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Taliban-Anführer: Wird Mullah Baradar (53) Präsident von Afghanistan?

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Von Euronews mit AFP, Guardian
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Mullah Abdul Ghani Baradar (53)
Mullah Abdul Ghani Baradar (53)   -   Copyright  KARIM JAAFAR/AFP or licensors
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Das Innenleben der radikal-islamstischen Taliban-Organisation ist genauso nebulös wie die Zeit, als sie Afghanistan zwischen 1996 und 2001 regierte.

Die neuen Machthaber werden nun eine Regierung aufstellen und die Posten unter ihren wichtigsten Anführern verteilen.

Beobachter sehen Mullah Abdul Ghani Baradar schon als den neuen Präsidenten des Landes. Der britsiche "Guardian" beschreibt Baradar als politisches Oberhaupt der Taliban.

Wir werden mit all unseren Fähigkeiten und Ressourcen daran arbeiten, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und ein besseres Leben zu gewährleisten.
Mullah Abdul Ghani Baradar, Taliban-Führer

Der Taliban-Führer, der zuletzt in Katar im Exil gelebt und soll auf dem Weg nach Kabul sein. In einem Statement schrieb er am Sonntagabend, er wolle ein "Blutvergiessen" in Afghanistan verhindern.

In einer Videobotschaft sagte der 53-Jährige: "Wir versichern allen, dass Allah uns solche großen Siege geschenkt hat - wir werden mit all unseren Fähigkeiten und Ressourcen daran arbeiten, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und ein besseres Leben zu gewährleisten."

Mullah Baradar (53), der Mitbegründer der Taliban

Abdul Ghani Baradar ist in der südlichen afghanischen Provinz Uruzgan geboren und in Kandahar aufgewachsen. Neben dem 2013 verstorbenen Mullah Omar, dessen Tod zwei Jahre lang geheim gehalten wurde, gilt er als Mitbegründer der Taliban.

Wie für viele Afghanen veränderte sich sein Leben durch die sowjetische Invasion im Jahr 1979. Er wurde zum Mudschaheddin und hat vermutlich an der Seite von Mullah Omar gegen die Russen gekämpft. Nach der Vertreibung der Russen gründete er die Taliban-Organisation mit dem Ziel, ein Emirat nach islamistischen Vorstellungen aufzubauen.

Als die Taliban 1996 die Führung übernahm, kam Mullah Omar an die Macht. Baradar bekleidete in der Zeit der Taliban-Herrschaft Spitzenpositionen, unter anderem als Vize-Verteidigungsminister.

2001, nach der Intervention der USA und dem Sturz der Islamisten flüchtete er ins Exil. Der US-Geheimdienst spürte ihn 2010 in Pakistan auf - zu dieser Zeit war er militärische Anführer der Taliban - und wurde in Karatschi festgenommen.

Acht Jahre später, 2018, befreite ihn die Regierung von Donald Trump aus dem Gefängnis in Pakistan, damit er die Friedensgespräche auf der Seite der Taliban leiten konnte.

2020 nahm der Taliban-Führer an den Friedensverhandlungen mit den USA teil und unterzeichnete das Doha-Abkommen zum Rückzug der US-Truppen.

Haibatullah Akhundzada (60), der oberste Führer der Taliban

Mullah Haibatullah Akhundzada gilt als eigentlicher Anführer der Taliban. Neben dem politischen Oberhaupt Mullah Baradar wird seine Rolle als eine wichtige religiös symbolische beschrieben.

Er wurde im Mai 2016 während eines schnellen Machtwechsels an die Spitze der Taliban berufen, wenige Tage nach dem Tod seines Vorgängers Mansour, der durch einen US-Drohnenangriff in Pakistan getötet wurde.

-/AFP
Mullah Haibatullah Akhundzada, Mai 2016-/AFP

Vor seiner Ernennung war wenig über Akhundzada bekannt. Er hatte sich bis dahin hauptsächlich mit juristischen und religiösen Themen und weniger mit militärischen Fragen befasst. Der Religionsgelehrte hatte großen Einfluss innerhalb der Aufständischen, wo er das Justizwesen leitete.

Als Sohn eines Theologen aus Kandahar, dem Herzen des paschtunischen Landes im Süden Afghanistans und der Wiege der Taliban, gewann Akhundzada schnell die Loyalität von Ayman al-Zawahiri, dem Anführer von al-Qaida.

Der Ägypter Ayman al-Zawahiri nannte ihn den "Emir der Gläubigen", ein Titel, der seine Glaubwürdigkeit in der dschihadistischen Welt begründete.

Akhundzada hatte die heikle Aufgabe, die Taliban zu vereinen. Nach dem Tod von Mansour und der Enthüllung, dass der Tod des Gründers Mullah Omar jahrelang verheimlicht wurde, war die Bewegung gespalten.

Akhundzada wird ist bis auf seltene jährliche Botschaften zu islamischen Feiertagen als öffentlichkeitsscheu wahrgenommen.

Sirajuddin Haqqani, (Alter vermutlich 48), Anführer des Haqqani-Netzwerks

Der Sohn des berühmten antisowjetischen Dschihad-Kommandeurs Jalaluddin Haqqani ist sowohl die Nummer zwei der Taliban als auch der Anführer des mächtigen Netzwerks, das seinen Familiennamen trägt.

Das von seinem Vater gegründete Haqqani-Netzwerk wird von Washington als terroristisches Netzwerk eingestuft und gilt seit jeher als eine der gefährlichsten Gruppierungen, die die US- und Nato-Truppen in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Afghanistan bekämpft haben.

AAMIR QURESHI/AFP or licensors
Jalaluddin Haqqani (rechts), Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm, Oktober 2020AAMIR QURESHI/AFP or licensors

Das Netzwerk ist für seinen Einsatz von Selbstmordattentätern bekannt und wird für einige der gewalttätigsten Anschläge der letzten Jahre in Afghanistan verantwortlich gemacht.

Sie wird auch beschuldigt, hochrangige afghanische Beamte zu ermorden und westliche Staatsbürger als Geiseln zu nehmen, bevor sie sie gegen Lösegeld oder Gefangene freilässt, wie etwa den US-Soldaten Bowe Bergdahl, der 2014 im Austausch gegen fünf afghanische Gefangene aus Guantanamo Bay freigelassen wurde.

Experten vermuten, dass die Haqqani, die für ihre Unabhängigkeit, ihre Kampffähigkeiten und ihre lukrativen Geschäfte bekannt sind, die Operationen der Taliban in den Bergregionen Ostafghanistans leiten und einen großen Einfluss auf die Entscheidungen der Taliban haben werden.

Mullah Yaqoob (31), der Erbe von Mullah Omar

Mullah Mohammad Yaqoob, der Sohn von Mullah Omar, ist Leiter der mächtigen Taliban-Militärkommission, die über die strategische Ausrichtung des Krieges gegen die afghanische Regierung entscheidet.

Seine Abstammung und die Verbindung zu seinem Vater, der als Taliban-Führer eine kultähnliche Anhängerschaft hatte, machen ihn zu einer einigenden Figur innerhalb einer breiten und vielfältigen Bewegung.

Es wird allerdings über seine genaue Rolle in der Bewegung spekuliert. Einige Analysten glauben, dass seine Ernennung zum Leiter dieser Kommission im Jahr 2020 rein symbolisch war.