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Brüssel ist in der Impf-Diplomatie derzeit kein Akteur

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Eine Lieferung russischer Sputnik-Impfstoffe bei der Ankunft in Venezuela
Eine Lieferung russischer Sputnik-Impfstoffe bei der Ankunft in Venezuela   -   Copyright  YURI CORTEZ/AFP or licensors
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Seit dem Beginn der Pandemie vor einem Jahr haben Russland und China medizinische Ausrüstung als Mittel genutzt, um außenpolitischen Ziele zu erreichen. Und nun, inmitten des Impf-Rennens, setzen beide ihre eigenen Impfstoffe als diplomatische Waffen ein. Peking hat Lieferverträge mit gut zwei Dutzend Staaten, darunter die Türkei und Brasilien. Was genau will die Volksrepublik erreichen?

Als erstes wolle Chinas KP das Image des Landes wieder aufpolieren, was durch die Pandemie schwer gelitten habe, meint Yanzhong Huang vom Council on Foreign Relations. Dann strebe Pekings Führung nach einer Festigung der Beziehungen zu strategisch wichtigen Ländern, die auch Teil der Belt & Road-Initiative seien, an. Und drittens wolle China seine Marktanteile für Impfprodukte erhöhen und damit auch wirtschaftliche Ziele erreichen.

Auch für Moskau ist die millionenfache Bestellung seines Sputnik-Impstoffes etwa dürch Länder wie Indien und Argentinien Gelegenheit zur Eigenwerbung. Sputnik solle russische Wissenschaft und das Land selbst als technologische Alternative anbieten, meint Jacob Kirkegaard vom German Marshall Fund. Allgemein sei Russland vor allem als Ölproduzent im internationalen Bewußtsein, doch habe das Land auch sehr gute Wissenschaftler. Doch müsse gesagt werden, dass Russland nicht die Fähigkeit habe, den Sputnik-Impfstoff in Massen zu verbreiten. Die Anwendung Sputniks in Russland selbst habe gezeigt, dass Moskaus Möglichkeiten begrenzt seien.

Immer wieder werden Stimmen laut, die EU solle mehr tun, um der russischen und chinesischen Impf-Diplomatie etwas entgegen zu setzen. Doch angesichts der eigenen Schwierigkeiten mit der Impf-Logistik wird zugleich die Frage gestellt, ob Brüssel nicht mehr für Nachbarstaaten tun solle, etwa die Ukraine.

Die Ukraine müsse auf jeden Fall besser unterstützt werden, so der bulgarische EU-Abgeordnete Andrej Kowatschew. Die EU und die Mitgliedsstaaten hätten für die Impfungen 850 Millionen Euro bereit gestellt, davon müssten auch Nachbarländer wie die Ukraine oder die Balkanstaaten unterstützt werden.

Die EU will ärmeren Staaten durch die COVAX-Initiative der Weltgesundheitsorganisation helfen. Doch zunächst müssen die Probleme in der Zulieferkette repariert werden, ehe Brüssel es impf-diplomatisch mit Russland und China aufnehmen kann.

Journalist • Stefan Grobe