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"Migrationsproblem europäisieren" - EU-Kommissarin Johansson auf Lesbos

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Von Apostolos Staikos, su mit dpa
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Das Flüchtlingslager Karatepe aus Lesbos, das EU-Kommissarin Ylva Johansson besucht hat
Das Flüchtlingslager Karatepe aus Lesbos, das EU-Kommissarin Ylva Johansson besucht hat   -   Copyright  Panagiotis Balaskas/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Das geplante Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos soll im kommenden Winter aufnahmebereit sein. «Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, aber im kommenden Winter wird es

kein solches Camp mehr geben wie derzeit», sagte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis bei einem Besuch von EU-Innenkommissarin Ylva Johansson auf Lesbos.

Die EU-Kommissarin bestätigte, dass auf fünf ägäischen Inseln neue Flüchtlingszentren errichtet werden, und unterstrich die Bedeutung der Solidarität zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Die EU und Griechenland hatten zugesichert, auf Lesbos und den anderen griechischen Flüchtlingsinseln schnell angemessene Lager zu errichten. Von der EU sollen dafür rund 270 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Ylva Johansson, EU-Innenkommissarin:

«Wir müssen das Migrationsproblem „europäisieren“, uns gegenseitig unterstützen und dürfen keinen Mitgliedstaat oder keine Insel alleine lassen. Und ich muss auch sagen, dass ich verstehen kann, dass jede Geduld irgendwo ein Ende hat und ich verstehe, dass dieses Ende nahe ist.»

Wir verdienen ein besseres Leben
Shukran Shirzad
Asylbewerber aus Afghanistan

Shukran Shirzad ist Asylbewerber aus Afghanistan im Lager Lesbos. Er malt gern und schuf zwei Porträts, eines vom griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und eines von Υlva Johansson. Damit wollte er die Kommissarin willkommen heißen, aber auch eine Nachricht rüberbringen.

Shukran Shirzad (38), Asylbewerber aus Afghanistan:

«Diese beiden Porträts sind Geschenke an zwei Menschen, die unser Schicksal in Händen halten. Schade, dass ich Kommissarin Johansson nicht getroffen habe. Wir möchten, dass sie uns hilft, aus dieser Sackgasse herauszukommen. Wir verdienen ein besseres Leben.»

Etwa zweihundert Inselbewohner protestierten gegen die Anwesenheit der EU-Kommissarin auf Lesbos. Sie lehnen ein neues Lager auf der Insel ab.

Der griechische Minister für Migration und Asyl ist, bei allem Verständnis für ihr Misstrauen, entschlossen, mit dem Bau der neuen Anlage weiterzumachen.

Notis Mitarakis, griechischer Migrationsminister:

«Ich muss unseren Respekt für die Inselbewohner betonen, die 2015 die Flüchtlinge mit offenen Armen aufgenommen haben. In den Jahren danach kamen jedoch Probleme und Schwierigkeiten. Der neue Pakt über Migration und Asyl wird nie Situationen wie das Lager Moria zulassen"

(....das im September 2020 niedergebrannt wurde).

Johansson stellte klar, dass es sich bei dem neuen Auffanglager für Migranten nicht um eine geschlossene Anlage handeln werde, wie zuvor vielfach kritisiert worden war. Die Menschen

dürften das Lager selbstverständlich verlassen, aber Ausgang und Rückkehr würden kontrolliert, sagte sie.

Das einstige Lager Moria auf Lesbos war vergangenen September bei einem Brand völlig zerstört worden. Seither leben die Menschen in einem provisorischen Zeltlager. Aktuell sind es nach Angaben des griechischen Bürgerschutzministeriums rund 6500 Flüchtlinge und Migranten – bei einer Kapazität von 10 000 Plätzen.

Apostolos Staikos, Euronews:

«Die Einheimischen wollen keine neuen Lager, die Migranten wollen die Inseln verlassen. Brüssel und Athen stehen von beiden Seiten unter Beschuss. Sie versprechen, dass die neuen Zentren den Inselbewohnern Sicherheit und bessere Lebensbedingungen für Flüchtlinge bieten.»

Apostolos Staikos, su mit dpa