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Streit um Esterhazys Wunderkammer von Forchtenstein

Streit um Esterhazys Wunderkammer von Forchtenstein
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März 1919, gerade haben die Kommunisten in Ungarn die Macht übernommen. Eine ihrer ersteAmtshandlungen – auf Burg Forchtenstein konfiszieren sie die über Jahrhunderte gesammelten Schätze der Esterházy: innerhalb dreier Tage verschwand, was in 300 Jahren angehäuft worden war. Obwohl die erste Diktatur des ungarischen Proletariats nur 133 Tage dauerte, kehrte die Wunderkammer nie zurück. Die Burg Forchtenstein liegt in der österreichischen Region Burgenland.

Die Wunderkammer: ein Füllhorn der Geschichte aber nur als Ganzes

Die Kunsthistorikerin Dr. Erika Kiss erklärt:

"Die von Esterházy-Sammlung ist außergewöhnlich, denn die Zeit endet in dieser Schatzkammer nicht, dies hier ist in der Tat eine lebendige Sammlung."

Die Einheit, der Blick auf die vollständige Wunderkammer macht den geschichtlichen und wissenschaftlichen Wert der Sammlung aus. Als Eigentümer ließen die Esterhazys dem Staat die Sammlung von unschätzbarem Wert unter der Bedingung, dass sie als Ganzes ausgestellt und der Wissenschaft zugänglich sein sollte. Aber hunderte Stücke der einzigartigen Sammlung sind bis heute auf ungarische Museen verteilt.

Die Ausstellung auf Burg Forchtenstein protestiert dagegen – sie zeigt die Zerrissenheit der Sammlung, sie zeigt als Platzhalter für das Fehlende die leeren Transportbehälter, die 1919 zurück gelassen wurden.

Die Clans der Esterhazy streiten um Macht und Geld

2016 entschied die ungarische Regierung, 70 Objekte an einen anderen Familienzweig der Esterhazy zu übergeben. Die Preziosen wurden seitdem nicht mehr gesehen, ein Rechtsstreit tobt. Die Ausstellung ist auf Forchtenstein ist Erbstreit und Protest gegen ungarische Kulturpolitik zugleich. Opfer ist eine Sammlung, die ihresgleichen sucht.

Zugleich tobt im Clan ein Streit um Erbe und Macht zwischen den vier Linien der Esterhazy, der teils bizarre Züge trägt.