Trotz neuer Angriffe der Huthi-Rebelle im Jemen auf Saudi-Arabien zeigten sich die Börsenkurse in den USA zuletzt im Hoch. Dies dürfte auf Präsident Trumps Äußerungen zu einer angeblichen "Energie-Waffenruhe" zwischen Russland und der Ukraine zurückzuführen sein.
Nach der Erklärung des US-Präsidenten verloren wichtige Rohölwerte mehr als ein Prozent. In Kyjiw löste die Ankündigung zugleich Verwunderung aus. Von dort hieß es, Moskau habe mehrere Kraftwerke im Land getroffen.
Der Beitrag im trumpeigenen Netzwerk folgte auf einen Appell Trumps an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen. Er erklärte zudem, es sei „Zeit für die Ukraine, einen neuen Präsidenten zu bekommen“, der den Krieg endlich beende.
Kyjiw überrascht, Moskau schweigt
Selenskyj reagierte überrascht und kündigte an, er wolle weitere Details klären. Zugleich betonte er: „Die Ukraine unterstützt die Waffenruhe, und es ist wichtig, dass Russland sie ebenfalls unterstützt.“
Russland hat die Vereinbarung bisher nicht bestätigt.
Die Verbündeten der Ukraine begrüßten zwar die Ankündigung. Gleichzeitig geriet Trump unter starken Druck, weil er eine vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen gegen russischen Diesel verkündet hatte. Europäische Staats- und Regierungschefs und Kyjiw warnten, dies würde Russlands Präsident Wladimir Putin nur weiter ermutigen.
Der Rückgang des Ölpreises machte einen ersten Kurssprung wieder zunichte, der als Reaktion auf Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien am Wochenende eingesetzt hatte.
Am Samstag wurden am internationalen Flughafen von Riad mindestens ein Dutzend Menschen getötet – der tödlichste Angriff auf saudischem Boden seit mehr als einem Jahrzehnt. Nach einem zweiten Angriff am Sonntag kam ein weiterer Mensch ums Leben.
Die Angriffe bedeuten eine deutliche Eskalation im Jemen-Krieg. Riad unterstützt dort seit Langem militärisch die international anerkannte Regierung im Kampf gegen die Huthis.
Die von Iran unterstützte Gruppe reklamierte am Sonntag mehrere Angriffe der vergangenen 24 Stunden für sich und drohte, weiterhin Verkehrsknotenpunkte des Königreichs ins Visier zu nehmen. Sie bezeichnete diese als „Operationsfeld für unsere Kräfte“.
Beratungsunternehmen: Markt zunehmend unwillig
„Der Markt zahlt nicht mehr bei jeder Schlagzeile den vollen geopolitischen Aufschlag, und das ist wahrscheinlich das sinnvollste Signal in der Preisbewegung am Morgen“, schrieb Stephen Innes von SPI Asset Management.
„Ein Angriff ist nur relevant, wenn er reale Ölmengen, Schifffahrtsrouten, Raffineriekapazitäten oder Versicherungskosten gefährdet. Ansonsten zeigt sich der Markt zunehmend unwillig, Aufschläge zu zahlen, nur weil der geopolitische Ticker auf Rot steht. Der physische Markt bleibt angespannt genug, um Brent über 100 Dollar zu halten. Doch die Terminmärkte weigern sich, jede neue Eskalation als Beginn eines weiteren linearen Inflationsschocks zu werten“, so Innes weiter.
Märkte am Montag: Ölpreis-Minus stützt Asiens Börsen
Der niedrigere Ölpreis gab den meisten Börsen in Asien Rückenwind. In Hongkong, Sydney, Singapur, Wellington und Manila lagen die Kurse im Plus.
Seoul und Taipeh aber litten unter Kursverlusten der Chipkonzerne SK hynix, Samsung und TSMC. In Tokio ruhte der Handel wegen eines Feiertags. US-Aktienfutures lagen deutlich im Plus.
Anleger warteten zudem auf wichtige US-Daten zu Inflation und Einzelhandel, die für die Zinsentscheidungen der US-Notenbank eine große Rolle spielen könnten. Die Fed tagt Ende Oktober.
Außerdem startet in dieser Woche die Berichtssaison: Die Bankenriesen JP Morgan, Goldman Sachs und Bank of America legen ihre Zahlen vor. Technologiekonzerne ziehen dann später im Monat und im November nach. Händler hoffen dann auf Hinweise, wie es mit dem KI-Sektor weitergeht. In diesen sind in den vergangenen Jahren enorme Summen geflossen.