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Polens Bergbau fürchtet Joe Biden im Weißen Haus

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Polens Bergbau fürchtet Joe Biden im Weißen Haus
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Im Süden Polens, der alten Bergbauregion Schlesiens, gilt Kohle noch immer als schwarzes Gold. Die Bergwerke haben Landschaft und Kultur seit Generationen geprägt - und Polen zum größten Kohle-Produzenten der EU aufsteigen lassen. Etwa eine halbe Million Arbeiter hängen vom Bergbau ab, darunter 80.000 Kumpel. Zu ihnen gehört der 45jährige Marcin Lichota. Er fürchtet um seine Zukunft, denn die Regierung will alle Bergwerke bis 2049 schließen.

Alle hätten Angst und fragten sich, ob sie es noch bis zur Rente schafften. Umschulen? Das sei ein Problem. Jeder wolle einen sicheren Arbeitsplatz und eine Zukunft für sich und seine Familie. Die Bergleute aber lebten mit der Bedrohung eines baldigen Endes der Arbeit in den Schächten.

Die EU drängt Polen, den Bergbau entschlossener als bisher auslaufen zu lassen. Und dieser Druck dürfte sich erhöhen, sobald Joe Biden im Weißen Haus sitzt. Denn der neue US-Präsident sorgt sich um das Klima - anders als sein Vorgänger.

Doch für diesen Gewerkschafter Bogusław Hutek hat der Abgang Donald Trumps eher symbolische als praktische Bedeutung. Man habe sich besser gefühlt, als Trump die Trommel für Kohle gerührt habe. Doch weder Trump noch Biden würden die Klimaziele der EU ändern, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren.

Polens Abhängigkeit von der Kohle hat ihren Preis. Die mit Steinkohle befeuerten Elektrizitätwerke, die drei Viertel des polnischen Stroms erzeugen, verschmutzen die Luft und belasten die Umwelt über Gebühr. 33 der 50 am meisten verschmutzten Städte der EU sind in Polen. Klima-Aktivisten setzen auf die neue US-Regierung, um dies zu verbessern.

Es sei sehr wichtig für die polnische Umweltpolitik, ehrgeiziger zu werden und die Ziele des Pariser Klima-Abkommens zu erreichen, so der Aktivist Patryk Białas.

Bidens Einfluss auf die polnische Politik wird indes von seiner Fähigkeit und seinem Willen anhängen, sich mit der regierenden Rechtspartei Gesetz und Gerechtigkeit zu arrangieren. Dieser hatte Biden öffentlich vorgeworfen, den Rechtsstaat auszuhöhlen.

Die Biden-Regierung dürfte Warschau gegenüber sehr viel kritischer eingestellt sein, meint der Politikwissenschaftler Tomasz Pugacewicz. Am Anfang werde Biden wohl diplomatische Kanäle nutzen, um sich Gehör zu verschaffen, doch wenn das nichts helfe, werde er die polnische Regierung mit öffentlichen Erklärungen unter Druck zu setzen versuchen.

Neben der Sorge um das Klima hat Washington hat ein weiteres Interesse an einem polnischen Ausstieg aus der Kohle. Denn Warschau will Atomkraftwerke mit amerikanischer Technologie entwickeln. Damit dürfte das Schicksal des polnischen Bergbaus bis zur Mitte des Jahrhunderts besiegelt sein. Wie die Tausenden Arbeitsplätze ersetzt werden sollen, das wird der Schlüssel zu einem gelungenen Übergang zur Wirtschaft der Zukunkt sein.