Erneute Regenfälle drohen Teile Asiens noch schwerer zu verwüsten. Zugleich werden die Forderungen nach einem Stopp der Abholzung lauter.
Sich überlagernde Tropenstürme und ein „verstärktes“ Monsunsystem haben in ganz Asien schwere Verwüstungen angerichtet. Rettungsteams kämpfen noch immer darum, abgeschnittene Überlebende zu erreichen.
Tagelanger, rekordbrechender Regen und Sturmfluten haben in der vergangenen Woche in Sri Lanka, Indonesien, Thailand, Malaysia und Vietnam verheerende Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst. Tausende Häuser sind zerstört, Straßen verwandelten sich binnen kurzer Zeit in reißende Schlammflüsse. Menschen klammerten sich an Hausdächer oder Bäume, um zu überleben.
Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf mehr als 1.600 gestiegen, Hunderte Menschen gelten in der Region weiterhin als vermisst. Nach UN-Angaben gehört das Unwetter zu den tödlichsten Wetterereignissen, die Süd- und Südostasien seit Jahren erlebt hat.
Die Kollision von drei tropischen Wettersystemen, darunter die Zyklone Ditwah und Senyar, ist nach Einschätzung von Expertinnen und Experten wahrscheinlich durch den Klimawandel angeheizt worden. Umweltschützer warnen jedoch, die eigentliche Tragweite der Katastrophe gehe auf eine „hemmungslose“ Abholzung der Wälder zurück.
Ist Abholzung schuld an Asiens tödlichen Überschwemmungen?
FürIndonesien – eine der am stärksten betroffenen Regionen – sagen Meteorologen für die kommenden Tage weiteren Regen voraus. Besonders betroffen dürften Nord-Sumatra, West-Sumatra und Aceh sein. Die Menschen dort stehen noch immer unter dem Eindruck der Fluten und kämpfen mit gravierenden Engpässen bei Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser.
Die Umweltschutzorganisation WALHI, Indonesiens größte und älteste NGO in diesem Bereich, führt die Katastrophe auf eine „wachsende ökologische Verwundbarkeit“ infolge tiefgreifender Veränderungen wichtiger Ökosysteme zurück und sieht die Lage zusätzlich durch die Klimakrise verschärft.
„Diese Katastrophe ist nicht nur ein Naturereignis, sondern eine ökologische Katastrophe, die durch nachlässige und allzu großzügige Regierungspolitik verursacht wurde“, sagt Ahmad Soilhin von WALHI Aceh.
„Diese immer wiederkehrenden Überschwemmungen sind das Ergebnis der Summe aus Abholzung, der Ausdehnung von Palmöl-Plantagen und wildem Goldabbau, der ungebremst stattfinden durfte.“
Abholzung in Indonesien
Zwischen 2016 und 2025 haben mehr als 600 Unternehmen in Aceh, Nord-Sumatra und West-Sumatra insgesamt rund 1,4 Millionen Hektar Wald abgeholzt.
Die Wälder fielen aus vielen Gründen. Dazu gehören Bergbaukonzessionen, Palmölplantagen sowie Genehmigungen für Geothermie-, Wasser- und Kleinstwasserkraftprojekte.
In Aceh gibt es 954 Einzugsgebiete (Gebiete oder Geländekämme, die Wasser in verschiedene Flüsse, Becken oder Meere leiten). WALHI zufolge liegen 60 Prozent von ihnen in Waldgebieten, 20 gelten als kritisch.
Die meisten dieser Einzugsgebiete haben jedoch bereits erhebliche Abholzung erlebt. Das Einzugsgebiet des Krueng Trumon etwa umfasst mehr als 50.000 Hektar. In den vergangenen Jahren ging dort fast die Hälfte der Waldfläche verloren, nämlich 43 Prozent. Heute sind weniger als 31.000 Hektar übrig.
Wie Wälder Ländern Schutz vor Überschwemmungen bieten
Für den Hochwasserschutz sind Wälder unverzichtbar. Sie wirken wie riesige Schwämme, bremsen den Wasserabfluss und verringern die Wassermengen in den Flüssen.
Bäume verdunsten mehr Wasser als jede andere Form von Vegetation und gelten als eine der wirksamsten natürlichen Barrieren gegen Überschwemmungen. Forschende der University of British Columbia warnen, Kahlschlag, bei dem alle Bäume eines Gebiets entfernt werden, erhöhe das Hochwasserrisiko nicht nur, sondern könne es regelrecht „in die Höhe treiben“.
In einer Studie (Quelle auf Englisch), die Anfang dieses Jahres erschienen ist, stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest: In bestimmten Einzugsgebieten traten Überschwemmungen nach Kahlschlägen bis zu 18-mal häufiger und mehr als doppelt so heftig auf. Diese Effekte können mehr als vier Jahrzehnte anhalten.
Indonesien unter Druck: Forstmanagement reformieren
Die tödlichen Überschwemmungen in Asien verstärken die Forderungen an die indonesische Regierung, die Abholzung deutlich strenger zu begrenzen.
Der 31-jährige Lehrer Rangga Adiputra lebte am Stadtrand von Padang in West-Sumatra, bevor die Flut sein Haus mitriss. Die Hügel über seinem Dorf waren bereits von illegalem Holzeinschlag gezeichnet.
„Die Regierung muss untersuchen, was im Forstmanagement schiefläuft, und es in Ordnung bringen“, sagte Adiputra der Nachrichtenagentur AP. „Eine so teure Katastrophe darf sich nicht wiederholen.“
Umweltschützer berichten, der Anblick von Baumstümpfen, die von den Flüssen mitgerissen werden, „verstärkt den Verdacht“, dass die Ausbeutung der Wälder ungebremst weitergeht.
„Diese Fakten zeigen klar, dass die aktuelle ökologische Katastrophe von Staatsvertretern und Unternehmen verursacht wird“, sagt Uli Arta Siagian von WALHI National Forest and Plantation.
„Deshalb liegt es in der Verantwortung der staatlichen Stellen, alle Unternehmensgenehmigungen in Indonesien zu überprüfen, besonders jene in wichtigen und kritischen Ökosystemen. Wenn Lizenzen entzogen werden müssen, dann muss das geschehen.“
Der Staat steht nun unter Druck, die Verantwortlichen für die Abholzungen zur Rechenschaft zu ziehen. Umweltverbände betonen, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler dürften nicht die Kosten für die Wiederaufforstung der Einzugsgebiete tragen.
„Sie haben enorme Gewinne aus der Ausbeutung der Natur gezogen. Jetzt ist es an der Zeit, sie auch für die Wiederherstellung haftbar zu machen“, fügt Siagian hinzu.
Vertreter der Behörden weisen die Vorwürfe des illegalen Holzeinschlags zurück.