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Luftraum am Limit: Tourismusboom setzt Griechenlands Fluglotsen unter Druck

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Archivfoto Copyright  AP Photo/Yorgos Karahalis
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Von Ioannis Karagiorgas & euronews mit afp
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Unter Touristen weltweit gilt Griechenland als Sehnsuchtsort. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet exklusiv aus dem Kontrollturm des Flughafens Athen.

Auf den Bildschirmen des Kontrollzentrums in Athen verdichten sich die Symbole für Flugzeuge zu einem immer engeren Netz. In der Hochphase der Sommersaison müssen die Fluglotsen tausende Flüge koordinieren. Der griechische Luftraum stößt dabei an seine Kapazitätsgrenzen.

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Olga Toki, Vizepräsidentin der Vereinigung der Fluglotsen Griechenlands, spricht von enormem Druck. Das Verkehrsaufkommen sei so hoch, dass es zeitweise kaum noch freien Luftraum für weitere Maschinen gebe.

Verdoppelung der Flüge im Juli

Zahlen machen die Belastung deutlich. Nach Angaben der Zivilluftfahrtbehörde wickeln die griechischen Flughäfen in Monaten mit geringer Nachfrage normalerweise etwa 1.000 bis 1.500 Flüge pro Tag ab. In der ersten Juliwoche lag der tägliche Durchschnitt jedoch bei 2.700 Flügen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der gesamten Region. Eurocontrol schätzt, dass der Luftverkehr in Südosteuropa, zu dem auch der griechische Luftraum gehört, rund 40 Prozent über dem Niveau von 2019 liegt.

Der Anstieg geht mit der starken Erholung des griechischen Tourismus einher. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Land 38 Millionen Besucherankünfte – 23 Prozent mehr als beim bisherigen Rekordjahr 2019 – in einem Staat mit rund zehn Millionen Einwohnern.

Störung offenbart Schwächen im System

Der Druck auf das System zeigte sich allerdings lange vor dem Höhepunkt der Sommersaison. Am 4. Januar legte eine schwere Störung im Funksystem zwischen Lotsen und Flugzeugen die Schwächen der bestehenden Infrastruktur schonungslos offen.

Die Fluglotsen sahen die Maschinen weiterhin auf dem Radar, konnten aber nicht mehr per Sprechfunk mit den Piloten kommunizieren. Die Behörden mussten den griechischen Luftraum für mehrere Stunden schließen, was zu Flugausfällen und Umleitungen in Nachbarländer führte.

Der Vorfall beschleunigte die Ankündigung eines umfangreichen Modernisierungsprogramms mit einem Budget von rund 300 Millionen Euro. Geplant sind unter anderem neue digitale Kommunikationssysteme und der Austausch veralteter Radartechnik.

Die Installation der neuen Systeme begann Mitte August. Der Gesamtplan sieht vor, die Maßnahmen bis 2028 abzuschließen.

Gleichzeitig steht Griechenland auch auf europäischer Ebene unter Druck. Die Europäische Kommission hat das Land im vergangenen Jahr vor den Gerichtshof der Europäischen Union gebracht, weil es seine Flugverkehrsverfahren nicht rechtzeitig an den internationalen Standard Performance-Based Navigation (PBN) angepasst habe.

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Archivfoto AP Photo/Yorgos Karahalis

Viel Verkehr, knappes Personal unter Fluglotsen

Im Kontrollraum ist der griechische Luftraum in zehn Sektoren aufgeteilt. Für jeden Bereich ist ein Lotse zuständig, unterstützt von einer Assistenzkraft. Im Sommer trifft das hohe Verkehrsaufkommen jedoch auf ein weiteres Dauerthema: Personalmangel.

Schichtleiter Giorgos Stamoulakatos schätzt, dass die derzeit 154 Fluglotsen deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf liegen. Nach seiner Einschätzung bräuchte der Dienst etwa 250.

Die Einstellungen laufen inzwischen schneller: 2025 sollten 92 neue Lotsen hinzukommen, 2026 weitere 77. Entlastung bringt das jedoch nicht sofort, denn bis ein neuer Fluglotse die nötige Praxiserfahrung hat, braucht es etwa fünf Jahre Ausbildung.

Doppelt so viele Flugzeuge in nur einer Stunde

Areti Anastopoulou arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten in der Flugverkehrskontrolle. Eine ihrer Aufgaben ist es, die Reihenfolge der anfliegenden Maschinen zu planen und die nötigen Abstände zwischen ihnen zu gewährleisten.

Unter normalen Bedingungen, erklärt sie, kann ein Lotse in einer Stunde etwa 20 Flugzeuge betreuen. In Spitzenzeiten steigt die Zahl jedoch auf bis zu 40. Verspätungen werden dann unvermeidbar. Der Druck auf die Lotsen steigt.

In einem besonders eindrücklichen Fall landeten innerhalb nur einer Stunde 33 Maschinen, obwohl die vorgesehene Obergrenze bei 28 liegt. Areti berichtet, dass sie mehrfach Crews bitten musste, das Flugtempo herabzusetzen oder den Kurs zu ändern, um die notwendigen Sicherheitsabstände zwischen den Passagiermaschinen einzuhalten.

Die Lotsen leisten, so sagt sie, enorme Arbeit, um die Sicherheit in einem Umfeld zu gewährleisten, in dem die Spielräume immer kleiner werden.

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Archivfoto AP Photo/Thanassis Stavrakis

Zusätzlicher Druck aus dem Nahen Osten

Zur ohnehin angespannten Lage kommt die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten. Nach Angaben von Eurocontrol überfliegen inzwischen täglich rund 300 zusätzliche Flüge den griechischen Luftraum. Das sind fast 6 Prozent der gesamten täglichen Verkehrslast.

Die geografische Lage Griechenlands sorgt für zusätzlichen Aufwand. Olga Toki vom Fluglotsenverband betont, dass die zuständigen Stellen neben den Linienflügen auch die Aktivitäten türkischer Flugzeuge und unbemannter Systeme beobachten. Auch das erhöht die Arbeitsbelastung weiter.

Verspätungen auch für Passagiere spürbar

José López, der kürzlich mit etwa einer halben Stunde Verspätung aus Barcelona in Athen ankam, nahm es gelassen. Für Mitte August sei eine solche Verzögerung nichts Besonderes, sagte er; früher habe er schon deutlich längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Weniger nachsichtig ist Christos, Angestellter eines großen Hotels in Athen. Seiner Beobachtung nach treten Verspätungen häufiger auf als im vergangenen Jahr. In einem Fall habe er sogar sieben Stunden auf Gäste aus den Vereinigten Staaten warten müssen.

Für die Fluglotsen ist nicht das Wachstum des Tourismus an sich das Problem, sondern die Frage, ob die Infrastruktur mithält. Fazit: Der Tourismus ist ein entscheidender Vorteil für die griechische Wirtschaft, doch der stetige Anstieg der Flugzahlen lässt sich ohne entsprechende Investitionen in Personal, Technik und Infrastruktur nicht dauerhaft absichern.

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