China setzt mit humanoiden Robotern neue Maßstäbe – doch nun formiert sich in Deutschland ernstzunehmende Konkurrenz. Ein Technologieunternehmen aus Metzingen fordert Peking heraus. Beginnt hier das nächste Kapitel im globalen KI-Rennen?
Erst vor Kurzem hatte China den Tanz humanoider Kampfroboter vorgeführt - das Video, bei dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner China-Reise zugesehen hatte, ging viral.
Doch jetzt ist Deutschland der Großmacht auf den Fersen. Denn auf dem Gebiet der humanoiden Robotik hat auch Deutschland starke Player, darunter den Metzinger Roboterhersteller Neura Robotics.
Neura Robotics-CEO David Reger ist das Gehirn hinter den humanoiden Robotern "made in Germany". Momentan steht das Training der Roboter im Vordergrund. Das Training erfolgt nicht etwa durch einfache Simulation. Die Roboter müssen sich ein Muskelgedächtnis aneignen, sagt Reger im Handelsblatt. Deshalb werden sie in sogenannten Neurogyms trainiert.
Der Vorteil: Durch die Kooperation mit verschiedenen Unternehmen wie Bosch und Schaeffler baut Neura Robotics ein kognitives Ökosystem auf. Durch den Austausch der Trainingsdaten für die Roboter wurde eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software entwickelt. "Was ein Roboter kann, können alle anderen gleichzeitig lernen. Dadurch entsteht ein intelligentes Netzwerk, das Innovationskraft, Sicherheit und Effizienz radikal steigert", schreibt Neuro Robotics auf seiner Website.
Um die Roboter anzulernen, wurde des Weiteren die Plattform Neuraverse ins Leben gerufen. Dort werden Daten gesammelt, mit denen die Roboter vernetzt werden. So können sie ständig dazulernen. "Wir sind die Einzigen, die eine Plattform haben, auf der alle Roboter mit sämtlichen intelligenten Geräten über das gleiche Gehirn verbunden sind", so Renger im Handelsblatt.
Die humanoiden Roboter verfügen über kognitive Intelligenz. Die Roboter können also ihre Umgebung eigenständig wahrnehmen, Entscheidungen treffen und aus Erfahrungen lernen.
Die Roboter sind mit einem patentierten Sensorik-System ausgestattet, das ihnen erlaubt, Menschen von Objekten zu unterscheiden und ihr Verhalten daran anzupassen. Durch das intelligente Dual-Akkusystem wird ein 24/7-Betrieb ermöglicht. Und praktisch sind die Roboter auch: Sie verfügen über feinmotorische, lernfähige Hände und können dank einer leistungsstarken Gelenktechnik bis zu 100 Kilogramm heben.
Diese Eigenschaften eröffnen ein breites Anwendungsspektrum der humanoiden Roboter. Sie können in verschiedenen Bereichen helfen, insbesondere auch im Bereich der Autoindustrie. Der bereits erwähnte Autozulieferer Schaeffler will von den humanoiden Robotern profitieren und sie bis 2035 weltweit in seinen Fabriken einsetzen.
Geplant sind mehrere tausend Roboter von Neo Robotics und anderen Firmen, wie der SWR berichtete. Die Roboter können aber auch im Alltag helfen: im Einzelhandel, der Pflege oder sie unterstützen ältere Menschen im Haushalt.
Neuro Robotics wurde 2019 gegründet und verfügt zurzeit über 600 Mitarbeiter. Bis 2030 will das Unternehmen fünf Millionen kognitive und humanoide Roboter ausliefern, die in Fabriken und Haushalten zum Einsatz kommen sollen.