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Haftstrafe verbüßt: In Falcone-Attentat verwickelter Mafia-Boss kommt frei

Von su mit dpa
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Haftstrafe verbüßt: In Falcone-Attentat verwickelter Mafia-Boss kommt frei
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In Italien haben nicht wenige Menschen empört auf die Freilassung.
eines Bosses der sizilianischen Mafia Cosa Nostra reagiert, auch in der Politik. Der Mafioso
Giovanni Brusca war Medienberichten zufolge mit dem Ende seiner
25-jährigen Strafe am Montagabend in Rom auf freien Fuß gekommen. Er werde jedoch weiter überwacht, so Medien («L'Espresso») - in den kommenden vier Jahren
gelte für ihn die sogenannte Freiheit unter Aufsicht.

«Das ist eine inakzeptable Schande», twitterte Roms Bürgermeisterin
Virginia Raggi von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung. Die
Freilassung Bruscas sei ein technisch unvermeidlicher Akt, aber
moralisch nicht zu akzeptieren, schrieb die Ministerin für Süditalien
von der konservativen Forza Italia, Mara Carfagna. Der Chef der
Sozialdemokraten, Enrico Letta, sprach am Dienstag im Radio von einem

«Schlag in die Magengegend». Man frage sich, wie sowas möglich sei.

Brusca galt als Vertrauter des berüchtigten Mafia-Bosses Salvatore „Toto“ Riina aus dem sizilianischen Corleone. Er soll laut «L'Espresso» einst zugegeben haben, 1992 an einem Bomben-Attentat beteiligt
gewesen zu sein, bei dem der Jurist und Mafia-Jäger Giovanni Falcone

nahe Palermo auf einer Autobahn getötet wurde, außerdem starben dessen Ehefrau Francesca Morvillo und drei Leibwächter.

Zudem soll er demnach seine Mittäterschaft bei der Ermordung des Sohnes eines ehemaligen Mafiosos eingeräumt haben, der an dem Attentat auf Falcone beteiligt war und nach seiner Festnahme mit der Polizei kooperierte.

Tina Martinez, Witwe von Falcones Chef-Leibwächter Antonio Montinaro:

(...) Ehrlich gesagt, heute fühle ich mich vom Staat eindeutig nicht respektiert. Der Staat hätte uns Gerechtigkeit garantieren sollen. Wenn er freigelassen werden musste, weil die Jahre vergangen sind, hätte er vorher die Wahrheit über die Capaci-Bombe (auf Falcone) sagen müssen: Wir kennen die Täter, aber nicht die Anstifter und er (Brusca) war da. Ich kenne diese Wahrheit bis heute nicht, daher fühle ich mich eindeutig nicht respektiert.“

Ein Mann aus Bruscas Heimatort San Giuseppe Jato:

„Ich wünschte, es würde eine negative Reaktion gegenüber Brusca geben. Ich glaube nicht, dass unser Dorf ihn akzeptieren kann, wenn man bedenkt, was er gemacht hat.“

Brusca hatte gegenüber den Strafverfolgern angegeben, persönlich mehr als 100 Menschen umgebracht zu haben („FAZ“).

su mit dpa