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Friedensnobelpreis: Mukwege und Murad für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt gewürdigt

Friedensnobelpreis: Mukwege und Murad für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt gewürdigt
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Der Friedensnobelpreis ging dieses Jahr an Denis Mukwege und Nadia Murad für ihre Aufklärungsarbeit darüber, wie sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kriegen als Waffe verwendet wird.

Wir ehren heute zwei der stärksten Stimmen der Welt.

Berit Reiss-Andersen Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees

Bei der Verleihung war die Stimmung emotional aufgeladen. Bei der Rede von Denis Mukwege sprangen die Menschen im Publikum auf, applaudierten laut. Eine Seltenheit bei der Vergabe von Nobelpreisen.

Jubel bei Dankesrede von Mukwede

"Wir ehren heute zwei der stärksten Stimmen der Welt", sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. Sie erinnerte in ihrer Rede auch an Tawakkol Karman, Friedensnobelpreisträgerin von 2011. Karman hätte gesagt, dass "Ungerechtigkeit gegen eine Person, Ungerechtigkeit an der gesamten Menschheit darstellt."

Außerdem machte Reiss-Andersen in ihrer Rede deutlich, in welchem Ausmaß die misshandelten Frauen, für die sich Murad und Mukwege einsetzen, teilweise vergewaltigt wurden: "Eine Frau, die von dreißig oder mehr Männern vergewaltigt wurde, kann das nicht einfach vergessen und ihr Leben normal fortführen." Deswegen sei die Arbeit von Mukwege und Murad auch so wichtig.

Nadia Murad wurde vom IS als Sex-Sklavin gehalten

Die 25-jährige Jesidin Nadia Murad ist selbst ein Opfer sexueller Gewalt. Sie wurde von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verschleppt und mehrere Monate als Sex-Sklavin gefangen gehalten und unzählige Male missbraucht. Ihr gelang die Flucht und nun kämpft sie dafür, dass die Terroristen sich vor einem internationalen Gericht verantworten müssen. "Das kann die Gewalt gegen Frauen und Kinder nicht ungeschehen machen", sagte sie im Vorfeld der Verleihung. "Aber es kann Türen öffnen, sodass wir noch mehr Regierungen dazu bringen können, dass diese Taten angeklagt werden."

In ihrer Rede bei der Verleihung des Nobelpreises forderte sie die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihr Volk zu schützen und sich für die Freilassung von Tausenden von Frauen und Kindern einzusetzen, die noch immer in den Händen von Dschihadisten sind.

Auf Twitter postete sie vor einigen Tagen ein Bild von sich und der Kanzlerin Angela Merkel. Sie und Merkel hätten die Situation der Jesiden in Deutschland diskutiert. Außerdem hätte Murad die Kanzlerin um Unterstützung beim Wiederaufbau von vom IS zerstörten Gebieten gebeten.

Die internationale Gemeinschaft muss handeln, so Murad

"Wenn die internationale Gemeinschaft den Opfern dieses Völkermords wirklich helfen will (....), muss sie ihnen internationalen Schutz gewähren", sagte die Irakerin in ihrer Dankesrede. Es sei "unvorstellbar", dass die Welt nicht mehr getan habe, um die noch immer vom IS festgehaltenen mehr als 3.000 Jesiden zu befreien.

Denis Mukwege zollte Murad seinen Respekt. Viele vergewaltige Frauen könnten nicht darüber sprechen, was ihnen zugestoßen sei. Oft würden sie sich schämen, die Schuld gar bei sich selbst suchen. "Schweigen hält die Gewalt am Leben, Tabu hält die Vergewaltigungskultur am Leben", erklärte er. Und genau gegen diese Vergewaltigungskultur kämpft Murad mit ihrer Arbeit an.

Denis Mukwege hilft vergewaltigten Frauen

Mukwege ist ein kongolesischer Arzt und betreibt dort seit 1999 ein Krankenhaus in Bukavu. Dort behandelt er Frauen, die schwer misshandelt wurden. Oft wurden sie mit Gewehrläufen, Bajonetten oder abgebrochenen Flaschen vergewaltigt.

"Die Körper von Frauen sind zu Schlachtfeldern geworden", sagte der Arzt. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, zu handeln. Es reiche nicht mehr aus, nur darüber zu reden. "Die Täter müssen wissen, dass die Welt sie für ihre Taten bestrafen wird", forderte er.

Jeden Monat werden nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Ärzte der Welt durchschnittlich 170 Frauen in Mukweges Krankenhaus behandelt. In Bukavu nennen die Menschen den Arzt deswegen auch den "Mann, der die Frauen repariert".

Doch seine Arbeit wird nicht von allen gerne gesehen. Bei einem bewaffneten Überfall auf Mukwege im Oktober 2012 wurde ein Freund von ihm getötet. Nach einem kurzen Exil in Europa, kam der Arzt jedoch im Januar 2013 schon zurück. Frauen aus Bukavu steuerten zu seinem Flugticket bei. Und das, obwohl die meisten von ihnen weniger als einen Dollar pro Tag verdienen.

Seinen Kampf für die Rechte und Gesundheit der Frauen begründete er folgendermaßen: "Wenn man nicht gegen ein Übel kämpft, ist es wie Krebs. Es verbreitet sich immer weiter und zerstört die ganze Gesellschaft."

Der Vater von fünf Kindern studierte in Angers, eine Stadt im Westen Frankreichs. Dort hätte er nach seinem Studium bleiben können - er entschied sich jedoch dazu, in seine Heimat zurück zu kehren, um dabei zu helfen, die Situation im Land zu verbessern.

Er lebt dort heute im Haus seiner Stiftung Panzi und ist unter ständigem Schutz von Soldaten der Vereinten Nationen.

Durch seinen Kampf für die Würde der Frauen ist er zum Sprecher von Millionen von Zivilisten geworden, die vom Missbrauch bewaffneter Gruppen oder schwerer Krimineller in der mineralreichen Region Kivu im Osten des Landes bedroht sind.

Umbruch in der Demokratischen Republik Kongo?

Der Friedensnobelpreis für Mukwege wird in einem wichtigen Jahr für die Demokratische Republik Kongo vergeben. In seiner Rede bei der Zeremonie zur Vergabe des Friedensnobelpreises zeigte sich Mukwege besorgt darüber, dass die bevorstehenden Wahlen den Krieg in der Demokratischen Republik Kongo wieder aufleben lassen könnten. Um dies zu vermeiden, müssen die Wahlen laut Mukwege frei, fair und friedlich sein. Es gäbe jedoch Anzeichen dafür, dass sie das nicht sein werden.

Die Wahlen am 23. Dezember sollen der erste demokratische Machtwechsel im Kongo sein und die Herrschaft von Präsident Joseph Kabila beenden, der 2001 nach der Ermordung seines Vaters an die Macht kam. Kabila sollte jedoch schon 2016 abgelöst werden. Die Wahlen wurden immer wieder verschoben.

Mukwege befürchtet, dass Kabila eine Unterdrückung des Volkes, vielleicht sogar einen erneuten Krieg, vorbereite.

15 Jahre nach Endes des Krieges immer noch Konflikte

Der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo endete 2003. Er forderte fünf Millionen Todesopfer. Die meisten von ihnen starben aufgrund von Hunger und Krankheit. Gewalt ist aber immer noch ein Problem. Vor allem im Osten des Landes bekämpfen sich bewaffnete Gruppen gegenseitig. Deren Milizen zielen auch auf Zivilisten.

Mukwege sieht eine Chance den immer noch andauerenden Konflikt im Osten des Landes mit Hilfe von Bergbauunternehmen einzudämmen. Er rief "seriöse" Unternehmen dazu auf, das Land unter Druck zu setzen. Außerdem forderte er Ruanda, Uganda und Burundi dazu auf, den Osten des Landes zu befrieden.

Die Demokratische Republik Kongo ist so reich an Bodenschätzen, dass es bei Vielen als das rohstoffreichste Land der Welt gilt. Diamanten, Kupfer, Öl und Gold fördern aber vielmehr Konflikte als Reichtum im Land. Der Staat konkurriert mit dem Militär, Rebellengruppen, Nachbarstaaten und westlichen Unternehmen um den Abbau der Schätze. Einzelne werden immer reicher, die Bevölkerung versinkt in Armut und Elend.

Friedensnobelpreis wird seit 1901 vergeben

Der Friedensnobelpreis wird seit über einem Jahrhundert jedes Jahr am 10. Dezember vergeben. Das ist der Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel.

Die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft werden in Stockholm vergeben. Genau wie normalerweise der Literaturnobelpreis. Die Verleihung wurde aber dieses Jahr aufgrund von Streitigkeiten und Skandalen in der schwedischen Akademie abgesagt.

Der Friedensnobelpreis wird traditionell in Oslo vergeben.