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Belarus: Swetlana Alexijewitsch warnt vor einem Bürgerkrieg

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Belarus: Swetlana Alexijewitsch warnt vor einem Bürgerkrieg
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Bei Antiregierungsdemonstrationen in der belarussischen Hauptstadt Minsk sind am Mittwoch rund 20 Personen verhaftet worden.

Laut Nachrichtenagentur AFP hatten sich zuvor etwa 1000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz der Stadt versammelt, um gegen die umstrittene Wiederwahl des Präsidenten Alexander Lukaschenko zu protestieren.

Plötzlich kamen viele Militärfahrzeuge. Sie umzingelten uns und fingen an, nur Männer festzunehmen. Ich hörte, wie einer der Polizisten sagte: 'Ihr fasst keine Frauen an, nur Jungs.' Ich glaube, dass sie mehr als zehn Personen festgenommen haben.
Maria Pugatschewa
Demonstrantin

"Gott bewahre, dass Blut vergossen wird"

Stunden zuvor war die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch vom Ermittlungskomitee vorgeladen worden. Die 72-Jährige gilt als scharfe Kritikerin der Regierung und ruft zum Widerstand gegen Staatschef Alexander Lukaschenko auf.

Unter dem Jubel und Beifall ihrer Fans warnte sie vor einem Bürgerkrieg. "Gott bewahre, dass Blut vergossen wird", sagte sie mit Blick auf die gespannte Lage im Land. Sie sei nicht nur besorgt, weil die Polizei wieder zuschlagen könnte. Sie sieht auch die Gefahr, dass Lukaschenko-Unterstützer mit der rot-grünen Staatsflagge auf der einen Seite und seine Gegner mit der historischen weiß-rot-weißen Flagge auf der anderen Seite aneinander geraten könnten. Sie wünsche sich, dass die Menschen beide Fahnen tragen und gemeinsam ein neues Belarus aufbauen, so Alexijewitsch.

Kurz nach ihrer Vorladung im Ermittlungskomitee sagte die Schriftstellerin, dass sie die Aussage verweigert habe und weiter Zeugin in dem Strafverfahren gegen den Koordinierungsrat bleibe.

Streiks und Massenproteste

Unterdessen gingen die Proteste auch am Mittwoch mit Straßenaktionen und Arbeitsniederlegungen in Staatsbetrieben weiter. Laut Medienberichten ist ein Streikorganisator im Minsker Traktorenwerk zu zehn Tagen Arrest verurteilt worden

Viele Menschen - teils auch im Staatsdienst und den Sicherheitskräften - haben sich bereits öffentlich von Lukaschenko abgewendet. Der Sicherheitsapparat, zu dem neben Polizei und Armee auch der Geheimdienst KGB gehört, hält ihm aber bisher die Treue.