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Ex-Diktator Fujimori bittet nach Begnadigung um Vergebung

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Ex-Diktator Fujimori bittet nach Begnadigung um Vergebung

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Der wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilte Ex-Präsident Perus, Alberto Fujimori, ist an Weihnachten überraschend begnadigt worden - 15 Jahre vor dem eigentlichen Haftende. Das löste massive Proteste aus. 

Fujimori wird unter anderem massive Korruption zur Last gelegt. Er ließ damals die Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angebliche subversive Kräfte vorgehen, das Parlament wurde entmachtet. Zudem wurden Zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert, um ihre Kinderzahl zu reduzieren. 

Im Fokus der Kritik steht der aktuelle Präsident Pedro Pablo Kuczynski,  Kritiker werfen ihm einen «schmutzigen Deal» mit Fujimoris Sohn Kenji vor. Dieser soll als Gegenleistung für die Freilassung dafür gesorgt haben, dass die Opposition in der vergangenen Woche nicht genug Stimmen für ein sicher geglaubte Amtsenthebung Kuczynskis im Kongress zusammenbekam.

Bei wütenden Protesten gegen die Haftentlassung setzten Polizisten in Lima Schlagstöcke und Tränengas ein. In sozialen Medien war vom «dunkelsten Heiligabend» Perus die Rede.

Das Land steht vor einer Zerreißprobe - aber auch der Fujimori-Clan. Kenji Fujimori und seine Schwester Keiko ziehen die Fäden in der größten Oppositionspartei, der rechtspopulistischen Fuerza Popular (FP). 

Noch vor wenigen Tagen demonstrierten die Menschen für Kuczynski, da er auf Betreiben der von Fujimoris Tochter Keiko geführten Fuerza Popular (FP) des Amtes enthoben werden sollte. Dem Präsidenten wurde eine Verwicklung in den Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht vorgeworfen, was er bestreitet. Die Absetzung von Kuczynski galt eigentlich als sicher. Dann stimmten aber nur 78 Abgeordnete am Donnerstagabend nach 14-stündiger Debatte dafür - neun Stimmen weniger als benötigt. Zur Schlüsselfigur wurde Fujimoris Sohn Kenji - er steht seinem Vater wesentlich näher als die Tochter. Er und neun weitere Abgeordnete der Fujimori-Partei enthielten sich. 

Angeblich soll im Gegenzug die Freilassung des Vaters zugesichert worden sein. Es könnte nun zum Machtkampf zwischen Kenji und Keiko kommen: Kenji könnte statt Keiko auch die nächste Präsidentschaftskandidatur übernehmen - mit dem Segen des Vaters.