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Debatte um Hotelunterbringung minderjähriger Flüchtlinge

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Von Tadhg Enright
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Debatte um Hotelunterbringung minderjähriger Flüchtlinge
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Was tun mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen? Euronews-Korrespondent Tadhg Enright hat im Süden Englands, in Folkestone, recherchiert. In den vergangenen Monaten hat die Zahl der Bootsflüchtlinge, die von Frankreich nach Großbritannien übersetzen, stark zugenommen, darunter auch Jugendliche, die erklären, ohne Verwandte unterwegs zu sein. Einige der Hauptherkunftsländer sind neben Syrien insbesondere auch Eritrea und Afghanistan.

Bridget Chapman arbeitet für das Flüchtlingshilfswerk Kent. Sie sagt, dass manche Minderjährige in ihrer Heimat "zum Kämpfen gezwungen werden. Oft haben wir junge Menschen aus Afghanistan denen etwa im Alter von 14 gesagt wird, dass sie bald von den Taliban angeworben würden. Deren Familien tun dann alles, um sie in Sicherheit zu bringen. - Ich wundere mich immer wieder, wie die schaffen, darüber hinweg zu kommen. Nach außen hin wirken sie fröhlich, doch gelegentlich benötigen sie Zuwendung und ein Gespräch", so Chapman.

"Manche sagen, ihre Eltern seien vor ihren Augen erschossen worden. Andere berichten von Mitreisenden, die ertranken", fasst Chapman die Erzählungen vieler junger Flüchtlinge zusammen.

Angaben schwierig zu überprüfen

Behörden haben oft Probleme damit, derartige Angaben - aus denen sich unter Umständen ein Schutzstatus ableiten lässt - zu verifizieren. Auch Herkunftsangaben sind problematisch, da viele Flüchtlinge ihre Papiere während der Reise vernichten. Sie erhoffen sich dadurch höhere Chancen in Europa - da es ohne Identitäts- und Herkunftsnachweis schwieriger und langwieriger ist, Kontakt mit Behörden des jeweiligen Heimatlandes aufzunehmen und gegebenenfalls Rückführungen zu organisieren.

Hinzu kommt, dass sich viele Erzählungen auffallend ähneln, was von manchen Experten dahingehend interpretiert wird, dass manche Migranten Legenden aufbauen, die ihnen erleichtern sollen, Zugang zum Asylsystem des jeweiligen Ziellandes zu bekommen. Für Sachbearbeiter der Behörden ist es in diesem Zusammenhang nicht einfach, wirklich schutzbedürftige Menschen mit Anspruch auf Asyl von Mitläufern und Armutsflüchtlingen zu unterscheiden.

Kochen, Waschen, Haushaltsführung

Freiwillige des Flüchtlingshilfswerks Kent helfen jungen Heimatlosen, in Großbritannien Fuß zu fassen. Auf dem Stundenplan stehen Kochen, Waschen, Haushaltsführung. Hadi Oryakheil aus Afghanistan sagt, er sei 21. Vor fünf Jahren erreichte er Großbritannien.

"Niemand macht das zum Spaß, einfach so, um in ein anderes Land zu kommen", sagt Oryakheil. "Alle wissen, wie es bei uns (in Afghanistan) aussieht. Meine Familie lebt dort, aber ich weiss nicht, wo sie abgeblieben sind, ich habe den Kontakt mit ihnen verloren. - Hier geht es mir gut, ich arbeite ständig. Viel Nachdenken tu ich nicht, aber Vergessen werde ich nie, ich werde mich immer an alles erinnern."

Angeblich zehn Prozent unbegleitete Minderjährige

Es gibt unbestätigte Schätzungen, dass zehn Prozent der Bootsflüchtlinge, die es über den Ärmelkanal in kleinen Booten bis nach Großbritannien schaffen, unbegleitete Minderjährige sind.

Allerdings gibt es auch viele Fälle, in denen junge Erwachsene falsche Angaben machen, um bessere Chancen bei den Asylbehörden zu haben. Die Altersbestimmung angeblicher oder tatsächlicher minderjähriger Flüchtlinge kann über Handknochenuntersuchungen erfolgen, allerdings gibt es hier gewisse Schwankungsbreiten - und die Untersuchungen werden auch nicht sytematisch durchgeführt.

"Mit ihrer Ankunft in Großbritannien beginnt für die jungen Flüchtlinge ein bürokratischer Hürdenlauf", so Euronews-Korrespondent Tadhg Enright vor Ort. "Hinzu kommt, dass die britische Regierung nicht genug Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Aktivisten sagen, dass viele Kinder in zu Flüchtlingsunterkünften umgewandelten Hotels untergebracht seien."

Umstrittene Hotelunterbringung

Manche Hotels, wie beispielsweise das Stade Court Hotel in Hythe, werden bewacht. Von Aktivisten und manchen Flüchtlingen wird das kritisiert. Es gibt eine Debatte, ob das Wachpersonal dem Schutz der Migranten dient, oder als "Belastung" für die Jugendlichen einzustufen ist.

Demnächst könnten die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert werden. Maddie Harris hat die Gruppe "Humans for Rights" gegründet. Sie sagt gegenüber Euronews: "Wenn diese Unterkünfte von kaum ausgebildeten Sicherheitskräften gemanagt werden, ist das nicht ok, hier sind Menschen untergebracht, mit denen sehr sensibel umgegangen werden sollte."

Die britische Regierung sagte Euronews, dass Hotels - sobald möglich - nicht mehr als Unterbringung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genutzt werden sollen.

Menschenrechtsaktivisten äußern jedoch Bedenken: in nächster Zukunft werde sich wohl nur wenig ändern.