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Zukunft der Arbeit: Qualifikation ist der Schlüssel

Zukunft der Arbeit: Qualifikation ist der Schlüssel
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Branchen- und berufsübergreifend stellen sich Arbeitnehmer zunehmend auf neue Anforderungen ein. Welche Fachkenntnisse werden in Zukunft gebraucht und wie kann man sicherstellen, dass der Wandel der Arbeitswelt allen zugutekommt?

Euronews-Reporterin Sasha Vakulina:"Qualifikation ist die Währung des 21. Jahrhunderts, und zusammen mit der Bildung sind das entscheidende Faktoren, die die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Volkswirtschaften bestimmen. Sind Ihre Fachkenntnisee auf dem neuesten Stand? Willkommen bei Real Economy. Ich bin Sasha Vakulina und in dieser Folge geht es um die Zukunft der Arbeit. Fanny Gauret hat erkundet, wie sich Arbeitnehmer zunehmend auf neue Anforderungen einstellen."

Die Fabrik der Zukunft

Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass sich bis 2022 mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer umschulen oder weiterbilden müssen.

Euronews-Reporterin Fanny Gauret:"Ich habe in Le Havre eine Fabrik besucht, die mithilfe von innovativen digitalen Technologien Flugzeug-Triebwerksgondeln herstellt. Werfen wir einen Blick in die Fabrik der Zukunft. Es ist offensichtlich Sasha, dass sich die Fachkenntnisse der Arbeiter verändern. Sehen wir uns die Industrie 4.0 an."

Fließbandarbeiter Fabrice Bureaux meldete sich freiwillig für eine Fortbildung an. Das hatte Auswirkungen auf seinen Arbeitsalltag: "Früher haben wir das von Hand gemacht. Es war eine körperlich sehr anstrengende Arbeit, für die wir drei Viertel eines Arbeitstags gebraucht haben. Mit dem Bohrroboter brauchen wir wesentlich weniger Zeit und das Ergebnis ist sehr präzise."

Dank digitaler Technologien können Kosten gesenkt und die Effizienz verbessert werden. Dadurch werden Unternehmen wettbewerbsfähiger. Der Umgang damit sind für Mitarbeiter wie Mickael, auszubildender Ingenieur, und seinem Betreuer Nicolas Schlüsselkompetenzen:

"Neue Technologien sind nicht jedermanns Sache. Ich arbeite in den zwei Bereichen Virtual und Augmented Reality, die im Industriesektor ziemlich selten sind", sagt Lehrling Mickael Lebailif.

Nicolas Lepape, Projektleiter Forschung und Technologie, Safran Nacelles, meint: "Die Idee hinter diesen neuen Jobs ist es, sagen zu können: 'Ich bin Wirtschaftsingenieur, deshalb kümmere ich mich unter anderem um mechanische und produktionstechnische Aspekte, und darüber hinaus habe ich gute Kenntnisse in allen digitalen Bereichen'."

Der Lehrling fügt an: "Es sind Schlüsselkompetenzen, man findet leichter eine Arbeit, weil man mit diesen Technologien schon vertraut ist."

Dank der neuen Arbeitsweise kann das Unternehmen 2000 neue Triebwerke in drei statt in 15 Jahren liefern. Die Automatisierung von Aufgaben mittels einer Maschine oder einem Algorithmus wirft jedoch die Frage nach der Zukunft der Arbeit auf und die Rolle des Menschen dabei:

"Dieser Übergang muss positiv begleitet werden, und dafür muss er vorbereitet sein. Die Fabrik der Zukunft ist ein industrielles Werkzeug im Dienste der Arbeitnehmer, das sich auf den Mehrwert der Menschen konzentriert und auf Aufgaben mit einem starken Mehrwert. Dadurch steigern wir die Effizienz und das macht den Unterschied bei unseren Aktivitäten", sagt Cédric Halé, Personalchef, Safran Nacelles.

Wie stellt man sicher, dass der Wandel der Arbeitswelt allen zugutekommt?

Neue Technologien entwickeln sich rasant. Wie kann man die Fähigkeiten der Arbeitnehmer und die zukünftigen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes in Einklang bringen? In Lyon leitet Alban ein Netzwerk von 19.000 Arbeitgebern, die an diesen Herausforderungen arbeiten.

"Es ist eine der großen Fragestellungen, auf die wir noch nicht alle Antworten haben. Aber das liegt daran, dass in Unternehmen noch in vielen Bereichen getestet wird, was die neuen Technologien ermöglichen, bei Themen wie Kundennähe, Innovation, internationale Entwicklung, Verständnis der Kundenerwartungen usw.. All diese aufkommenden Aspekte können neue Berufe hervorbringen", so Alban Guyot, General Manager, Entreprise du Futur.

Die Arbeitslosenquote der 28 EU-Länder lag im Februar 2019 bei 6,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit langem. Und doch bedeutet das, dass in der EU über 16 Millionen Menschen arbeitslos sind.

Wandel der Arbeitswelt: Herausforderungen

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tief greifenden Veränderungsprozess, der durch neue Einflüsse angetrieben wird: Technologische Entwicklung, Klimawandel, demografische Veränderungen und Globalisierung.

Weltweit sind 190 Millionen Menschen arbeitslos, davon 64,8 Millionen Jugendliche.

300 Millionen Arbeitnehmer leben in extremer Armut - das heißt von weniger als 1 Euro und 70 Cent pro Tag.

Zwei Milliarden Menschen arbeiten in der Schattenwirtschaft.

Das Lohnwachstum sank zwischen 2016 und 2017 von 2,4 auf 1,8 Prozent.

Zwischen Männern und Frauen besteht ein Lohngefälle von 20 Prozent.

All diesen Herausforderungen will man mit 344 Millionen Arbeitsplätzen begegnen, die weltweit bis 2030 geschaffen werden sollen.

Lebenslanges Lernen ist angesagt

Die euronews-Reporterin sprach mit der EU-Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitsmobilität Marianne Thyssen darüber, wie man die Herausforderungen des Wandels der Arbeitswelt bewältigen kann.

Marianne Thyssen:"Eine der größten Herausforderungen ist meiner Meinung nach die Fortbildung der Menschen. Fast 70 Millionen Menschen in Europa verfügen nicht über grundlegende digitale Kompetenzen. Und das ist nicht in Ordnung. Es gibt viele offene Stellen, die nicht besetzt sind. Wir müssen uns darum kümmern, dass Arbeitnehmer besser und öfter qualifiziert werden, dass Kompetenzen, Bildung und Ausbildung auch für den Arbeitsmarkt relevanter werden. Ich sage immer, wenn es um die Qualifizierung von Menschen geht, ist 'Beschäftigungsfähigkeit' kein Schimpfwort. Wir müssen berücksichtigen, dass die Menschen nach dem Abschluss der Schule eine Arbeit finden sollen und die Übergänge sollten so reibungslos wie möglich verlaufen."

Euronews: "Wie stellt man sicher, dass die Bürger diese Fähigkeiten erwerben, effizient lernen?"

Marianne Thyssen:"Man muss die Bürger auffordern, ihre Fähigkeiten zu überprüfen und sich anzustrengen. Man muss auch für lebenslanges Lernen bereit sein. In den kommenden Jahren kann man nicht sagen, man war auf dieser Universität oder jener Schule, man hat sein Zertifikat erworben und das war es. Nein! Man muss Fähigkeiten erwerben, sich fortbilden oder umschulen. Sich weiterzubilden sein ganzes Leben lang. Aber wir müssen auch vonseiten der Regierung, der Behörden unseren Beitrag leisten und dafür sorgen, dass es gute Angebote gibt. Und das versuchen wir bereits in der Empfehlung des Rates für Weiterbildungspfade zu kombinieren - es geht um die Qualifizierung von Erwachsenen, ihnen eine zweite Chance zu geben, wir fordern die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dazu beizutragen, dass Menschen die Möglichkeit der Umschulung und einer individuellen Bewertung bekommen, dass sie ein individuelles Angebot erhalten, dass sie umgeschult werden und dass sie ihre Fähigkeiten dokumentieren können."

Euronews: "Und wie kann man all das Potenzial, das wir in der Europäischen Union haben, auch in Bezug auf Globalisierung und Lieferketten optimal nutzen?"

Marianne Thyssen:"Wir Europäer müssen bereit sein, die Führung zu übernehmen und zu versuchen, nicht nur unsere Produkte und Dienstleistungen, sondern auch unsere Werte zu exportieren. Viele Menschen aus anderen Teilen der Welt schauen auf Europa, weil sie wissen, dass es hier eine gute Lebensqualität gibt. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen auch in Zukunft eine gute Lebensqualität haben. Wir müssen also in unseren Handelsabkommen - über Dienstleistungen, Produkte und globale Wertschöpfungsketten -, darauf achten und sicherstellen, dass sie auch Vereinbarungen über den Umweltschutz, über Beschäftigung und soziale Sicherheit, über würdige Arbeitsbedingungen beinhalten."

Euronews:"Sich an die neue Realität, sich an die Digitalisierung anpassen, sich auf Qualifikation konzentrieren, aber dabei die Lebensqualität nicht aus den Augen zu verlieren - das war EU-Kommissarin Thyssen in Real Economy."