In der Heimat des französischen Innenministers Laurent Nunez haben am Wochenende bis zu 40.000 Techno-Fans aus ganz Europa bei einer Rave-Party gefeiert. Die Präfektur fürchtete vor allem die Explosion von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg.
Die Organisatoren der Rave-Party hatten ganz bewusst die Heimat des französischen Innenministers als Veranstaltungsgelände gewählt. Und am Samstagabend waren laut Frankreichs Polizei mehr als 40.000 vorwiegend junge Menschen aus ganz Europa gekommen. Der Ort in der Nähe von Bourges liegt etwa 250 Kilometer südlich von Paris.
Erst am Sonntag, dem 3. Mai, war Innenminister Laurent Nuñez nach Cornusse im Département Cher gereist, wo seit Freitag auf einem Militärgelände der französischen Armee das riesige sogenannte Teknival stattfand. Laut der Präfektur mussten bis Sonntagmittag insgesamt 12 Menschen wegen leichter Verletzungen behandelt werden, auch bei einem Verkehrsunfall gab es eine verletzte Person.
Vor Ort überflog der Minister das 10.000 Hektar große Gelände in einem Hubschrauber der Nationalgendarmerie. Auf dem Gebiet sind Veranstaltungen verboten, weil dort nach Angaben der Präfektur Bomben explodieren könnten. Zuletzt hat die französische Armee vor Ort auch die Haubitze Caesar getestet, die ukrainische Soldaten an der Front einsetzen.
Ein "Zeichen gegen die repressive Politik"
Doch der Ort war nicht zufällig gewählt: In einem am Samstag veröffentlichten, einem Präfekturerlass nachempfundenen Kommuniqué erinnerten die Organisatoren daran, dass der Minister aus Bourges stammt, dem Hauptort des Départements. Sie erklärten, sie wollten das Militärgelände symbolisch besetzen, um dort "Freude und gegenseitige Hilfe zu feiern" – als anti-militaristisches Signal und als Protest gegen die repressive Politik des Staates gegenüber Raverinnen und Ravern.
Die Antwort der Regierung ist klar: keine Zugeständnisse. Laurent Nuñez erklärte vor der Presse, diese Forderungen würden nur "den Willen der Regierung stärken, solche wilden Veranstaltungen, die unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht verstehen, noch konsequenter zu unterbinden".
Er prangerte die "Sorglosigkeit" der Teilnehmenden an, die dieses Gelände "gestürmt" hätten, "ohne Rücksicht auf das Leben, das sich dort abspielt, und ohne Rücksicht auf die Belastungen, die sie verursachen".
Laurent Nuñez kündigte zudem an, dass die Regierung das Gesetzesprojekt "Ripost" weiter vorantreibt, das der Ministerrat Ende März beschlossen hat und das die Strafen für nicht angemeldete Rave-Partys verschärft.
"Eine Rave-Party zu organisieren wird künftig ein Delikt sein, das mit zwei Jahren Haft und 30.000 Euro Geldstrafe geahndet wird", betonte er. Außerdem solle ein eigener Straftatbestand für die Teilnahme an solchen Veranstaltungen geschaffen werden.
Am Sonntagnachmittag verließen viele Partygäste das Gelände. Der Minister kündigte an, dass alle, die "das Teknival verlassen, doppelt belangt werden": wegen unbefugten Eindringens auf ein Militärgelände und wegen Verstoßes gegen die Verfügung der Präfektur.
Die Behörden waren zunächst überrascht, stellten aber schnell ein großes Sicherheitsaufgebot auf. Mehr als 600 Gendarmen sicherten noch am Sonntag die Umgebung des Teknivals.
Laut einer vorläufigen Bilanz, die der Minister nach dem Rave vorlegte, haben die Rettungsdienste 33 Menschen versorgt, darunter zwölf, die ins Krankenhaus gebracht wurden,"teilweise wegen des Konsums von Drogen".