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State of the Union: Wie der Green Deal die Weltordnung verändert

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Von Stefan Grobe
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State of the Union: Wie der Green Deal die Weltordnung verändert
Copyright  RODRIGO ARANGUA/AFP

Es war keine gute Woche für die Demokratie.

In Moskau verurteilte ein russisches Gericht den Regimekritiker Alexej Nawalny zu zweieinhalb Jahre Gefängnis wegen des absurden Vorwurfs, er habe durch die lange Rekonvaleszenz in Deutschland nach dem Giftmordanschlag auf ihn gegen Bewährungsauflagen verstoßen.

Und in Myanmar riss in einem Coup das Militär die Macht an sich und verhaftete Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Ihr wird vorgeworfen, illegal mehrere Walkie-Talkies ins Land gebracht zu haben – eine bizarre Anklage, die ihr drei Jahre Gefängnis einbringen könnte.

Natürlich haben beide Fälle nichts miteinander zu tun, doch zeigen sie, dass Länder ungeschoren davon kommen, wenn sie demokratische Prinzipien mit Füßen treten.

Bei uns rang die Europäische Kommission nach wie vor mit den nur langsam voran gehenden Impfkampagnen. Die Impfungen verzögern sich, weil die Impfstoffhersteller nicht liefern und nicht schnell genug produzieren. Die Folge: Schuldzuweisungen allerorten wegen des Krisenmanagements in Europa.

Der EU sind Versuche nicht fremd, ihren Einfluss auf der Welt zu vergrößern. In dieser Woche veröffentlichten einige Denkfabriken eine Studie über die weltpolitischen Folgen von Europas ehrgeizigstem Zukunftsprojekt, dem Grünen Umweltpakt. Dieser Green Deal soll die europäische Wirtschaft nachhaltiger für das Klima machen - Europas Energiesystem wird dabei komplett umgekrempelt. Das hat weltpolitische Folgen, von denen einige unbeabsichtigt sind.

Darüber das folgende Interview mit Susi Dennison, Senior Fellow beim European Council on Foreign Relations, einer der Co-Sponsoren der Studie.

Euronews: Sie sind bei der Denkfabrik auch für die Klimapolitik zuständig, was sind die wesentliche Thesen der Studie? Wie kann der Green Deal die Weltordnung verändern?

Dennison: Wenn der Green Deal vollständig umgesetzt wird, wird er alles verändern. Es ist ein wirklich ehrgeiziges Projekt, das die gesamte europäische Wirtschaft verwandeln will. Und das heißt, dass sich Europas Handelsbeziehungen mit anderen Akteuren verändern werden - mit denen, von denen wir Energie importieren oder Rohstoffe oder fertige Produkte.

Auch wird das zu einer genauen Überprüfung unserer Zulieferketten führen. Deswegen richten sich derzeit viele Augen auf Brüssel und die anderen Hauptstädte in der EU, denn unsere Partner wollen verstehen, wie genau sie vom Green Deal betroffen werden.

Euronews: Der Green Deal will fossile Energieträger ersetzen, folglich werden Europas Lieferanten fossiler Energieträger wie Saudi-Arabien, Russland oder Algerien Märkte und Einnahmen verlieren. Wie kann die EU mögliche negative Reaktionen in diesen Ländern managen?

Dennison: Wir müssen uns klar darüber sein, dass es künftig bei der Energienutzung Gewinner und Verlierer gibt. Doch das Pariser Klima-Abkommen steht für ein globales Ziel, dass der Green Deal für die EU umsetzen soll. Doch der Green Deal geht darüber hinaus, denn Europa kann die Klimakrise nicht allein lösen. Wir sind nicht die einzigen Verbraucher fossiler Energien.

Euronews: Tauscht die EU nicht eine Energieabhängigkeit von, sagen wir, Russland gegen eine von China ein, denn viele der Rohstoffe, die für saubere Technologien gebraucht werden, kommen aus China?

Dennison: Ich glaube nicht, dass das so eindeutig ist. Einiges ist davon sicher richtig, aber es gibt andere interessante Märkte für Rohstoffe, die für erneuerbare Energien notwendig sind. In diesem Zusammenhang sollte Europa etwa seine Beziehungen zu Afrika auf eine neue Grundlage stellen.