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Ein Bier in einer Studentenkneipe? Unmöglich

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Ein Bier in einer Studentenkneipe? Unmöglich
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Ein Laptop im Hause seiner Eltern - das ist für Philippe Dols der Klassenraum geworden, um an seinen Seminaren in Biologie und Wirtschaft teilzunehmen. Dasselbe gilt für seine rund 300.000 Kommilitonen in den Niederlanden. Die Pandemie zwingt den künftigen Vollakademiker zu einem Studentenleben ohne direkten Kontakt zu Professoren oder Bibliotheken - ganz zu schweigen vom Austausch mit anderen Studierenden.

Das Leben sei bisweilen etwas langweilig geworden, so sagt er. Zu Hause sei man weniger motiviert. Und Vorlesungen seien spannender im Hörsaal.

Fehlende Motivation, Einsamkeit, Isolation und Stress - das sind die vorherrschenden Gefühle heutiger Studenten laut Ergebnissen von Untersuchungen an niederländischen Hochschulen.

Für Mrinal Gupta ist das Online-Studium indes nur Teil des Problems. Am negativsten auf die Psyche wirke sich das Fehlen jeglicher sozialer Kontakte aus. Ein Bier in einer Studentenkneipe? Unmöglich.

Zu einem Studentenleben gehörten auch Kontakte und Parties. Sobald man dies den Studenten wegnehme, werde einem erst die Bedeutung von Begegnungen mit neuen Bekanntschaften bewusst.

Mrinals Freundin, Joséphine Sundberg, glaubt, dass auch die wirtschaftliche Krise sich empfindlich auf das Wohlbefinden der Studenten auswirke. Man wisse nicht, welche Teile der Wirtschaft abstürzten. Man wisse nicht, wo man sich bewerben solle und welche Möglichkeiten sich eigentlich überhaupt noch anböten. Das sei sehr stressig.

Nicht nur Studenten, auch Professoren leiden unter dem stark eingeschränkten Uni-Betrieb.

Nur ein einziger Tag Online-Unterricht erfordere ziemlich viel Energie, sagt der Dozent Patrick Bijsmans. Normalerweise habe er zwei oder drei Klassen am Tag, dazu noch eigene Forschungsarbeiten, dann sei er abends um sechs fertig. Nun aber habe er Schwierigkeiten, einen Rhythmus zu finden.

Auch versiegen zusehends Forschungsgelder, die etwa die Hälfte des Einkommens einer Universität ausmachen.

Jeder Dozent müsse sich derzeit auf Lehrveranstaltungen konzentrieren, da bleibe viel weniger Zeit, Forschungsgelder zu beantragen, sagt Rianne Letschert, die Rektorin der Uni Maastricht. Zudem gebe es weniger Einnahmen aus Post-Graduierten-Programmen und Sommerkursen.

Die akademische Ausbildung in Europa wird derzeit von schweren wirtschaftlichen Risiken bedroht. Daher werden die Rufe nach stärkerer staatlicher Unterstützung lauter. Diese soll die Folgen der Pandemie auf die Universitäten mildern - und ganz besonders auf die Studenten.