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Truss besetzt neues Kabinett mit Vertrauten

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Von Julika Herzog  mit dpa, AP
Neuer britischer Finanzminister Kwasi Kwarteng
Neuer britischer Finanzminister Kwasi Kwarteng   -   Copyright  Kirsty Wigglesworth/ AP

Es gab viel Applaus für die neue Premierministerin Großbritanniens Liz Truss bei ihrem Einzug in die Downing Street.

Doch es warten große Herausforderungen auf sie: Angesichts der rasant steigenden Energiepreise, der hohen Inflation und drohender wirtschaftlicher Rezession sowie einer schweren Krise des Gesundheitssystems steht sie bereits jetzt unter Druck.

Truss umgibt sich im Kabinett mit Vertrauten

Um die dringenden Themen anzugehen baute Truss das Kabinett um und holt sich Vertraute und Unterstützer an Bord. Sie besetzte noch am Dienstagabend die wichtigsten Kabinettsposten.

Auf den wichtigen Posten des Finanzministers berief die neue Regierungschefin wie erwartet den bisherigen Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng.

Die konservative Hardlinerin Suella Braverman wird Innenministerin und ersetzt Priti Patel.

Die bisherige Arbeitsministerin Therese Coffey, die als engste Verbündete von Truss gilt, übernimmt das Gesundheitsministerium und wird zugleich Vizeregierungschefin. Damit sind Truss und ihre Stellvertreterin das erste rein weibliche Top-Duo an der Spitze Großbritanniens.

James Cleverly, zuletzt Bildungsminister und zuvor unter Truss Europa-Staatssekretär, übernimmt das Außenministerium von Truss selbst, während Ben Wallace als einer der wenigen in seinem Amt und damit Verteidigungsminister bleibt.

Staatsekretär Jacob Rees-Mogg, der als Gegner grüner Industrien und einflussreiches Mitglied des sehr konservativen Flügels in der Tory-Partei gilt, wird neuer Wirtschafts- und Klimaschutzminister.

Kein Kabinett der Einheit: Truss feuerte Sunak-Unterstützer

Politische Kommentatoren wiesen daraufhin, dass damit erstmals kein weißer Mann in einem der «vier großen Staatsämter» - Premierminister, Finanzen, Außen- und Innenministerium - dient. Auch wurde deutlich, dass Truss entgegen Forderungen aus der Partei kein Kabinett der Einheit schmiedet.

Vielmehr entließ sie die wichtigsten Unterstützer von Rishi Sunak, ihrem Widersacher im parteiinternen Wahlkampf. Nur wenige Mitglieder des bisherigen Kabinetts blieben in ihren Ämtern. Aus eigenen Stücken waren zuvor Innenministerin Priti Patel und Kulturministerin Nadine Dorries zurückgetreten.

Parteigranden hatten gefordert, Truss solle auch Kritiker einbinden. Sie war am Vortag nach einem teils erbittert geführten parteiinternen Wahlkampf gegen Ex-Finanzminister Rishi Sunak nur mit relativ knapper Mehrheit zur Parteichefin gekürt worden. Doch Truss feuerte die prominentesten Sunak-Unterstützer.

Truss muss sich nun mit ihrer neuen Regierung an die Arbeit machen. Ihre Unterstützer im Land, aber auch ihre Kritiker haben hohe Erwartungen.

Einen Tag nach ihrer Ernennung zur neuen britischen Premierministerin erwartet Liz Truss die erste Bewährungsprobe: Am Mittwochmittag stellt sie sich Boris Johnsons Nachfolgerin als Regierungs- und Parteichefin der konservativen Tories im Parlament den Fragen der Abgeordneten.