Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Gestrandeter Wal: Obduktion heute vor den Augen der Öffentlichkeit

Gestrandeter toter Wal
Gestrandeter toter Wal Copyright  KI-generiertes Symbolbild
Copyright KI-generiertes Symbolbild
Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Der Strand der dänischen Insel Anholt wird am Donnerstag Schauplatz für die Obduktion des als "Timmy" bekannten Buckelwals. Tierärzte und Wal-Experten wollen den Kadaver untersuchen und wissenschaftliche Proben entnehmen. Presse und Öffentlichkeit dürfen zusehen.

Am Wochenende brachte ein Bergungsteam den Kadaver aus dem flachen Wasser an den Strand. Der Wal lag zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Wochen tot vor der dänischen Insel.

WERBUNG
WERBUNG

Der dänische Walforscher Peter Teglberg Madsen warnte jedoch, die Bergung sei nichts für empfindliche Gemüter. "Der Gestank ist überwältigend", sagte er bereits vergangene Woche dem Spiegel. Zudem bestehe Explosionsgefahr: Kiloschwere Fleischstücke könnten durch die Luft geschleudert werden. Deshalb werde der Kadaver zu Beginn mit einem scharfen Sektionsmesser an einem langen Stiel "entgast".

Am Donnerstagnachmittag wird das Untersuchungsteam per Fähre auf der kleinen Urlaubsinsel eintreffen. Die Obduktion dürfte rund sechs Stunden dauern. Im Mittelpunkt steht die Frage, woran der Wal gestorben ist. Die Experten wollen auch äußere Verletzungen erfassen und den Wal auf mögliche Krankheiten und Parasiten untersuchen.

Für den Ablauf gelte ein internationales Protokoll, erklärte Madsen. Zunächst werde der Wal auf äußere Verletzungen untersucht, vermessen, das Geschlecht bestimmt und Hautproben entnommen. Bereits vorher hatten Experten vermutet, dass es sich offenbar um ein Weibchen gehandelt hatte.

Nach dem Entgasen schneiden die Experten mit einem einem langen, breiten Messer durch die zentimeterdicke Speckschicht und trennen das Fleisch von den Knochen. Anschließend untersuchen Tierärzte unter anderem Gehirn, Augen sowie innere Organe wie Leber, Nieren und den meterlangen Verdauungstrakt.

Von sämtlichen Organen werden nach Angaben von Madsen Proben entnommen und im Labor auf mögliche Krankheiten untersucht. Zum Schluss soll das Herz folgen, das tief im Körper liegt.

Möglicherweise ist es bereits zu spät, um etwa innere Blutungen nachzuweisen, so der Experte: die Verwesung ist bereits zu weit fortgeschritten.

Fündig werden könnte das Obduktionsteam hingegen im Magen-Darm-Trakt des Buckelwals: Dort könnten sich Reste von Fischernetzen finden, die möglicherweise zum Tod des Tieres beigetragen haben.

Eigentlich war die Untersuchung direkt am Strand von Anholt nicht vorgesehen. Die dänischen Behörden hatten zunächst versucht, den Kadaver in einen Hafen zu schleppen – jedoch ohne Erfolg. Nach der Obduktion sollen die Überreste in eine Verwertungsanlage auf dem dänischen Festland gebracht werden.

Das Wasser aus dem Kadaver soll gereinigt und anschließend in den Fjord geleitet werden. Das Fett des Wals aus der dicken Speckschicht wird zu Biodiesel verarbeitet. Knochen, Sehnen und Haut werden zu einer Art Mehl zerkleinert, das später als Biomasse in einer Zementfabrik verbrannt wird.

Am Strand stehen große Container bereit. Ob der durch Fäulnisgase aufgeblähte Wal direkt nach der Obduktion abtransportiert wird oder zunächst weiter am Strand bleibt, war zunächst offen. Viele Einheimische hoffen auf eine schnelle Entfernung des Kadavers – aus Sorge, er könnte Badegäste von dem beliebten Strand fernhalten.

Nachdem Timmy am 23. März erstmals hilflos auf einer Sandbank entdeckt worden war, bewegte das Schicksal des Meeressäugers wochenlang Deutschland. Medien aus dem ganzen Land verfolgten an der Ostseeküste die zahlreichen Versuche, den Wal wieder zum Schwimmen zu bringen. Auch ausländische Medien verfolgten das Geschehen und die Reaktionen aus Deutschland.

Nach mehreren gescheiterten Rettungsaktionen wurde Kritik laut: Einige Experten hielten die weiteren Bemühungen – die privat von wohlhabenden Unternehmern finanziert worden waren – für aussichtslos, manche kritisierten, dass das Tier damit eher noch gequält wurde. Unmittelbar nach dem Tod wurden Verletzungen gesichtet, unter anderem an der Schwanzflosse, die entstanden sein könnten, als das Tier ins offene Meer gezogen wurde.

Die Ergebnisse der Obduktion werden später veröffentlicht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Proteste nach Mord an Henry Nowak in Großbritannien: Zwei Männer angeklagt

Britischer Teenager nach Krypto-Enthüllungen auf Russlands Sanktionsliste

EU-Kommission will höhere Mehrwertsteuer für Spaniens Gastronomie