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Lesbos, eine Insel am Limit

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Lesbos, eine Insel am Limit

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Die griechische Ägäis-Insel Lesbos ist besonders stark vom Flüchtlingsstrom betroffen, die Aufnahmekapazitäten sind mit derzeit rund 11 000 Migranten weit überschritten.

Eine Herausforderung für die Bevölkerung der Insel. Sie ist gespalten. Es gibt die, die auf der Seite der Flüchtlinge stehen und weiterhin mit offenen Armen aufnehmen wollen - und andere, die sich vor einem weiteren Anstieg der Migrationsströme fürchten. Unsere griechische Kollegin Fay Doulgkeri hat sich vor Ort umgehört.

Wenn es kälter wird, werden diese Menschen nicht mehr im Freien bleiben können.

Bewohner der Insel Lesbos

Immer wieder komme es zu Zusammenstößen auf den Straßen, sagt ein junger Anwohner, es gebe Drogenhandel. Die Situation sei außer Kontrolle geraten. Die Wahrheit sei, sagt er, dass er sich Sorgen um den Winter mache. "Wenn es kälter wird, werden diese Menschen nicht mehr im Freien bleiben können. Ich fürchte, dass sie versuchen, in verlassenen Gebäude Schutz zu suchen. Und das hat, wie Sie vielleicht verstehen, Auswirkungen auf die Nachbarschaft."

"Es wäre gut, ein Gleichgewicht zu finden"

"Manchmal ist die Situation einfach zu unübersichtlich. Es wäre gut, ein Gleichgewicht zu finden, deshalb versuchen wir, sie hier rauszuholen und an einen anderen Ort zu schicken", erklärt eine junge Frau auf der Straße.

Ein anderer junger Mann hat Verständnis für die Ängste seiner Mitbewohner. "Das ist eine kleine Gemeinde. Wenn man mit den gleichen Leuten aufgewachsen ist, jeder jeden kennt und plötzlich so viele Ausländer kommen, ist das ein bedrohliches Gefühl. Das kann ich verstehen. Aber die Reaktion der Extremisten ist nicht zu rechtfertigen."

Offene Arme für Flüchtlinge

Noch am Abend findet in Mytlini, dem Hauptort der Insel, eine antirassistische Demonstration in Erinnerung an den linken Rapper Pavlos Fyassas statt, der vor fünf Jahren von einem Mitglied der der rechtsradikalen Partei Goldene Morgenröte erstochen wurde.

"Lesbos ist eine antifaschistische Insel und hat offene Arme für die Flüchtlinge, sagen Dutzende von Menschen, die im Zentrum der Hauptstadt demonstrieren" berichtet euronews-Korrespondentin Fay Doulgkeri.

Derweil warnen Hilfsorganisationen vor den katastrophalen Zuständen im Aufnahmelager von Moria. Dort harren 8912 Menschen aus. Das Lager hat aber nach neuesten Angaben des Migrationsministeriums nur Platz für 3100.