nebeneinanderliegende Economy-Sitze buchen. Jeder Platz verfügt über eine Fußstütze, die sich hochklappen lässt und so eine durchgehende Liegefläche schafft.
Die Crew legt anschließend eine Matratzenauflage aus, damit sich der Bereich in ein Bett verwandelt. Decke und zwei Kissen gehören dazu – und für Kinder gibt es sogar ein Kuscheltier.
Etagenbetten für Langstrecken
Air New Zealand geht beim Komfort in der Economy noch einen Schritt weiter. Mit „Skynest“ bringt die Airline ein weltweit einzigartiges Schlafkonzept an den Start: sechs Etagenbetten in Pod-Form, die Passagiere in Zeitfenstern von vier Stunden buchen können.
Premiere feiern die Liegekapseln ab November auf Ultralangstrecken zwischen Auckland und New York. Damit knüpft Air New Zealand an das eigene Pionierprodukt „Skycouch“ an.
Skynest richtet sich an Gäste in Economy und Premium Economy. Das Konzept zeigt, wie sehr Airlines inzwischen auf Wohlfühlzonen jenseits des klassischen Sitzplatzes setzen.
Buchungen für Skynest sind ab dem 18. Mai möglich. Ein vierstündiger Slot kostet ab 495 NZ-Dollar (etwa 248 Euro).
Mehr Beinfreiheit an Bord
Mehr Platz zum Ausstrecken steht ebenfalls weit oben auf der Wunschliste von Fluggästen. Die Billigairline easyJet hat deshalb neue, leichtere Sitze angekündigt, die bis zu zwei Zoll zusätzliche Beinfreiheit bringen sollen.
Die britische Low-Cost-Gesellschaft, die zweitgrößte Europas, will die Kestrel-Sitze in der Economy ab 2028 in ihre künftigen Airbus-A320neo- und A321neo-Flotten einbauen.
Nach Angaben des Herstellers Mirus Aircraft Seating ermöglicht das ergonomische Design mehr Beinfreiheit, ohne den Sitzabstand zu verändern. Die Sitze sind ab Werk leicht nach hinten geneigt, was extra Platz für Knie und Schienbeine schafft.
WLAN über den Wolken
Immer mehr Airlines rüsten ihre Flotten mit Satelliteninternet von Starlink aus. Wer möchte, bleibt damit während des gesamten Fluges online.
Telefonate an Bord mögen vielen zu weit gehen. Schnelles WLAN eröffnet aber neue Möglichkeiten: hochwertige Streaming-Unterhaltung, Surfen im Netz oder endloses Scrollen durch soziale Medien. Oder man nutzt die Zeit, um noch schnell eine Deadline einzuhalten und unterwegs zu arbeiten.
Die lettische Airline airBaltic war im Februar 2025 die erste Gesellschaft in Europa mit Starlink an Bord. Noch im selben Jahr folgten Air France und SAS.
Die Lufthansa-Gruppe, zu der die nationalen Airlines Österreichs, Belgiens, Deutschlands, Italiens und der Schweiz gehören, will Starlink ab der zweiten Jahreshälfte 2026 schrittweise in ihrer Flotte einführen.