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Masken statt Matratzen- kreativ im Kampf gegen das Coronavirus

Masken statt Matratzen- Würzburger Firma Wegerich stellt jetzt Schutzkleidung her.
Masken statt Matratzen- Würzburger Firma Wegerich stellt jetzt Schutzkleidung her.   -   Copyright  Daniel Karmann/dpa via AP
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Viele Firmen mussten wegen des Coronavirus ihre Produktion stoppen oder zumindest drosseln. Einige Produkte sind zurzeit kaum gefragt, andere boomen hingegen - so zum Beispiel Schutzausrüstungen. Drei Branchen wollen sich das zunutze machen.

In Zeiten der Coronavirus-Krise haben Unternehmen mit Auftragseinbrüchen zu kämpfen. Was also tun mit den freien Kapazitäten? Einige Firmen stellen ihre Produktion auf Schutzausrüstung um, denn die wird momentan dringend gebraucht. Das kann auch ein Weg sein, um sich in der Krise über Wasser zu halten. Ein Überblick über einige Firmen, die diesen Weg beschritten haben:

Neue Prioritäten: Atemschutzmasken, statt Matratzen und Autositzen

Der Würzburger Matratzenhersteller Wegerich hat auf die Corona-Krise reagiert und stellt ab sofort Gesichtsmasken her. "Wir sind an unseren Näh-Arbeitsplätzen in der Lage, in den nächsten Wochen über 100.000 Masken zu produzieren", sagt Geschäftsführer Markus Wegerich gegenüber dem Bayrischen Rundfunk. Die gefertigten Masken haben zwar nicht den Standard von zertifizierten Masken, können aber zum Beispiel im Pflegebereich oder auch für Putzkräfte im Krankenhaus eingesetzt werden, so Wegerich. Die Masken sind bei 60 Grad waschbar und wiederverwendbar.

Auch der bayerische Autozulieferer Zettl Automotive produziert Atemschutzmasken, wenn auch im Auftrag der Landesregierung. Die Firma näht eigentlich Sitzbezüge. Für die Masken wird Zettl von dem Vlies-Hersteller Sandler mit Material für eine Million Schutzmasken beliefert, wie das bayerische Wirtschaftsministerium mitteilt. «Die fertigen Masken werden vom THW an Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen verteilt», sagt eine Sprecherin.

Auch international wollen immer mehr Firmen ihren Beitrag zur Corona-Krise leisten: Der Mailänder Modekonzern Prada begann mit der Produktion von 80 000 Arztkitteln und 110 000 Masken, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Montag meldete. Es handle sich um einen Auftrag der Region Toskana. Das Material solle bis 6. April in einer Fabrik nahe Perugia hergestellt werden.

Schutzanzüge vom Autozulieferer und Medizintechnik aus dem 3D Drucker von VW

Der Autozulieferer Prevent bietet der Bundesregierung und dem Land Nordrhein-Westfalen die kurzfristige Lieferung von Schutzbekleidung für Ärzte und Helfer an. «Konkret geht es um Kittel, Schutzmasken, Kopfbedeckungen und Schutzanzüge», teilt ein Unternehmenssprecher mit. Prevent stellt normalerweise unter anderem Sitzbezüge für Autos her.

Volkswagen will seine Produktion ebenfalls umstellen und so Hersteller von Medizintechnik wie Beatmungsgeräten mit dem Bau und der Zulieferung eigener Teile unterstützen. Es gehe um Komponenten, die sich mit 3D-Druckern aus der Kunststoffteile- oder Prototypenfertigung herstellen ließen, sagt eine Sprecherin.

Der italienische Autokonzern FCA plant eine seiner Fabriken zur Herstellung von Atemschutzmasken umzubauen. Fiat Chrysler Automobiles (FCA) will die Masken anschließend an medizinisches Personal spenden. Ziel sei es, mehr als eine Million Gesichtsmasken pro Monat zu produzieren. Nach Unternehmensangaben sollen die Schutzmasken in einem asiatischen Werk hergestellt werden.

Kreative Unternehmen: Schutzkleidung, um Absatzwegbruch auszugleichen

Der schwäbische Bekleidungshersteller Trigema hat seine Produktion zumindest teilweise auf Mund- und Nasenschutz-Masken umgestellt. Dem Unternehmen lägen schon Aufträge für mehr als 200 000 Stück etwa von Kliniken, Pflegeheimen, Behörden und anderen vor. Um die Nachfrage befriedigen zu können, werde auch samstags gearbeitet. Mit der Produktion von Schutzausrüstung könne die Umstellung auf Kurzarbeit verhindert werden. Wegen der Corona-Krise sei rund 50 Prozent des Absatzes weggebrochen. «Da war ich nicht ganz undankbar, dass ich vorher großspurig gesagt habe: Ich kann das nähen», sagt Unternehmenschef Wolfgang Grupp.

Allerdigs gibt es aber auch Diskussionen um die Schutzwirkung der Stoff-Masken von Trigema. Einige Experten kritisieren, sie würde Sicherheit vortäuschen, die sie nicht bieten.

Auch der Hemdenhersteller Eterna aus dem niederbayerischen Passau hat angesichts der Corona-Krise mit der Produktion von Gesichtsmasken begonnen. Im slowakischen Eterna-Werk sei die Produktion auf Schutzmasken umgestellt worden, wie ein Sprecher mitteilt. Künftig sollen bis zu 25 000 Masken pro Tag gefertigt werden. Auftraggeber ist die slowakische Regierung.

Der Berliner Brautmodenhersteller Bianco Evento kündigt ebenfalls an, in Zukunft Schutzkleidung und Mundschutzmasken verkaufen zu wollen. Die Produktion sei bereits komplett umgestellt. Pro Woche sollen rund 35 000 Masken und 5000 Kittel geliefert werden. «Bianco Evento möchte fortan alle Möglichkeiten der hauseignen Textil-Produktionsstätte nutzen, um Kliniken, Pflegeheime, Behörden und weitere medizinische Bereiche zu unterstützen», heißt es.

Besser als Schnaps: Desinfektionsmittel statt Jägermeister

Durch die Ausbreitung des Coronavirus werden auch Desinfektionsmittel knapp. Alkoholhersteller wollen deshalb aushelfen: Der Spirituosenhersteller Jägermeister aus Wolfenbüttel etwa stellt dem Klinikum Braunschweig 50 000 Liter Alkohol zu Herstellung des Mittels zur Verfügung, wie die Klinik mitteilt. Der Getränkeproduzent Berentzen prüft ebenfalls mögliche Lieferungen. Man denke darüber nach, Hersteller von Desinfektionsmitteln zu unterstützen oder selbst welches herzustellen, teilt die Firma mit.

Das Kölner Unternehmen Klosterfrau Healthcare (früher Klosterfrau Melissengeist) will 100 000 Liter Desinfektionsmittel an das Land Nordrhein-Westfalen spenden. Das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in einer Sondersitzung des Landtags. Schon kommende Woche wolle das Unternehmen 150 000 von insgesamt 500 000 Flaschen Handdesinfektionsmittel bereitstellen.