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EU setzt den Rotstift bei der Forschung an

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EU setzt den Rotstift bei der Forschung an
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Die europäische Forschung ist eines der Hauptopfer des Konjunkturprogramms der Union. Mit einem Budget von fast 81 Milliarden Euro ist das Programm "Horizon Europe" weit von den Vorstellungen der Europäischen Kommission entfernt. Die hatte ursprünglich 13 Milliarden Euro mehr vorgeschlagen. Ohne europäische Hilfe steht die Arbeit vieler europäischer Forscher auf der Kippe. Conny Aerts, Astrophysikerin an der Universität Löwen in Belgien blickt sorgenvoll in die Zukunft: "Alles in allem, wenn ich zurückblicke, unterstützt die EU unsere Forschung seit mehr als einem Jahrzehnt. Und es gäbe keine andere Möglichkeit für mich, diese Forschung zu betreiben, wenn ich diese Gelder nicht hätte".

Es ist auch die Zukunft des Teams von Conny Aerts, die bedroht ist. Sie arbeitet mit rund 20 Personen, von denen die Hälfte vom Europäischen Forschungsrat bezahlt wird. Ihre Arbeit geht über das einfache Gebiet der Astrophysik hinaus:"Ich arbeite über Sternbeben, das ist quasi die Analogie zu Erdbeben. Und dies ist die einzige Möglichkeit für uns, das Innenleben von Sternen zu verstehen, also tun wir dies durch eine Kombination aus detaillierter mathematischer Modellierung, mit Codes von künstlicher Intelligenz, mit Chemie und Kernphysik. Das alles zusammen ergibt ein ein sehr transdisziplinäres wissenschaftliches Thema".

Diese Kürzungen im EU-Forschungshaushalt werden sich in einer Verringerung der Zahl der Erfindungen, der Patente, des geistigen Eigentums und somit in weniger neuen Unternehmen niederschlagen. Untersuchungen zufolge wird damit eine der vorrangigen Aufgaben der Präsidentin der Europäischen Kommission in Frage gestellt, glaubt Prof. Kurt Deketelaere, Generalsekretär der League of European Research Universities (LERU) und Professor für Recht an der Universität Löwen: "Die beiden Hauptziele ihrer Amtszeit, ihrer Kommission - Klimawandel und Digitalisierung - beruhen beide maßgeblich auf den enormen Fortschritten, die in beiden Bereichen forschungs- und innovationsmäßig erzielt werden müssen. Bei den erneuerbaren Energien, in der digitalen Welt werden wir massive Investitionen in Forschung und Innovation benötigen, um die Produkte, Prozesse und Unternehmen zu entwickeln, die uns zu einer CO2-freien Welt führen."

Die Folgen dieser Kürzungen sind für die Universitäten gravierend. Die niederländischen Hochschulen etwa könnten 100 Millionen Euro verlieren. Im belgischen Flandern könnte es gar ein Minus von 130 Millionen Euro geben. Für Forscher wie Conny Aerts ist dies eine kurzsichtige Entscheidung: "Manchmal höre ich die Frage, was ist Ihr Produkt, was liefern Sie? Nun, ich betreibe neugierige Forschung, und meine Antwort darauf lautet: Mein Ergebnis sind neugierige Studenten. Denn das ist entscheidend. Sie sind die Innovatoren des nächsten halben Jahrhunderts. Wenn wir jetzt unsere Budgets kürzen, ist das für diese jungen Leute ein Rückschlag für innovatives Forschen."