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Erstmals seit dem 24. Februar: Menschen in Tschernihiw verlassen Schutzräume

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Von Euronews mit AP, dpa
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Ein Schutzraum in einer Schule in Tschernihiw am 7. April 2022
Ein Schutzraum in einer Schule in Tschernihiw am 7. April 2022   -   Copyright  Evgeniy Maloletka/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Tschernihiw nordwestlich von Kiew ist wie viele andere ukrainische Großstädte von mehreren russischen Angriffswellen heimgesucht worden, doch jetzt wird in den Ruinen aufgeatmet. Erstmals seit dem Kriegsausbruch am 24. Februar haben die hier verbliebenen Menschen ihre Schutzräume verlassen.

Zwei Wochen lang konnten keine Hilfsgüter in die knapp 300.000 Einwohner zählende Stadt gebracht werden. Und auch nach dem russischen Abzug ist aufgrund der zerstörten Infrastruktur kaum Besserung in Sicht.

Antonina Dejneko, eine Frau im Rentenalter mit rotgeweinten Augen, sagte im Chaos ihrer Wohnung: "Ich würde Ihnen gerne Tee anbieten, aber ich habe keinen."

Über einen schweren russischen Angriff sagte Antonina Dejneko: "Alle fingen an zu schreien, alle waren in Rauch und Staub gehüllt. Dann sagte jemand, wir seien von einer Bombe getroffen worden. Ein Nachbar aus dem zerstörten Wohnhaus war im Badezimmer. Er ist am Leben, aber seine Frau und seine Tochter waren im Flur und sind sofort gestorben."

Vier Jahre Wiederaufbau?

Der Wiederaufbau von Tschernihiw werde mindestens vier Jahre dauern. Das schätzte an diesem Samstag der Bürgermeister der Stadt Wladislaw Atroschenko. Zuvor hatte er berichtet, dass Tschernihiw durch den russischen Beschuss zu mindestens 70 Prozent zerstört wurde.

Eine Frau sagte mitten in der Trümmerwüste: "Hier lebten friedliche Menschen. Ein Haus stand hier, das Nachbarhaus war dort."

Kinder spielen wieder draußen

Auf den ersten Blick wirken die Kinder unbekümmerter. Sie scheinen die frische Luft und einen Hauch zurückgewonnener Freiheit zu genießen. Das bringt auch Mutter Valentina zum Schmunzeln.

Ihre neunjährige Tochter Maria berichtete:_ "Am Anfang war es nicht lustig, aber dann habe ich viele neue Freunde gefunden, und dann war es okay. Aber es gibt keinen Strom im Keller."_

Mutter Valentina brachte es direkt auf den Punkt: "Kein Strom, keine Toiletten, die Straßen sind unsere Badezimmer. Wir sind Kinder des Untergrunds."

Bürgermeister Atroschenko sagte am Freitag, etwa 700 Menschen seien in Tschernihiw getötet worden. 40 weitere würden vermisst. In einer Ausgabestelle für Lebensmuttel meinte Oksana Yatsenko: "Es gibt hier nicht genug Waren. Soweit ich weiß, hat uns die Soforthilfe noch nicht erreicht." 

Nicht nur Lebensmittel sind Mangelware. Medizinische Versorgung fehlt in Tschernihiw ebenso wie Strom und Trinkwasser.