Die zwölf Meter hohe Schaukel ist Anfang des Monats in Betrieb gegangen. Sie soll in der Nebensaison Gäste anlocken, da Schnee wegen des Klimawandels immer seltener wird.
Adrenalinjunkies aufgepasst: Es gibt einen neuen Grund, die Schweizer Alpen in diesem Sommer zu besuchen.
Auf dem Gipfel des Grand Chamossaire im Skigebiet Villars, auf 2.110 Metern Höhe, steht eine Riesenschaukel.
Die hohe, V-förmige Konstruktion katapultiert Besucher über einen tiefen Abgrund, vor ihnen entfaltet sich ein atemberaubendes Alpenpanorama.
Die zwölf Meter hohe Schaukel hat Anfang des Monats eröffnet. Sie ist der jüngste Versuch der Alpen-Skigebiete, auch außerhalb der Wintersaison Gäste anzulocken, da der Schnee wegen des Klimawandels immer weniger verlässlich wird.
„Man fühlt sich wie ein Vogel im Flug“
Die Schaukel, die alle mit einem Skiliftticket nutzen können, fasst jeweils drei Personen.
Jede Person sitzt auf einem Sattel, der an einer Metallkonstruktion befestigt ist, die einem Alpensteinbock nachempfunden ist. Sie klammern sich an Lenkergriffe und werden fest angeschnallt.
Dann zieht ein ausgeklügeltes System aus Seilen und Rollen sie bis fast in die Waagerechte zurück. Die Gäste hängen bäuchlings in der Luft, senkrecht über der Metallplattform weit unter ihnen.
Wenn das Sicherungsseil plötzlich gelöst wird, schießt die Schaukel nach vorn hinaus über den schroffen Abhang. Jubelschreie mischen sich mit dem Blick auf das spektakuläre Tal, eingerahmt von einer dramatischen Kulisse aus felsigen, schneebestäubten Alpen.
„Das Gefühl, dort oben zu hängen und dann plötzlich losgelassen zu werden, ist einfach überwältigend“, sagte Yannick Boudouin, 38, der Nachrichtenagentur AFP.
„Ich hatte ein bisschen ein flaues Gefühl im Magen“, räumte Alexandra Henchoz, 37, ein, die die neue Schaukel gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer zehnjährigen Tochter ausprobierte.
„Aber sobald es losgeht, ist es einfach unglaublich. Man fühlt sich wie ein Vogel im Flug.“
Alpen-Skigebiete rüsten sich für weniger Schnee
Die Grand-Chamossaire-Schaukel gehört zu den Angeboten, mit denen der Ort ganzjährig attraktiv werden und die Liftanlagen auch bei Schneemangel nutzen will.
„Wir versuchen wirklich, unser Angebot zu diversifizieren“, sagte Martin Deburaux, Leiter des Skigebiets Villars-Gryons-Diableret, gegenüber AFP.
Die neue Anlage „verschafft uns eine Attraktion, die unabhängig von den Schneeverhältnissen funktioniert“, erklärte er.
Deburaux betonte, dass das Gebiet in den vergangenen zwei Skisaisons Rekordzahlen verzeichnet hat. Viele Gäste, die sonst auf tiefer gelegenen Pisten unterwegs sind, hätten höhere Lagen und mehr Schneesicherheit gesucht.
„Aber wir wissen, dass wir es mit dem Klimawandel zu tun haben“, sagte er. „Wir suchen nach Alternativen, um Arbeitsplätze, die Dynamik und die Tourismuswirtschaft rund um unsere Liftanlagen zu erhalten.“
Derzeit kommen im Winter mehr als 700.000 Gäste in das Gebiet, im Sommer sind es nur rund 100.000.
Man wolle die Besucherzahlen im Sommer in den kommenden Jahren verdreifachen, sagte Deburaux. Dafür brauche es ein breites Angebot an Aktivitäten.
In der Nähe füllten Wanderer die grasbewachsenen Wege. Mountainbiker mit Helmen und Schutzkleidung jagten eine eigene, steile Erdstrecke hinab.
Die Strecke führt an einem vergänglichen Landart-Fresko vorbei, das der französische Künstler Saype über einen ganzen Hang gemalt hat und auf dem ein zeichnendes Kind zu sehen ist.
Deburaux sagte, die neue Schaukel stehe bewusst an einem Ort, an dem ohnehin schon viel los ist. Andere Teile des Gebiets bleiben unberührt und richten sich an Besucher, die eine möglichst ursprüngliche Natur erleben wollen.