Während die russische Invasion in der Ukraine ins fünfte Jahr geht, zeigen neue Umfrageergebnisse, dass die Europäer unterschiedlich stark an einem Sieg Kyjiws interessiert sind.
Am 24. Februar jährte sich die russische Invasion in der Ukraine zum vierten Mal. Obwohl Friedensgespräche laufen, ist ein Ende der Kämpfe weiterhin nicht in Sicht.
Die USA haben die jüngsten trilateralen Bemühungen zur Beendigung des Krieges angeführt. Zwar haben die Verhandlungen bereits einige humanitäre und technische Lösungen hervorgebracht, doch in zentralen territorialen Fragen bleiben Russland und die Ukraine hartnäckig festgefahren.
So besteht Moskau darauf, dass die Ukraine die gesamte Donbass-Region aufgibt – einschließlich der Gebiete, die noch unter Kyjiws Kontrolle stehen, sowie derjenigen, die Russland nach eigenen Angaben in umstrittenen Referenden annektiert hat. Die Ukraine hingegen betont, dass jede Vereinbarung ihre souveränen Grenzen respektieren muss. Doch nicht alle europäischen Länder scheinen diese Position zu teilen.
Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt, dass die Westeuropäer geteilter Meinung darüber sind, wie sehr sie einen Sieg der Ukraine wünschen und wie wichtig ihnen dies ist. 79 % der Dänen halten es für sehr oder ziemlich wichtig, dass die Ukraine die russische Invasion abwehrt, gefolgt von 70 % der Briten und 51 % der Deutschen. Deutlich geringer ist die Zustimmung in Frankreich (45 %), Spanien (44 %) und Italien (32 %).
Die Umfrage spiegelt auch unterschiedliche Vorstellungen darüber wider, wie der Krieg beendet werden sollte. Dänemark (49 %) und das Vereinigte Königreich (46 %) möchten, dass der Westen die Ukraine so lange unterstützt, bis Russland sich zurückzieht, selbst wenn dies weitere Kämpfe bedeutet. In Frankreich, Deutschland, Spanien (40–42 %) und besonders in Italien (56 %) wird hingegen ein Friedensabkommen auf dem Verhandlungswege bevorzugt, selbst wenn Russland dabei die Kontrolle über ukrainisches Gebiet behält.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bevölkerung mit einem solchen Ergebnis zufrieden wäre: In jedem Land gab zumindest eine relative Mehrheit an, ein solches Kriegsende als negativ zu bewerten (34–58 %), während nur 10–22 % es positiv einschätzen.
Viele Befragte gehen zudem davon aus, dass Russland innerhalb von zehn Jahren nach einem Friedensabkommen erneut die Ukraine angreifen oder sogar in andere europäische Länder einmarschieren könnte – besonders in Großbritannien und Dänemark. Etwa 68 % der Briten und 65 % der Dänen halten einen weiteren Krieg gegen die Ukraine für sehr oder ziemlich wahrscheinlich. Ebenso glauben 62 % der Briten und 57 % der Dänen, dass Russland ein anderes europäisches Land angreifen könnte.
Analysten sehen insbesondere die baltischen Staaten, Moldawien und andere Nachbarländer der Ukraine als besonders gefährdet an – aufgrund ihrer Nähe zu Russland, der historischen Verbindung zur Sowjetunion und der russischen Militärpräsenz, etwa in Transnistrien.
Für den Fall eines Friedensabkommens hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die Stationierung westlicher Friedenstruppen in der Ukraine gefordert. Laut YouGov wird dies von der Mehrheit der Europäer unterstützt – wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern: Rund zwei Drittel der Dänen (66 %) und Briten (62 %) befürworten den Einsatz westlicher Soldaten. In Frankreich (48 %) und Deutschland (44 %) stimmt die relative Mehrheit ebenfalls zu, während die Unterstützung in Italien mit 35 % am geringsten ausfällt.