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100 Morde: Ex-Krankenpfleger gesteht vor Gericht

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100 Morde: Ex-Krankenpfleger gesteht vor Gericht

100 Morde: Ex-Krankenpfleger gesteht vor Gericht
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Reuters
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Der wegen 100 Morden an Patienten angeklagte Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat die Vorwürfe vor Gericht gestanden. Diese träfen weitgehend zu, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Oldenburg. Im Prozess um die vermutlich größte Mordserie der Nachkriegsgeschichte hat die Anklage dem Ex-Pfleger Niels Högel 100 weitere Morde zur Last gelegt. Die Verhandlung begann am Dienstag mit einer Schweigeminute für die Opfer.

Der bereits wegen anderer Fälle zu lebenslanger Haft verurteilte 41-Jährige soll von 2000 bis 2005 an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen Patienten im Alter von 34 bis 96 Jahren mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Die Taten seien aus niederen Beweggründen und heimtückisch begangen worden, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann zum Auftakt der Verhandlung.

Schweigeminute zum Prozess-Auftakt

Der neue Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger wurde wegen der großen Zahl an Prozessbeteiligten in eine Kongresshalle verlegt. Unmittelbar vor Beginn des Prozesses bat Richter Sebastian Bührmann alle Anwesenden, zu der Schweigeminute aufzustehen. «Alle ihre Angehörigen haben es verdient, dass man ihnen in Ehren gedenkt», sagte Bührmann. Dies sei unabhängig davon, ob Högel etwas mit deren Tod zu tun habe oder nicht. «Wir werden uns bemühen und mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen», versprach Bührmann. An Högel gerichtet sagte er: «Ich werde mit Ihnen fair verhandeln, ich werde mit Ihnen offen verhandeln in guten Sachen wie in schlechten Dingen.»

Die Staatsanwältin ging in ihrer Anklageverlesung auf jeden der 100 Fälle ein. Högel wurde bereits 2015 wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation zur Höchststrafe verurteilt. Der Richterspruch lautete auf lebenslange Haft und besondere Schwere der Schuld. Daran wird auch der Prozess nichts ändern. Allerdings könnte das Urteil Folgen haben, wann und ob überhaupt die Strafe jemals ausgesetzt wird.

Motiv: Langeweile und Geltungssucht

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft spritzte Högel seinen Opfern ein Medikament mit tödlichen Nebenwirkungen. Anschließend versuchte er, die Patienten wiederzubeleben - was in vielen Fällen misslang. Das Motiv: Langeweile und Geltungssucht vor den Kollegen.

Der Prozess ist komplex und aufwendig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und 11 toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige. «Wir haben vier Jahre für diesen Prozess gekämpft und erwarten, dass Högel wegen weiterer 100 Morde verurteilt wird», sagte Christian Marbach, der Sprecher der Angehörigen, dessen Großvater von Högel getötet wurde. «Das Ziel ist, dass Högel so lange wie möglich in Haft bleibt.»

120 Nebenkläger eingeladen

Am Dienstag erschienen nicht alle der über 120 Nebenkläger. In den reservierten Platzreihen blieben viele Stühle leer. Spannend bleibt, ob und wie ausführlich sich Högel selbst zu seinen mutmaßlichen Taten vor Gericht äußern wird. Insgesamt ist der Prozess bis Mai 2019 terminiert. Seine Haft sitzt Högel in der JVA in Oldenburg ab.