Schon ab Mitternacht bildeten sich Schlangen an Teheraner Tankstellen: Ein täglicher Engpass löste Hamsterkäufe aus, Behörden verneinen Mangel und kündigen unklare Preisänderungen an.
In Teheran und anderen iranischen Städten bildeten sich in den frühen Stunden des Donnerstags kilometrelange Schlangen vor Tankstellen. Grund ist ein täglicher Fehlbestand bei Kraftstoffen, verstärkt durch panische Hamsterkäufe. Zugleich bestätigten Regierungsvertreter, dass die Benzinpreise steigen sollen – ohne einen Zeitpunkt oder Umfang der Erhöhung zu nennen.
Auf sozialen Netzwerken kursierende Videos zeigen Fahrzeugkolonnen in der Hauptstadt und in der nahegelegenen Stadt Karaj, die sich am Mittwoch kurz vor Mitternacht bildeten und bis in die frühen Morgenstunden anhielten. Mehrere Tankstellen schlossen, bevor sie die Nachfrage bedienen konnten.
Behörden führen den Andrang auf Gerüchte über Engpässe zurück. Umfang der Störung und die angekündigte Preiserhöhung deuten jedoch auf ein sich verschärfendes strukturelles Problem hin.
Die tägliche Lücke von 15 Millionen Litern geht nach Regierungsangaben auf US-Sanktionen zurück, die die Importe einschränken, auf US-israelische Angriffe auf iranische Raffinerien sowie auf eine Seeblockade iranischer Häfen, die seit Beginn des Kriegs am 28. Februar besteht.
Teheran: Benzinverbrauch schießt in die Höhe
Mohammad Sadegh Azimifar, Geschäftsführer der National Iranian Oil Products Refining and Distribution Company, erklärte, der Verbrauch in der Provinz Teheran sei um 30 Prozent gestiegen. Die Versorgungskette sei dennoch stabil, betonte er.
„Einige Menschen fahren wegen dieser Gerüchte zur Tankstelle, aber es gibt keinen Anlass zur Sorge“, sagte er.
Keramat Veis-Karami, Geschäftsführer der National Iranian Fuel Distribution Company, bestätigte, dass die durchschnittliche tägliche Auslieferung von 138 Millionen Litern im Monat Mordad auf 150 Millionen Liter am Mittwoch gestiegen ist. Die Zahl zeigt, dass die Nachfrage inzwischen deutlich über dem üblichen Niveau liegt.
Er bezeichnete die Engpass-Gerüchte als „haltlos und unbegründet“ und appellierte an Autofahrer, nur zu warten, wenn der Tank tatsächlich fast leer sei.
Der für Exekutivangelegenheiten zuständige iranische Vizepräsident Mohammad Jafar Ghaempanah erklärte am Mittwochabend, die Kraftstoffpreise müssten angepasst werden.
„Wir müssen heute den Preis für Benzin und Diesel verändern“, sagte er dem Provinzfernsehen von Gilan.
„Art, Umfang und Zeitpunkt dieser Anpassung stehen noch nicht fest. Wir müssen uns mit allen Beteiligten zusammensetzen und anschließend die Bevölkerung über das Ergebnis informieren“, erklärte Ghaempanah.
Er räumte ein, dass das derzeitige Subventionssystem ungerecht sei, weil Autobesitzer deutlich mehr verbilligten Kraftstoff erhalten als Menschen ohne eigenes Fahrzeug.
IRGC und Teheran im Konflikt?
Eine Erhöhung der Kraftstoffpreise birgt in Iran erhebliches politisches Risiko. Der jüngste Versuch der Regierung, die Benzinpreise im November 2019 anzuheben, löste die bis dahin blutigste Niederschlagung von Protesten seit der Revolution von 1979 aus; laut Menschenrechtsorganisationen kamen dabei schätzungsweise 1.500 Menschen ums Leben.
Zuletzt erlebte Iran im Dezember 2025 landesweite Proteste gegen die anhaltende Hyperinflation, die Sicherheitskräfte laut Berichten mit tödlicher Gewalt niederschlugen; demnach gab es Zehntausende Opfer. Die Regierung von Präsident Pezeshkian hat bisher keinen Termin für die neue Preiserhöhung festgelegt.
Berichte iranischer Medien deuten zudem auf einen Streit zwischen den Revolutionsgarden (IRGC) und der Regierung über den Zugang zu strategischen Treibstoffreserven hin. Demnach lehnen die Garden eine uneingeschränkte Nutzung der Lagerbestände durch Teheran ab. Keine der Seiten hat den Konflikt bislang öffentlich bestätigt.
Schmuggel von Kraftstoffen verschärft den Druck auf die Versorgung zusätzlich. Iranische Medien meldeten vergangene Woche, Behörden im Süden des Landes hätten eine 6 Kilometer lange Pipeline demontiert, die unter Strandsand und Meerwasser versteckt war und zum Schmuggel von Treibstoff aus Iran genutzt wurde.
Die maritime Sicherheitseinheit in Bandar Abbas meldete zudem die Beschlagnahme von mehr als 12.000 Litern geschmuggeltem Diesel mit einem Wert von rund 10.000 Euro zum freien Wechselkurs.