Zwischen 2019 und 2024 verletzten E-Scooter 477 Kinder, wie eine neue Studie aus drei großen Traumazentren im Vereinigten Königreich zeigt.
Die Zahl der Verletzungen mit E-Scootern, von denen Kinder betroffen sind, hat sich in den vergangenen Jahren mehr als fünfzehnfach erhöht. Ärztinnen und Ärzte fordern deshalb strengere Regeln und bessere Aufklärung, heißt es in einer am 11. August veröffentlichten Studie (Quelle auf Englisch).
Forschende in den Notaufnahmen des Sheffield Children's Hospital, des Royal Manchester Children’s Hospital und des Alder Hey Children’s NHS Foundation Trust in Liverpool im Vereinigten Königreich werteten Daten aus den drei Zentren von Januar 2019 bis Dezember 2024 aus.
In diesem Zeitraum stieg die Zahl der Fälle von weniger als zehn im Jahr 2019 auf knapp 150 im Jahr 2024.
Von den 477 in den drei Kliniken behandelten Kindern waren 95 % selbst als Fahrende verletzt, 5 % waren Fußgängerinnen oder Fußgänger.
Am häufigsten stürzten die Kinder vom E-Scooter; das war in 75 % der Fälle so. Knapp 11,5 % der Verletzungen entstanden bei Kollisionen mit einem Auto oder einem anderen Fahrzeug. In 5 % der Fälle wurden Fußgängerinnen und Fußgänger von einem E-Scooter angefahren.
Rund ein Viertel der Verletzungen betraf den Kopf, knapp ein Fünftel das Gesicht. Dennoch trugen nach den Angaben weniger als 2 % der Fahrenden einen Helm.
Die Behandlung im Krankenhaus war oft aufwendig. 64,5 % der verletzten Kinder benötigten eine bildgebende Untersuchung wie Röntgenaufnahmen, Computertomografie oder Ultraschall. 13,5 % wurden stationär aufgenommen, 7 % mussten operiert werden.
Die verletzten Kinder waren im Schnitt zwölf Jahre alt, fast zwei Drittel waren Jungen.
Im Vereinigten Königreich gibt es für private E-Scooter auf Privatgrundstücken keine Altersgrenze. Wer einen Miet-E-Scooter nutzt, muss in der Regel mindestens 16 Jahre alt sein und eine Fahrerlaubnis besitzen. Dennoch betrafen 80 % der in der Studie erfassten Vorfälle einen privaten E-Scooter.
Die Studie hebt zudem hervor, dass 74 % der verletzten Kinder in sozial und wirtschaftlich stark benachteiligten Gegenden leben.
Nach Einschätzung der Forschenden sind Kinder und Jugendliche häufig unerfahren im Straßenverkehr und gehen eher Risiken ein. Sie fordern deshalb spezielle Verkehrssicherheitskampagnen für diese Altersgruppen.
„Ansätze wie Aufklärungskampagnen, etwa Fahrradsicherheitsprogramme, die auf E-Scooter-Fahrende ausgeweitet werden, könnten hilfreich sein und haben sich bereits als wirksam für das Sicherheitsverhalten der Nutzenden erwiesen“, schreiben die Forschenden in der Studie.
Die Forschenden sehen den sprunghaften Anstieg der Verletzungen als Hinweis auf eine ‚sich abzeichnende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit‘. Sie dringen auf klarere Botschaften im Bereich Gesundheitsschutz und auf eine Überprüfung der gesetzlichen Vorgaben.
„Der Handel muss Kundinnen und Kunden klar über die Rechtslage informieren, und die Politik sollte den Einsatz privater E-Scooter stärker regeln – etwa über Tempobegrenzungen oder eine Helmpflicht“, heißt es weiter in der Studie.
„Wir müssen dringend das Bewusstsein in der Bevölkerung und bei medizinischem Personal schärfen, die öffentliche Gesundheitskommunikation verbessern und die Gesetzgebung überprüfen, um weitere Verletzungen und Todesfälle zu verhindern“, fügen sie hinzu.
Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem Regierungen und Städte in ganz Europa die Regeln für E-Scooter neu bewerten, vor dem Hintergrund wachsender Sorgen um Sicherheit und den öffentlichen Raum.
Am Tag der Veröffentlichung verschärfte die französische Hauptstadt Paris die Regeln für E-Scooter und andere elektrische Kleinfahrzeuge. Im Juli hat die deutsche Regierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Verleihfirmen wie Lime und Bolt bei Unfällen mit ihren Fahrzeugen direkt haften lassen soll.
Madrid entzog den Anbietern 2024 die Lizenzen, weil sie das Fahr- und Parkverhalten der Roller nicht ausreichend unter Kontrolle hatten.
Prag verbannte im Januar 2026 Sharing-E-Scooter aus dem Stadtgebiet, und Brüssel will im Januar 2027 nachziehen.