Die spanische Regierung erlaubt an diesem Wochenende den Passagieren der MV Hondius, im Hafen Granadilla von Bord zu gehen. Die Entscheidung löst Proteste der Hafenarbeiter in Santa Cruz aus, die um Gesundheit und Jobsicherheit fürchten.
Die spanische Regierung hat sich mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) darauf verständigt, dass die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius, auf dem ein Hantavirus ausgebrochen ist, an diesem Wochenende im Hafen von Granadilla (Granadilla de Abona) im Südosten Teneriffas an Land gehen dürfen.
Diese Entscheidung hat bei einigen Hafenarbeitern auf Teneriffa für Unmut gesorgt. Sie versammelten sich vor dem Parlament der Kanarischen Inseln in Santa Cruz und warnten, die baldige Ankunft des Schiffs könne ihre Gesundheit gefährden. Nach Medienberichten pfiffen sie auf Trillerpfeifen, ließen Vuvuzelas ertönen und hielten Banner in die Höhe.
Das Schiff war zuvor auf den Kapverdischen Inseln unterwegs, wo drei Menschen wegen einer Erkrankung von Bord gebracht wurden.
Die spanischen Behörden bereiten sich darauf vor, mehr als 140 Passagiere und Besatzungsmitglieder von dem vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiff aufzunehmen. Gesundheitsbehörden kündigten an, sie wollten die Menschen schrittweise und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen an Land bringen.
Die spanische Gesundheitsministerin sprach von einem „beispiellosen Einsatz“. Die Evakuierung müsse innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach der Ankunft des Schiffs am Sonntag auf Teneriffa abgeschlossen sein. Andernfalls drohten wegen des angekündigten schlechten Wetters Verzögerungen von mehreren Tagen oder sogar Wochen, warnten die Behörden der Kanaren am Freitag.
Am selben Tag erklärte der Sprecher der Regionalregierung, Alfonso Cabello, vor Journalisten, das einzige Zeitfenster liege am Sonntagvormittag rund um zwölf Uhr und reiche nur, bis sich die Bedingungen am Montag wieder ändern.
Unterdessen sagten die USA zu, ein Flugzeug zu schicken, um rund 17 noch an Bord befindliche US‑Staatsbürger in die Heimat zu bringen.
Diese Passagiere sollen in der National Quarantine Unit des University of Nebraska Medical Center und von Nebraska Medicine in Quarantäne kommen, teilte das Krankenhaus am Freitag mit. Keiner von ihnen zeigt bisher Symptome.
Ärztinnen und Ärzte entscheiden nach der Untersuchung der Reisenden, wie lange die Quarantäne dauern soll.
Die spezielle Biocontainment- und Quarantäneeinheit in Omaha wurde bereits genutzt, um Ebola-Patienten und einige der ersten COVID-19-Fälle zu behandeln.
Nebraska Medicine gehört zu den wenigen Krankenhäusern in den USA, die über spezialisierte Stationen für hochgefährliche Infektionskrankheiten verfügen.
Hantavirus-Ausbruch: Was bisher bekannt ist
Auf dem Schiff sind bereits drei Menschen gestorben – ein niederländisches Ehepaar und ein deutscher Staatsbürger. Vier weitere Personen wurden positiv auf das Virus getestet: zwei Briten, ein Niederländer und ein Schweizer. Sie werden in Krankenhäusern in den Niederlanden, in Südafrika und in der Schweiz behandelt.
Am Freitag teilten die britischen und spanischen Behörden mit, sie gingen zwei weiteren Verdachtsfällen nach. Einer betrifft einen britischen Staatsbürger auf der südatlantischen Insel Tristan da Cunha, wo das Kreuzfahrtschiff am 15. April Station machte. Beim zweiten Fall handelt es sich um eine Frau, die im selben Flugzeug saß wie ein niederländischer Patient, der nach einer Reise mit der MV Hondius in Johannesburg an der Infektion starb. Die Frau liegt inzwischen in einem Krankenhaus in der ostspanischen Region Alicante.
„Mit Stand 8. Mai seien insgesamt acht Fälle gemeldet worden, darunter drei Todesfälle (Fallsterblichkeitsrate 38 Prozent)“, hieß es in einer Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Sechs Fälle seien im Labor als Hantavirus-Infektionen bestätigt worden, bei allen habe es sich um das Andesvirus (ANDV) gehandelt.“
„Die WHO stuft das Risiko für die Weltbevölkerung durch dieses Ereignis als gering ein und wird die epidemiologische Lage weiter beobachten und die Risikobewertung aktualisieren.“
„Für Passagiere und Besatzung an Bord des Schiffs gilt das Risiko als moderat“, heißt es in der Erklärung.
Weltweit werden pro Jahr schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Hantavirus-Infektionen registriert. Obwohl das Virus schon vor Jahrzehnten beschrieben wurde, stufen Fachleute es zunehmend als neu aufkommende Bedrohung ein – wegen schwankender Ausbruchsmuster und der hohen Sterblichkeit bei bestimmten Varianten.