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Chega! Rechtspopulisten in Portugal: "Wir könnten steil aufsteigen und dann abstürzen"

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Chega!-Chef André Ventura bei einer Veranstaltung in Lissabon.
Chega!-Chef André Ventura bei einer Veranstaltung in Lissabon.   -   Copyright  Jose Targaryen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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Chega!-Chef Ventura will Präsident werden

Eine Wahlveranstaltung bei Porto. Die rechtsextreme Partei Chega! - zu deutsch: es reicht! - hat geladen. Es sei die erste politische Drive-in-Veranstaltung in Portugal, sagt Parteichef André Ventura. In wenigen Tagen wird in Portugal ein neuer Präsident gewählt. Und Ventura bewirbt sich um das Amt. Er wolle die erreichen, die die Nase vom regulären politischen System voll hätten, von Unsicherheiten und wirtschaftlichen Nöten.

Ebenfalls dabei: Portos Chega!-Chef José Lourenço. Gegenüber Euronews sagte er: "Unsere Partei könnte wirklich ein politischer Erfolg werden, aber genauso gut könnte sie scheitern. Sie könnte einen steilen Aufstieg erleben und dann abstürzen. Das wissen wir und wir wollen nicht, dass das passiert."

Beim Start von Venturas Wahlkampf bekam er Unterstützung von Frankreichs Top-Rechter Marine Le Pen. Rassistisch sei seine Partei nicht, versichert Ventura, allerdings durchaus gegen unkontrollierte Zuwanderung. Dabei ist Rassismus auch in Portugal ein Problem.

"Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind siamesische Zwillinge"

Aktivist Mamadou Ba, Chef von SOS Racismo, zeigt eine Todesdrohung, die er per Post erhalten hat. Er erklärt: "Chega! ist zwei Dinge, die sich nicht ausschließen. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind siamesische Zwillinge, wenn man in medizinischen Begriffen spricht. Wo Fremdenfeindlichkeit ist, da gibt es auch Rassismus und umgekehrt, denn es sind Konzepte, die darauf basieren, jemanden auszuschließen."

Aber wie gut stehen die Chancen von Chega! wirklich? Das hängt unter anderem von der Wahlbeteiligung ab, sagt Politikanalyst Carlos Jalali.

"Bisher kein Platz für Unzufriedenheit"

"Es gibt diese latente Unzufriedenheit, für die bisher kein Raum existierte und keine Antwort", so Jalali gegenüber Euronews. "Mit Chega! gibt es das nun, auch wenn die Partei lediglich 1 Prozent der Wähler repräsentiert. Im aktuellen Kontext scheint es äußerst unwahrscheinlich, dass Chega! eine dominante Kraft im politischen System wird. Es wird interessant sein zu sehen, ob es sozusagen den Effekt der heimlichen Chega!-Wähler gibt, so wie wir ihn bei der Präsidentenwahl in den USA gesehen haben."

Werden heimliche Wähler am 24. Januar ihre Stimme abgeben? Das ist die große Frage. Eine andere Herausforderung dieser Wahl stellt die andauernde Pandemie dar, die auch einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben könnte.