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Rassistische Sprüche: Pariser Polizeipräfekt suspendiert zwei Beamte

Ein Einzelfall oder ein tiefgreifendes Problem? Am Wochenende wurden Polizisten dabei gefilmt, wie sie sich rassistisch über einen Verdächtigen äußern.
Ein Einzelfall oder ein tiefgreifendes Problem? Am Wochenende wurden Polizisten dabei gefilmt, wie sie sich rassistisch über einen Verdächtigen äußern.   -   Copyright  Thibault Camus/AP
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Der Polizeipräfekt von Paris hat die Suspendierung von zwei Polizeibeamten gefordert, die zugegeben haben sollen, dass sie einen jungen Mann rassistisch beleidigt haben. "Mit der Zustimmung des Innenministers hat Polizeipräfekt Didier Lallemand die Enthebung der zwei Polizisten von ihren Aufgaben wegen rassistischer Äußerungen auf einem Video in den sozialen Medien verlangt", heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

"Der geht unter"

"Der schwimmt doch nicht, der geht unter" diese Aussage von Polizisten begleitet von einer heftigen Beleidigung für eine aus Nordafrika stammende Person, hat in Frankreich eine Schockwelle ausgelöst.

Auf Twitter sprach Innenminister Christophe Castaner allgemein von einer "legitimen Empörung", ausgelöst von den Aufnahmen des vergangenen Wochenendes.

Das Video des Journalisten Taha Bouhafs zeigt ein Gruppe Polizisten, die nach einer Festnahme zurück zu ihrem Fahrzeug laufen. Dabei sprechen sie über den Verdächtigen, der zuvor in den Fluss Seine gesprungen war, um ihnen zu entkommen, letztendlich aber eingeholt wurde.

"So ein Bicot (Anm. d. Red. abfällige Bezeichnung für eine aus dem Maghreb stammende Person) schwimmt nicht, der geht unter", sagt ein Beamter in einem heiteren Ton. "Wir hätten ihm eine Bleikugel ans Bein binden sollen", hört man einen anderen Beamten sagen.

Etwas später hört man den Verdächtigen im Polizeiwagen schreien, die Beamten lachen. Zudem sind Geräusche zu hören, die nach Angaben des filmenden Journalisten von Schlägen stammen könnten.

Ein Polizist beleidigt die Mutter des Festgenommenen zudem als "Schlampe".

"EISKALT. L'ile-Saint-Denis, heute früh (1.43 Uhr) bei einer Verhaftung durch Polizisten, die einen Mann herausgefischt haben, der sich in die Seine geworfen hatte, um vor ihnen zu fliehen, den Rest lasse ich euch selbst entdecken."

Das Video auf Twitter wurde mehr als 1,5 Mio. mal angeschaut. Der Vorfall ereignete sich auf der Île-Saint-Denis, nördlich von Paris.

Die Polizeipräfektur teilte mit, dass die umgangssprachlich "Polizei der Polizei" genannte Inspection Générale de la police nationale (IGPN) für Ermittlungen hinzugezogen wurde, um "die Umstände, unter denen die Polizei handelte, vollständig aufzuklären und die Identität der Verantwortlichen der gehörten Aussagen festzustellen".

"Der Rassismus hat in der republikanischen Polizei keinen Platz", schrieb Innenminister Castaner.

"Der Mann wurde nach seinem Sturz in die Seine ins Krankenhaus gebracht", sagte die Staatsanwältin Catherine Denis aus Nanterre dem Sender France Info. Es sei noch keine Klage eingereicht worden.

Anders als im Vorspann des Videos steht, gehörten die beteiligten Polizeibeamten nicht der Polizeidienststelle von Villeneuve-la-Garenne an, sondern unterstünden der örtlichen Territorialen Direktion für lokale Sicherheit (Direction de la sécurité de proximité), die ihrerseits der Polizeipräfektur untersteht.

Nach Angaben der Internetseite der Präfektur von Seine-Saint-Denis sind ihre Aufgaben der Kampf gegen Kleinkriminalität und mittelschwere Kriminalität, die Aufnahme von Anzeigen in Polizeidienststellen sowie die Gewährleistung einer Polizeipräsenz.

Der linke Abgeordnete für Seine-Saint-Denis Eric Coquerel sprach von einer "Schande", das Video sei "besorgniserregend".

Die Île-Saint-Denis liegt ca. 10 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum der französischen Hauptstadt Paris.