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Gewählt werden fern der Heimat

Gewählt werden fern der Heimat
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Sein Gesicht könnte so manchem bekannt vorkommen.

Aber was viele vielleicht nicht wissen, ist, dass der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bei den Europa-Wahlen antritt - und zwar in Deutschland.

Andere Bewerber beschlossen ebenfalls, außerhalb ihrer Heimat zu kandidieren.

Der Italiener Sandro Gozi etwa, einst Staatssekretär in Rom, will einen Sitz in Frankreich erringen, für die Partei von Staatspräsident Emmanuel Macron.

Man könne nicht eine europäische Demokratie haben, wenn es keine grenzüberschreitenden politische Kräfte gebe.

Man wolle dies vorleben und die Idee einer Politik ohne Grenzen praktizieren, so Gozi.

Unter den transnationalen Kandidaten sind auch neue Gesichter mit bekannten Namen.

Da ist etwa der Franzose Nicolas Barnier, Sohn des EU-Brexit-Unterhändlers.

Ihm trug der belgische Ministerpräsident Charles Michel eine Kandidatur an.

Nun muss Barnier zeigen, ob er bei den belgischen Wählern ankommt.

Natürlich sei er französischer Patriot. Aber Patriot und Europäer schlössen sich nicht aus.

Bei Europa-Wahlen stimme man für ein Projekt und nicht so sehr für eine Person.

Sein Vater spiele bei seinem Wahlkampf jedenfalls keine Rolle, jeder habe seine eigenen Aufgaben.

Derzeit gibt es nur vier Abgeordnete, die außerhalb ihres Landes gewählt wurden.

In diesem Jahr treten mindestens 20 transnationale Kandidaten an.

Doch wie groß sind ihre Chancen? Experten sehen den Wert ihrer Bewerbung eher in der symbolischen Bedeutung für die europäische Integration.

Transnationale Kandidaten seien selten in der Spitzenposition für einen Sieg, meint Eric Maurice von der Robert-Schuman-Stiftung.

Es sei für die Menschen zu schwierig zu erkennen, welchen Wert diese Kandidaten für die Arbeit im Europäischen Parlament brächten.

Ursprünglich sollte es transnationale Listen geben, um die wegen Brexit frei werdenden britischen Sitze zu füllen.

Doch da die Briten nun teilnehmen, könnte diese Liste erst 2024 Wirklichkeit werden.