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Zehn Jahre danach: Erinnerung an den Kolontár-Dammbruch

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Zehn Jahre danach: Erinnerung an den Kolontár-Dammbruch
Copyright  MTI/Nagy Lajos
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Vor zehn Jahren erlebte Ungarn die schlimmste Umweltkatastrophe seiner Industriegeschichte. Den Kolontár-Dammbruch in Westungarn. Zehn Menschen starben, 150 wurden verletzt, als rund eine Million Kubikmeter Rotschlamm aus einem Aluminiumwerk das Land überschwemmte. Das Loch im Damm ist auch heute noch zu sehen.

Eine Barkeeperin aus der Ortschaft war zum Glück arbeiten, als der Damm brach, aber ihr Sohn, ihre Schwiegermutter und ihr Schwiegervater waren es nicht. Das Ehepaar flüchtete ins Bad ihres Hauses. Gizella Német erzählt: "Oma hat Opa geholfen, auf den Rand der Badewanne zu klettern und er hat sie dann hochgezogen. Die Wanne war 80 Zentimeter hoch, aber der Schlamm stieg doppelt so hoch. Sie wussten nicht, ob sie überleben oder nicht."

"Wir müssen nach vorne schauen"

Die beiden wurden verletzt, aber überlebten. Die Häuser mussten abgerissen werden. Eines der Nachbarhäuser ist als Denkmal erhalten worden. Dort war ein Opfer des Unglücks gestorben. Die Überlebenden hat die Katastrophe näher zusammengebracht. "Jeder denkt daran, man kann das nicht nicht vergessen. Aber jetz baut die Gemeinschaft ein neues Dorf", sagt Sándorné Buzás aus Kolontár und Erzsébet Rádl, die inzwischen weggezogen ist, ergänzt: "Es ist hart, darüber zu sprechen. Aber wir müssen nach vorne schauen, nicht zurück. Wir müssen weitermachen."

Das Nachbardorf, Devecser, war ebenfalls betroffen. Neue Wohnungen wurden gebaut für die, die ihre Häuser verloren hatten. Aber lange gab es keine Untersuchung, welche Langzeitfolgen das Unglück hatte, zum Beispiel für die Gesundheit oder das Zusammenleben - bis jetzt. Eine Forschergruppe hat sich des Themas angenommen.

"Es stimmt nicht, dass mit der materiellen Wiedergutmachung das Katastrophenmanagement zu Ende ist. Es gibt Faktoren, die die Betroffenen lange Zeit belasten", sagt der Kommunikationswissenschaftler Gábor Sarlós.

Die Ergebnisse der Forschergruppe könnten beitragen, bei anderen Unglücken besser zu helfen. Auch die juristische Geschichte der Umweltkatastrophe ist noch nicht vorbei. Das Urteil gegen die mutmaßlich Verantwortlichen für das geborstene Becken könnte noch in diesem Jahr fallen.