Der prominente dänische Koch René Redzepi verlässt Noma, das von ihm mitgegründete Spitzenrestaurant, nachdem er jahrelange Übergriffe auf Mitarbeitende eingeräumt hat.
Der dänische Spitzenkoch René Redzepi, Mitgründer des weltberühmten Restaurants Noma, zieht sich nach Vorwürfen jahrelanger Übergriffe und Schikanen gegen Mitarbeitende aus dem Unternehmen zurück.
Zuvor hatten sich Geldgeber aus der Finanzierung des Noma-Pop-up-Restaurants in Los Angeles zurückgezogen, das am Mittwoch eröffnet hat. Redzepi sollte dort die Leitung übernehmen; ein Menü sollte rund 1.500 Euro kosten.
In einem Beitrag auf Instagram schrieb Redzepi, der Innovator der „New Nordic“-Küche: „Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen ich dieses Restaurant aufgebaut und geführt habe, habe ich beschlossen, mich zurückzuziehen.“
„Ich habe daran gearbeitet, ein besserer Chef zu werden, und Noma hat über viele Jahre große Schritte unternommen, um die Kultur zu verändern“, sagte Redzepi in einem Video, in dem er sich bei Mitarbeitenden entschuldigt. „Mir ist klar, dass diese Veränderungen die Vergangenheit nicht wiedergutmachen“, sagte der 48-Jährige. „Eine Entschuldigung reicht nicht. Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln.“
„Ich konnte mit dem Druck nicht umgehen. Kleine Fehler erschienen mir riesig, und ich habe darauf auf eine Weise reagiert, die ich heute zutiefst bereue“, ergänzte Redzepi.
Er betonte zudem, das Projekt in Los Angeles werde ohne ihn weiterlaufen, und lobte das aktuelle Team als das „stärkste“, das Noma je gehabt habe.
Chronik der Gewaltvorwürfe
Im vergangenen Monat begann Jason Ignacio White, der frühere Leiter von Nomas Fermentationslabor, in sozialen Netzwerken über Übergriffe zu berichten, die er selbst erlebt haben will.
Er veröffentlichte außerdem Berichte ehemaliger Kolleginnen und Kollegen, die ihm ihre Erfahrungen zuschickten.
„Noma ist keine Geschichte über Innovation. Es ist die Geschichte eines Wahnsinnigen, der eine Kultur der Angst, des Missbrauchs und der Ausbeutung geschaffen hat“, schrieb White in sozialen Medien.
Seine Beiträge lösten Proteste im Netz und bei der Eröffnung des Restaurants aus.
Am vergangenen Wochenende veröffentlichte auch die „New York Times“ eine ausführliche Recherche mit mehreren Zeugenaussagen über Misshandlungen im Drei-Sterne-Restaurant Noma in Kopenhagen, darunter Schläge und öffentliche Demütigungen.
Seit Jahren sieht sich Redzepi Berichten über schlechten Umgang mit seinem Personal ausgesetzt. Immer wieder stand auch sein jahrelanger Einsatz unbezahlter Praktikantinnen und Praktikanten in der Kritik. Sie hielten den Betrieb des teuren Restaurants am Laufen, das es zwischen 2010 und 2021 fünfmal an die Spitze der Liste „World’s 50 Best Restaurants“ des Magazins Restaurant schaffte.
Aktivistinnen und Aktivisten in Los Angeles, die für faire Löhne und ein existenzsicherndes Einkommen demonstrieren, wollen ihren Protest fortsetzen. Sie sagen, Berichte über körperliche und psychische Gewalt in dem Nobelrestaurant in Kopenhagen seien seit Jahren bekannt. In der Branche gälten solche Erfahrungen jedoch vielerorts noch immer als eine Art „Aufnahmeprüfung“ in die Küchenwelt – auf allen Ebenen.