Der Strand der dänischen Insel Anholt war am Donnerstag Schauplatz für die Obduktion des als "Timmy" bekannten Buckelwals. Presse und Öffentlichkeit durften zusehen. Erste Ergebnisse wurden bereits bekannt.
Die mit Spannung erwartete Obduktion des als "Timmy" oder "Hope" bekannten Buckelwals auf der dänischen Insel Anholt hat erste Erkenntnisse gebracht: Entgegen früheren Annahmen handelt es sich bei "Timmy" tatsächlich um ein Weibchen.
Beim Entfernen des Magen-Darm-Trakts des Tieres entdeckten die Experten im Darm ein Stück Fischernetz. Es ist möglich, dass das Netz im Verdauungstrakt zum hilflosen Zustand des Tieres beigetragen hatte.
Eine klare Todesursache konnte bisher nicht festgestellt werden. Es ist unklar, ob dies noch möglich sein wird, weil die Verwesung bereits zu weit fortgeschritten war.
Der Kadaver war zu Beginn der Obduktion mit einem scharfen Sektionsmesser an einem langen Stiel "entgast" worden, weil durch die Verwesung Explosionsgefahr bestand.
Nach dem Entgasen schnitten die Experten mit einem langen, breiten Messer durch die zentimeterdicke Speckschicht und trennten das Fleisch von den Knochen. Von sämtlichen Organen wurden Proben entnommen, die im Labor auf mögliche Krankheiten untersucht werden.
Nach der Obduktion sollen die Überreste in eine Verwertungsanlage auf dem dänischen Festland gebracht werden.
Das Wasser aus dem Kadaver soll gereinigt und anschließend in den Fjord geleitet werden. Das Fett des Wals aus der dicken Speckschicht wird zu Biodiesel verarbeitet. Knochen, Sehnen und Haut werden zu einer Art Mehl zerkleinert, das später als Biomasse in einer Zementfabrik verbrannt wird.
Nicht alles wird jedoch entsorgt: Einige Knochen des Tieres sollen nach Angaben des Nordkurier zumindest teilweise in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen aufgenommen werden. Dazu zählen unter anderem Flossen- und Beckenknochen.
Die Container mit den Überresten sollen voraussichtlich Anfang kommender Woche abgeholt werden.
Nachdem der Wal am 23. März erstmals hilflos auf einer Sandbank entdeckt worden war, bewegte das Schicksal des Meeressäugers wochenlang Deutschland. Medien aus dem ganzen Land verfolgten an der Ostseeküste die zahlreichen Versuche, den Wal wieder zum Schwimmen zu bringen. Auch ausländische Medien verfolgten das Geschehen und die Reaktionen aus Deutschland.
Nach mehreren gescheiterten Rettungsaktionen war Kritik laut geworden: Experten hielten die weiteren Bemühungen – die privat von wohlhabenden Unternehmern finanziert worden waren – für aussichtslos, manche kritisierten, dass das Tier damit eher noch gequält wurde: Der Gesundheitszustand des Wals sei zu schlecht gewesen, um ihn ohne eine Möglichkeit zum Ausruhen auf einer Sandbank freizulassen.
Unmittelbar nach dem Tod wurden Verletzungen gesichtet, unter anderem an der Schwanzflosse, die entstanden sein könnten, als das Tier ins offene Meer gezogen wurde. Eine Verletzung sei nun bei der Obduktion nicht erkennbar gewesen – was allerdings auf den fortgeschrittenen Verwesungszustand zurückzuführen sein könnte.
Die letztendlichen Ergebnisse der Obduktion werden erst in einigen Monaten erwartet.