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Frankfurt: Großbanken-Hochzeit geplatzt

Frankfurt: Großbanken-Hochzeit geplatzt
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Aus einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird nichts. Die Gespräche über einen Zusammenschluss seien ergebnislos beendet worden, so die beiden Institute. Nach gründlicher Prüfung seien die Vorstände zum Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss «keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde», hieß es in getrennten Mitteilungen. Dies gelte «auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergehen.»

Tim Sims, Reuters:

"Das wird große Auswirkungen auf die deutsche Bankenlandschaft haben. Für die Deutsche Bank bedeutet dies, dass sie noch mehr unter Druck kommt, radikale Veränderungen vorzunehmen, etwa bei ihrer US-Investmentbank. Für die Commerzbank bedeutet dies, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme steigt. Interesse aus dem Ausland ist signalisiert, aus Italien, von Unicredit und von der niederländischen Bank ING."

BUND ENTSCHEIDET MIT

Führende Politiker wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wünschen sich schon lange einen «nationalen Champion» auf dem deutschen Bankenmarkt - ein international wettbewerbsfähiges Institut, das mit den großen Banken aus den USA und China dauerhaft mithalten kann.

Seit vergangenem Sommer betonen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein
Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef JörgKukies, Deutschland brauche starke Banken.

Bei der Commerzbank hat der Bund Mitspracherecht: Nach einer Rettungsaktion mit Steuermilliarden in der Finanzkrise ist der Staat mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner des Instituts. Mitte März hatten die beiden größten Privatbanken Deutschlands öffentlich gemacht, dass sie miteinander die Möglichkeit eines Zusammenschlusses ausloten.

Kritiker einer Fusion hatten vor allem einen gewaltigen Stellenabbau und mögliche Filialschließungen als Argumente gegen die Banken-Hochzeit ins Feld geführt. 30 000 Jobs würde ein solcher
Zusammenschluss kosten - so die Befürchtung der Gewerkschaft Verdi.

Sigrid Ulrich