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Nach der Pandemie: Drei Milliarden Masken ungenutzt verbrannt

**Deutsch:**  Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn trifft zur Kabinettssitzung im Bundeskanzleramt am Mittwoch, dem 24. November 2021, in Berlin ein.
**Deutsch:** Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn trifft zur Kabinettssitzung im Bundeskanzleramt am Mittwoch, dem 24. November 2021, in Berlin ein. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Fast sechs Milliarden Corona-Schutzmasken hatte das Bundesgesundheitsministerium zu Beginn der Pandemie beschafft – ein Großteil davon wurde jedoch ungenutzt vernichtet. Schon 2024 hatte der Bundesrechnungshof kritisiert, dass deutlich mehr Masken beschafft worden waren, als benötigt wurden.

Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sorgt weiter für Kritik an den Kosten der Corona-Pandemie: Der Großteil der 5,8 Milliarden Schutzmasken, die er zu Beginn der Krise im Rahmen seiner umstrittenen Einkaufstour beschafft hatte, ist inzwischen ungenutzt vernichtet worden. Nur 2,12 Milliarden wurden verteilt.

Dies geht aus Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen sowie auf eine Anfrage des SPIEGEL hervor.

Die Masken-Beschaffung war von Anfang an umstritten: Während Spahn argumentierte, es sei besser, zu viele Masken vorzuhalten als zu wenige, kritisierten Experten schon damals die Höhe der Bestellungen als überzogen und die Lagerung als problematisch.

Die Vernichtung der zuvielbestellten Masken wirft nun erneut Fragen nach Wirtschaftlichkeit und Planung auf – zumal die Anschaffung Milliarden Euro Steuergelder verschlang.

Rund drei Milliarden Masken landeten bisher in Müllverbrennungsanlagen, mit Entsorgungskosten von acht Millionen Euro. Bis Ende 2026 dürften weitere 85 Millionen Masken hinzukommen, da dann ihr Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft.

Ein weiterer Großteil der restlichen Masken, etwa 360 Millionen Stück, ist aktuell Teil laufender Verfahren mit Händlern und wird aus Beweissicherungsgründen aufbewahrt. Bis heute dauern Rechtsstreitigkeiten über die Lieferverträge an. Das Prozesskostenrisiko für den Steuerzahler wird auf rund 2,3 Milliarden Euro geschätzt.

Am Ende dürfte auch von diesen Masken ein großer Teil entsorgt werden, weil auch dort das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft.

Abgeordnete führten bereits heftige Debatte

Der Bund hatte die Masken im Frühjahr 2020 für insgesamt rund 5,9 Milliarden Euro gekauft. Spahn wird vorgeworfen, gegen den Rat seiner Fachabteilungen Masken zu völlig überzogenen Preisen beschafft zu haben. Schon 2025 hatte sich ein Bericht der beamteten Sonderermittlerin Margaretha Sudhof (SPD) mit den damaligen Abläufen befasst.

Der sogenannte Sudhof-Bericht, ein internes Gutachten zur Maskenbeschaffung in der Corona-Pandemie, wurde im Januar 2025 fertiggestellt und dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt. Erst mehrere Monate später, im Sommer 2025, wurde der Bericht teilweise öffentlich bekannt. Zunächst kursierten geschwärzte Fassungen, später auch ungeschwärzte Versionen, nachdem verschiedene Medien Auszüge veröffentlicht und darüber berichtet hatten.

In dem Bericht, der als Verschlusssache eingestuft ist, wurde das Vorgehen Spahns bei der Beschaffung von Schutzmasken teils heftig kritisiert.

Danach führten die Abgeordneten eine teils kontrovers geführte Debatte.

Die CDU-Gesundheitspolitikerin Simone Borchardt hatte damals die Vorwürfe gegen Spahn zurückgewiesen. Die Corona-Pandemie sei eine der dramatischsten Krisen der jüngeren Geschichte gewesen. Schutzmasken hätten damals gefehlt, die Preise seien stark gestiegen, und Pflegekräfte hätten vielerorts improvisieren müssen.

Die Grünen, die die Kleine Anfrage vor kurzem gestellt haben, kritisieren nun erneut das Bundesgesundheitsministerium, das heute von Ministerin Nina Warken (CDU) geführt wird. Der Vorwurf: Ihr Ministerium trage nicht zu einer transparenten Aufarbeitung des Milliardendesasters bei.

Die Corona-Enquete-Kommission des Bundestags "Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse" hat indes ihre Arbeit im Sommer 2025 aufgenommen, steht jedoch noch am Anfang. Der Masken-Deal mit Jens Spahn wird dabei jedoch nicht in einem eigenen Untersuchungsausschuss behandelt, sondern im Rahmen einer umfassenden Analyse der gesamten Pandemiepolitik.

In diesem Rahmen ist auch der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn persönlich befragt worden, unter anderem zu den Beschaffungsprozessen der Schutzmasken. Die Kommission plant, ihre Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in einem Abschlussbericht bis Mitte 2027 vorzulegen.

Ein Untersuchungsausschuss mit weitergehenden Befugnissen zur gezielten Aufarbeitung des Masken-Deals ist bislang nicht eingerichtet worden. Der Grund: Im Bundestag findet sich dafür keine ausreichende Mehrheit.

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