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Jordanien: Königreich im Konfliktfeld

Jordanien: Königreich im Konfliktfeld
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Eingeklemmt zwischen Syrien, dem Irak, Israel, dem Westjordanland und Saudi-Arabien hat Jordanien gleich mehrere Konflikte direkt vor der Haustür. Das Königreich, das auf der Rangliste der Pressefreiheit des Vereins Reporter ohne Grenzen auf dem 141. Platz (von 180 Ländern) liegt, hat nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen mehr als 620.000 Flüchtlinge aufgenommen, die vor dem Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien geflohen sind. Der Konflikt ist ganz nah.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreibt: ‘Den komplexen Verhältnissen in der Region, […], muss stets Rechnung getragen werden. Bestimmte Ereignisse und Konflikte in Nachbarländern können sich auf Jordanien auswirken.’ Auch das österreichische Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres warnt: ‘Von nicht notwendigen Reisen nach Jordanien, insbesondere in die Grenzgebiete zu Syrien (insbesondere in den Bereich Ramtha/Al-Jabir/Mafraq) und zum Irak wird abgeraten. Die Krisen in Syrien und Irak haben die Sicherheitssituation in Jordanien verschlechtert. Es besteht die Gefahr von Terroranschlägen und eine erhöhte Sicherheitsgefährdung.’

Offiziell herrscht in Jordanien Frieden, doch nicht erst seit der Ermordung von Muaz al-Kasaesbeh durch die Organisation Islamischer Staat ist das Königreich längst mittendrin im Konflikt – und zwar nicht nur geographisch. Al-Kasaesbeh war Oberleutnant der jordanischen Luftwaffe. Jordanien beteiligt sich an den von den Vereinigten Staaten geleiteten Angriffen gegen die Islamisten, der Pilot war am Heiligabend über Syrien abgestürzt und von IS-Kämpfern festgenommen worden.

Dass Jordaniens König Abdullah II. einer Beteiligung an Kampfeinsätzen gegen die Organisation Islamischer Staat zustimmte, überrascht nicht, schließlich hat der Monarch enge Verbindungen vor allem nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten. Und davon abgesehen ist der Weg für die Islamisten nach Amman durchaus einer, der zu bewältigen wäre. Auch hier: Die Bedrohung ist nicht fern. Als Sohn von König Hussein und einer britischen Mutter 1962 in Amman geboren, genoss Abdullah seine akademische und militärische Ausbildung nicht nur in Jordanien, sondern auch im Heimatland seiner Mutter sowie in den USA. Er erhielt seinen soldatischen Schliff an der Militärakademie im südenglischen Sandhurst und war zeitweise in England sowie in Deutschland stationiert. Er studierte ebenfalls am Pembroke College, Oxford und an der Georgetown University in Washington D.C.

Seit 1993 ist Abdullah mit Rania verheiratet, die einer palästinensischen Arztfamilie entstammt, das Paar hat vier Kinder.

Als den König die Nachricht von der Ermordung des Piloten erreichte, weilte er gerade mit seinem ältesten Sohn in Washington. Von den USA aus verurteilte Abdullah die Tat in einer im jordanischen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache und brach den Staatsbesuch anschließend vorzeitig ab. Als Reaktion auf die Ermordung seines Soldaten ließ Abdullah zwei in Jordanien inhaftierte IS-Mitglieder hinrichten, die Männer seien gehängt worden, meldete die staatliche jordanische Nachrichtenagentur Petra. Der König kündigte einen “gnadenlosen Krieg” gegen die Dschihadisten an, die er als “Kriminelle” und “fehlgeleitete Verbrecherbande” bezeichnete.

Abdullah rief seine Landsleute zum Zusammenhalt auf, doch längst nicht jeder Jordanier teilt die Meinung des Königs und heißt seine Strategie gut. Unter Teilen der Bevölkerung Jordaniens herrscht Unverständnis über eine Beteiligung an den Einsätzen gegen die Organisation Islamischer Staat und auch im Königreich gibt es Anhänger der Dschihadisten. Und dann gibt es solche, die befürchten, dass sich die Gewaltspirale schneller und schneller dreht. Immer nach dem Motto: Unsere Rache und Vergeltung werden schrecklich sein.