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Horror-Video und 12 Identitäten: Rätselraten um Amri-Freund

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Bilal Ben Ammar (28) hat den mutmaßlichen Attentäter auf den Weihnachtsmarkt in Berlin offenbar noch am Tag des Anschlags getroffen. Erst jetzt kommen immer mehr Details aus dem Leben des Mannes ans Licht, der wenige Monate nach dem Attentat am Breitscheidplatz vom Dezember 2016 nach Tunesien abgeschoben wurde.

Warum wurde möglicher Mitwisser so schnell abgeschoben?

Gerätselt wird in der deutschen Presse darüber, warum ein Mann, der offenbar Informatioen über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt und enge Kontakte zum mutmaßlichen Attentäter hatte, so schnell in sein Heimatland abgeschoben wurde.

Mit Kindern in Berlin IS-Hinrichtungen nachgespielt.

In einer Berliner Unterkunft für Flüchtlinge soll Ben Ammar mit Kindern IS-Hinrichtungen nachgespielt haben. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, den die Deutsche Presse-Agentur einsehen konnte.

Der als Gefährder eingestufte Tunesier filmte die Szene am 13. September 2016 in der Berliner Motardstraße. Das Video zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird. Ben Ammar verglich dies mit der Folterung von Muslimen in Burma und forderte das Kleinkind auf, zuzuschlagen. Die Ermittler notierten: „Danach forderte Ben Ammar das Kind auf, angsteinflößend zu brüllen und zeigte, wie man einen „gefangenen Kriminellen des Assad-Regimes“ befragt, bis dieser seine Verbrechen gesteht.“ Zuletzt habe er die Enthauptung des Jugendlichen nachgespielt.

Frühere Bewohner der Unterkunft sagten dem Vermerk zufolge aus, er habe sich als Islamist zu erkennen gegeben. Im Kontakt mit der Heimleitung und den Sozialarbeitern habe sich Ben Ammar aber „kooperativ verhalten“ und sei nicht aufgefallen.

12 verschiedene Identitäten benutzt: Mal Marokkaner, mal Libyer...

Ben Ammar hat sich in Deutschland unter verschiedenen Namen als Asylbewerber registrieren lassen und zahlreiche Straftaten verübt. Das geht aus dem Schreiben eines Beamten des Bundesinnenministeriums an eine Kollegin vom 16. Januar 2017 hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In der E-Mail an die damalige Staatssekretärin und heutige US-Botschafterin in Washington, Emily Haber, geht es darum, dass Ben Ammar möglichst bald abgeschoben werden sollte.

Einer Namensliste zufolge benutzte der Tunesier 12 verschiedene Identitäten und nannte sich unter anderem Fathi Mheni, Abu Bakir Muawed und Ahmad Hassan. Er gab sich mal als Marokkaner, mal als Ägypter und dann wieder als Libyer aus.

Ben Ammar war nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 2014 zusammen mit anderen Tunesiern per Boot nach Italien und dann über die Schweiz nach Deutschland gekommen. Ben Ammar stellte unter anderem in Chemnitz einen Asylantrag. Er traf seinen Bekannten Anis Amri am 18. Dezember 2016, einen Tag bevor Amri in Berlin einen Lastwagen kaperte, damit über den Breitscheidplatz raste und zwölf Menschen tötete. Amri konnte nach dem Attentat nach Italien fliehen, wo er vier Tage später von der Polizei erschossen wurde.

Ben Ammar wurde am 1. Februar 2017 nach Tunesien abgeschoben. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages, der mögliche Fehler der Behörden rund um den Anschlag aufklären soll, will ihn wahrscheinlich demnächst als Zeugen vernehmen. Ob er in Berlin oder Tunesien befragt werden soll, ist noch nicht entschieden.