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Proteste in Belarus: "Wir müssen mit der Angst leben"

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Proteste in Belarus: "Wir müssen mit der Angst leben"
Copyright  AFP   -   Протесты в Беларуси
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In der belarussischen Hauptstadt Minsk sowie in anderen Städten des Landes ist es auch am Dienstagabend zu Protesten gegen die Regierung von Alexander Lukaschenko gekommen.

Laut Medienberichten kam es zu mehreren Festnahmen. Die Polizei hatte zuvor am Unabhängigkeitsplatz in Minsk vor illegalen Versammlungen gewarnt.

"Natürlich ist es beängstigend", sagt Demonstrantin Alina. "Wie können wir keine Angst haben, wenn meine Freunde ständig geschlagen werden, wenn das alles in der Stadt passiert, wenn Menschen in Gefängnissen misshandelt werden. Natürlich ist das beängstigend, aber noch schlimmer ist es, immer mit der Angst zu leben."

In Minsk kam es auch zu einer Pro-Lukaschenko-Kundgebung. Hunderte Regierungsanhänger schwenkten die aktuelle belarussische Nationalflagge, um ihre Solidarität mit dem Präsidenten zu zeigen, so auch Ljudmila Radyk:

"Ich habe den Aufschwung seit den 90er Jahren miterlebt. Es tut weh, zu sehen, wie sich die Demonstranten verhalten. Ich kann mir kein besseres Land vorstellen und ich will es auch nicht. Für mich ist heute wichtig, meine Ruhe zu haben. Lukaschenko ist für mich wie eine Familie."

Dmitri Lovetsky/AP Photo
Pro-Lukaschenko-Demonstration in MinskDmitri Lovetsky/AP Photo

Derweil wurde bekannt, dass die belarussische Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch von Ermittlern offiziell als Zeugin in dem Strafverfahren gegen den neu gegründeten Koordinierungsrat vernommen werden soll.

Die 72-Jährige Schriftstellerin gilt als scharfe Kritikerin von Staatschef Lukaschenko und gehört dem Koordinierungsrat an. Das Gremium strebt einen friedlichen Machtwechsel an und fordert den Machtapparat zum Dialog auf. Lukaschenko lehnt solche Gespräche mit seinen Gegnern ab - er will das Gremium wegen des mutmaßlichen Versuchs der Machtergreifung auflösen.

Zuvor waren die beiden Mitglieder des Koordinierungsrates, Olga Kowalkowa und Sergej Dylewski, zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden.