Organisiert von zwei deutschen Unternehmern, startet ein weiterer Versuch, den Wal aus der Ostsee zu befördern. Auch eine Tierärztin aus Hawaii und ein internationaler Walexperte sind dabei. Einige Walforscher sehen Risiken in dem Vorgehen, die das Leiden des Wals letztendlich vergrößern könnten.
Die von einer privaten Initiative geplante Rettungsaktion für den vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Wal ist angelaufen, die tatsächliche Durchführung ist aber verschoben worden. Am Hafen traf am Donnerstag ein Konvoi mit Lastwagen ein, die Mobilkräne, große Schwimmpontons und Rohre transportierten.
Die Aktion soll nun erst am Freitag starten, wie Mitinitiator Walter Gunz am Donnerstag der Bild-Zeitung mitteilte. "Wir haben heute Vormittag leider Zeit verloren", sagte ein Sprecher der Bild-Zeitung ohne nähere Angaben. Am Donnerstag werde noch die Ausrüstung aufgebaut, die eigentliche Bergung beginne allerdings erst Freitag.
Walexperte Sergio Bambaren, ein Autor, Meeres- und Naturschützer, der weltweit zu Ozean- und Walschutzthemen arbeitet, sagte, das Tier mache einen "positiven Eindruck". Bambaren war gemeinsam mit zwei Tiermedizinerinnen, darunter eine Veterinärin aus Hawaii, zu dem Tier gepaddelt, um dessen Zustand zu begutachten.
Sprecherin Christiane von Gregory erklärte, man habe festgestellt, dass das Blasrohr intakt sei und keine Anzeichen einer Entzündung aufweise. Zudem reagiere der Wal gut auf Ansprache.
Das Tier zeige keinerlei Unruhe. Seine Haut sei während sonniger Phasen durch feuchte Tücher geschützt worden und der einsetzende Regen habe dem Wal sichtbar gutgetan.
Organisiert wird der Einsatz von einer privaten Initiative, die laut zuständigem Umweltministerium auch die Verantwortung trägt. Dahinter stecken MediaMarkt-Mitbegründer Walter Gunz und die Trabrennsport-Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Ohne ein Eingreifen habe der Wal keine Überlebenschance, erklärte Gunz der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn man etwas unternimmt, besteht zumindest die Möglichkeit, ihn zu retten."
Spektakulärer Rettungsversuch geplant
"Ich habe ihm in die Augen geschaut", sagte Umweltminister Till Backhaus zuletzt in einem Interview mit dem Spiegel. "Seit dem dritten März begleite ich diesen Wal".
Seit Wochen verfolgen auch viele Deutsche das Schicksal von Wal Timmy.
Das Tier, dass mehrere Meter lang ist und vermutlich rund zwölf Tonnen schwer, soll auf zwei Luftkissen und eine Plane drapiert werden. In dieser Konstellation soll der Wal zwischen zwei schwimmenden Plattformen in tieferes Wasser zurückgezogen werden. Eine Begleitung mit einem Schlepper bis hin in den Atlantik wird derzeit nicht ausgeschlossen.
Die Maßnahmen zur Rettung waren zuvor bereits eingestellt worden - jetzt hat das Umweltministerium den Plan das Konzept der Initiative geprüft, und Backhaus stimmte zu. Aktivisten hatten gegen ihn zuvor Anzeige erstattet, wegen "Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung".
Zustand von Wal Timmy nicht eindeutig
Wal Timmy liegt seit knapp zwei Wochen vor der Insel Poel. Seine Haut hat von dem langen Aufenthalt in untypischen Gewässern Schäden genommen, der Salzgehalt in der Ostsee ist wesentlich geringer als in seinen üblichen Gefilden.
Experten stehen der Aktion kritisch gegenüber. Der Meeresbiologe Boris Culik hatte zuvor auf Netzreste im Maul des Tieres hingewiesen. Diese müssten entfernt werden, wofür der Wal sein Maul öffnen müsse. Andernfalls sei eine Nahrungsaufnahme nicht möglich, wodurch er sich auch nicht erholen könne.
Ein Transport in andere Gewässer würde in diesem Fall lediglich bedeuten, ein sterbendes Tier zu verlagern.