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Ex-Models sprechen über Vergewaltigungen in den 90ern

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Von Euronews mit afp
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Ex-Models sprechen über Vergewaltigungen in den 90ern
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Sie waren damals 18, 16 oder 15 Jahre alt und träumten davon, Topmodels zu werden. Ein Dutzend Frauen beschuldigen Gérald Marie, den ehemaligen Europachef der Agentur Elite Model, sie in den 80er und 90er Jahren sexuell missbraucht zu haben.

Die Frauen leben heute in verschiedenen Ländern. In der vergangenen Woche fand die erste Anhörung in Paris statt.

Prominente Unterstützerinnen

Und die Frauen haben prominente Unterstützung: Supermodels wie Carla Bruni, Paulina Porizkova und Karen Elson haben ihre Unterstützung angeboten. Sie machen in der Öffentlichkeit auf die Fälle aufmerksam und fordern eine strengere Arbeitsgesetzgebung, um junge Models zu schützen, deren Arbeit sie weit weg von zu Hause führen kann.

Gérald Marie war drei Jahrzehnte lang einer der mächtigsten Männer in der Modeindustrie und war mit Linda Evangelista verheiratet, heute lebt er auf Ibiza. Lange Zeit hat er die Anschuldigungen, die im Laufe der Jahre von mindestens 24 Frauen erhoben wurden, bestritten. Vierzehn Frauen haben inzwischen bei der Pariser Polizei ausgesagt, angefangen mit Lisa Brinkworth.

"Es war eine Erleichterung. Vor allem war es gut, alle zu treffen. Vorher dachte ich, ich sei allein, das dachten wir alle. Und dann hat sich diese Gruppe von Frauen gefunden, die dieselbe Geschichte teilten. Das war unglaublich", sagte das ehemalige Model Ebba Karlsson.

"Wenn wir es hier schaffen und vielleicht die ganze Branche zu einem Wandel inspirieren, dann waren wir erfolgreich."

Jahrelang habe ich verschwiegen, dass ich von meinem Agenten unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wurde.
Thysia Huisman, ehemaliges Model

Bei einem Gespräch im französischen Senat schilderten die Frauen, wie sie durch den Agenturboss Gérald Marie und den Modelagenten Jean-Luc Brunel unter Druck gesetzt und missbraucht wurden. Brunel wurde vor einem Jahr im Zusammenhang mit dem Fall Jeffrey Epstein verhaftet.

"Jahrelang habe ich verschwiegen, dass ich von meinem Agenten unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wurde. Weil ich mich geschämt habe und auch große Angst hatte", sagte Thysia Huisman. "Als ich angefagen habe, darüber zu sprechen, lag die Vergewaltigung schon 28 Jahre zurück und mein Anwalt sagte mir, dass ich wegen der Verjährung nichts gegen ihn unternehmen könne. Also habe ich es öffentlich gemacht, um andere zu motivieren, sich zu melden."

Die Frauen fordern strengere Gesetze und eine Aufhebung der Verjährungsfrist

Weil die Missbräuche und Vergewaltigungen verjährt sind, fordern die Ex-Models mit Hilfe des ehemaligen Elite-Aktionärs Omar Harfouch von der Politik, in ihrem Fall die Gesetzgebung zu ändern.

Die Anwältin Anne-Claire Lejeune erklärte: "Es ist fast eine doppelte Strafe, denn die Tatsache, dass sie all dies erlitten haben, auch wenn sie schon lange her ist, macht es sehr kompliziert. Und das wird noch dadurch verstärkt, dass sie heute nur noch als Zeugen, aber nicht als Opfer betrachtet werden."

Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung, auch von Minderjährigen, gegen Gérald Marie eingeleitet. Er beteuert seine Unschuld.

Die Frauen hoffen, dass wenigstens ein Opfer in einem noch nicht verjährten Fall aussagen wird.