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Afghanistans Weg ins Ungewisse

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Afghanistans Weg ins Ungewisse
Copyright  David Guttenfelder/AP2010
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Ein Sprung ins Ungewisse: Die Regierung Afghanistans befürchtet nach dem endgültigen Abzug der NATO-Truppen das Schlimmste. Beginnend im Mai, soll dieser bis zum 11. September 2021 abgeschlossen sein.

Ziel der von den USA angeführten Streitmacht war der Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Durch den Aufbau einer Demokratie und vertrauensbildender Maßnahmen sollten Al Qaida und die Taliban besiegt werden.

Ab September steht dann die afghanische Armee allein einem Chaos gegenüber. Denn die Taliban sind stärker als je zuvor.

Ohne Flexibilität werde ein Frieden mit den Taliban unmöglich sein, so der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Parlament in Kabul, Mir Haider Afzaly. Unverhandelbar seien indes das afghanische Militär, Menschenrechte, die Gleichstellung der Frau, sowie Meinungs- und Pressefreiheit.

Die EU hat Afghanistan beim Aufbau gesellschaftlicher Infrastruktur erheblich geholfen. In Brüssel wird die Stabilität Afghanistans auch als wichtig für die Sicherheit der EU betrachtet.

Der Übergang von der Militärmacht zu einer politischen Struktur müsse von Europa und seinen Verbündeten mit Bedingungen verknüpft werden, um die Demokratie zu erhalten, so Maria Arena, die Vorsitzende des Menschenrechtssausschusses im Europäischen Parlament. Andernfalls könne es keine finanzielle Unterstützung geben.

Ohne die Zustimmung der Verbündeten und der Regionalmächte ist eine Stabilisierung Afghanistans praktisch unmöglich.

Die EU bleibt dher aufgefordert, diplomatische Anstrengungen zu unternehmen, um Nachbarn wie Pakistan und den Iran auf die gemeinsame Linie zu bringen - denn Islamabad und Teheran untgerstützten bisher extreme Kräfte.

Die ethnischen, religiösen und Stammesgruppen, die den Flickenteppich Afghanistan bilden, könnten wie schon 1996 wieder aufeinander losgehen - damals waren die Taliban die großen Gewinner.

Die NATO hat in den letzten 20 Jahren zahlreiche Soldaten verloren, auch unter der Zivilbevölkerung gab es in dem schmutzigen Krieg hohe Opfer.

In Brüssel sollte man sich nun auf das Schlimmste vorbereiten, warnen Experten. Zu befürchten sei der Beginn eines neuen Flüchtlingsexodus von Afghanistan über den Iran und die Türkei nach Europa, meint Shada Islam vom Europa-Kolleg in Brügge. Deshalb sollte die EU schon jetzt Flüchtlingslager planen und humanitäre Hilfe bereit stellen.

Mindestens 2,7 Millionen Afghanen haben das Land bisher verlassen. In vielen EU-Ländern liegen sie an der Spitze der Flüchtlingsnationalitäten. Eine weitere Krise auf dem Balkan oder in der Ägäis ist praktisch schon vorprogrammiert.

Journalist • Stefan Grobe