Ungarn schützt seine Infrastruktur derzeit mit Soldaten vor angeblich ukrainischer Sabotage. In Deutschland soll künftig die Heimatschutzdivision der Bundeswehr die kritische Infrastruktur schützen, Drohnen abwehren und militärische Transporte absichern.
Seit 2025 sind die Heimatschutzregimenter der Bundeswehr in der Heimatschutzdivision zusammengeführt. Perspektivisch sollen rund 6.000 Soldaten Teil des Regiments sein.
Anders als klassische Kampftruppen der Bundeswehr, die für militärische Einsätze ausgebildet werden, übernehmen Heimatschutzsoldaten vor allem Aufgaben innerhalb Deutschlands – etwa beim Schutz kritischer Infrastruktur oder bei der Unterstützung ziviler Behörden.
In den Planungen der Bundeswehr ist die Division deshalb eng mit dem sogenannten Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) verbunden. Der OPLAN DEU ist der militärische Plan für die Verteidigung Deutschlands, in dem zentralen Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung mit den dafür notwendigen zivilen Bereichen und Verantwortlichkeiten koordiniert und zusammengeführt werden.
Nach Informationen des Wall Street Journal umfasst OPLAN DEU ein geheimes, rund 1.200 Seiten langes Dokument, das vor rund zweieinhalb Jahren in der Berliner Julius-Leber-Kaserne verfasst wurde und nun "mit Hochdruck" umgesetzt werden soll.
Perspektivisch sollen rund 6.000 Soldaten zur Heimatschutzdivision gehören.
Heimatschutz im Zeitalter hybrider Kriegsführung
Die strategische Bedeutung der neuen Division ergibt sich vor allem aus der veränderten Bedrohungslage. Moderne Konflikte beginnen heute oft nicht mehr mit klassischen militärischen Operationen, sondern mit verdeckten Maßnahmen – etwa Sabotage, Spionage oder Cyberangriffen.
Das Bundesverteidigungsministerium beschreibt diese Form der Auseinandersetzung als hybride Bedrohung. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte im September vergangenen Jahres nach Drohnensichtungen über skandinavischen Flughäfen, Deutschland sei "nicht im Krieg", aber "auch nicht mehr im kompletten Frieden". Man werde angegriffen – "hybrid, mit Desinformationskampagnen" und durch Drohneneindringungen.
Auch der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr, Vizeadmiral Thomas Daum, verwies in einem Interview mit Euronews auf die Bandbreite solcher Bedrohungen. Dazu gehörten "hybride Einflussnahme, Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, elektromagnetische Störungen sowie Misinformation, Desinformation oder gezielte Meinungsbeeinflussung".
Besonders wichtig: Drohnenabwehr
Auch Drohnen spielen dabei eine zunehmende Rolle: Sie werden eingesetzt, um militärische Einrichtungen oder kritische Infrastruktur auszuspionieren oder auszutesten.
Wie Euronews bereits vergangenes Jahr berichtete schicken "russische Akteure ihre Aufklärer regelmäßig", um die immer neuen Routen der europäischen Militärtransporte auszuspähen, um in Erfahrung zu bringen, welche Waffen die Ukraine bald erreichen werden, von wo aus neues Kriegsgerät geliefert wird und wann neue Munition die Front erreichen wird.
Bei Fällen dieser Art setzt die Heimatschutzdivision an: Anders als die Kampftruppe der Bundeswehr ist ihr Operationsraum ausschließlich das deutsche Staatsgebiet. Ihre Kräfte sollen insbesondere dann eingesetzt werden, wenn Infrastruktur gesichert werden muss oder wenn militärische Transporte durch Deutschland geschützt werden müssen. Dazu gehören Häfen, Bahnlinien, Flughäfen, Energieanlagen oder militärische Einrichtungen – also jene Knotenpunkte, die im Krisenfall für die Verlegung von NATO-Truppen und Material entscheidend sind.
Die Bundeswehr hat deshalb in den vergangenen Jahren Systeme zur Drohnenabwehr entwickelt und eingeführt. Zum Einsatz kommen sogenannte Counter-UAS-Systeme. Dabei werden unterschiedliche Sensoren kombiniert, etwa Radar, optische Kameras und Funkaufklärung, um Drohnen möglichst früh zu erkennen.
Wird ein unbemanntes Fluggerät identifiziert, können elektronische Gegenmaßnahmen eingesetzt werden. Störsender, auch "Jammer" genannt, unterbrechen dabei etwa die Funkverbindung zwischen der Drohne und dem Steuergerät oder beeinflussen die Navigationssignale.
Verbindung von militärischem und zivilem Schutz
Die Heimatschutzdivision ist bewusst als Bindeglied zwischen militärischer Verteidigung und zivilem Krisenmanagement konzipiert. Ein wesentlicher Teil ihrer Aufgaben liegt in der Unterstützung ziviler Behörden – etwa bei Naturkatastrophen oder bei großflächigen Störungen der Infrastruktur.
Dabei setzt die Bundeswehr auch stark auf die Reserve. Ein großer Teil der Heimatschutzkräfte besteht aus Reservisten, die regional verankert sind und im Krisenfall schnell verfügbar sein sollen. Diese Struktur spiegelt einen grundlegenden sicherheitspolitischen Wandel wider. Im Zuge der von Altkanzler Olaf Scholz ausgerufenen Zeitenwende rückt auch der Schutz des eigenen Territoriums stärker in den Fokus.
Verteidigung beginnt damit nicht erst an den Grenzen, sondern bereits beim Schutz von Infrastruktur, Kommunikationsnetzen und militärischen Einrichtungen im Inland. Die Heimatschutzdivision soll genau hier ansetzen – als militärische Struktur, die Infrastruktur sichert und auf Bedrohungen wie Sabotage, Drohnenaufklärung oder andere Formen hybrider Kriegsführung reagieren kann.
Ähnliche Modelle existieren bereits in mehreren NATO-Staaten, darunter zum Beispiel auch in Polen, dass nach der russischen Annexion der Krim 2014 eigene Territorialverteidigungskräfte aufgebaut hat.