Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte, zum Frieden würden "noch 10 Prozent fehlen". Beim Angriff in der Silvesternacht mit über 200 Drohnen habe Russland vor allem die Energieinfrastruktur ins Visier genommen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, Russland setze seinen Krieg "bis ins neue Jahr" fort und habe mehr als 200 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert, die hauptsächlich auf die Energieinfrastruktur abzielten.
"Russland führt den Krieg absichtlich ins neue Jahr und hat über Nacht mehr als zweihundert Angriffsdrohnen auf die Ukraine abgefeuert", so Selenskyj in den sozialen Medien.
Nach Angaben des Regionalchefs Oleh Kiper griff Russland über Nacht die Region Odessa in mehreren Wellen mit Drohnen an.
In einem Beitrag auf Telegram sagte Kiper, dass ein zweistöckiges Wohnhaus beschädigt wurde und dass eine Drohne eine Wohnung im 17. Stock eines Hochhauses traf, ohne zu explodieren. Es wurden keine Verletzten gemeldet.
In Cherson wurde bei russischen Angriffen am Vortag ein Mensch getötet und vier weitere verletzt, während in der Region Donetsk nach Angaben der regionalen Gouverneure bei Angriffen ein Mensch getötet wurde.
Weitere 12 Menschen wurden in den Regionen Saporischschja, Charkiw und Sumy verletzt.
Die ukrainische Luftwaffe teilte in ihrem Tagesbericht mit, dass die Luftverteidigungskräfte 176 von 205 Drohnen, die das Land über Nacht angriffen, abgeschossen oder abgewehrt hätten. Demnach wurden an 15 Orten Treffer von 24 Kampfdrohnen verzeichnet, und der Angriff dauert noch an.
In der Neujahrsnacht hat die Ukraine indes im Rahmen ihres Abwehrkampfes russische Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Laut russischen Telegramkanälen wurde ein Tanklager im Gebiet Kaluga, südwestlich von Moskau, getroffen. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Auch die Ilski-Raffinerie in Südrussland soll erneut angegriffen worden sein, berichtet die dpa.
Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass über Nacht 168 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen worden seien. Diese Zahl kann jedoch nicht unabhängig überprüft werden. Die hohe Zahl deutet auf einen intensiven Angriff hin, was von ukrainischen Militärbeobachtern bestätigt wird. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete nach Mitternacht mehrfach von Drohnen, die im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen wurden. Es wurden jedoch keine Schäden gemeldet.
Nach Angaben des von Russland eingesetzten Gouverneur Wladimir Saldo sind bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Hotel und ein Café in der Region Cherson mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 50 weitere wurden verletzt, wie Saldo auf Telegram mitteilte. Der Angriff ereignete sich im Küstenort Chorly, wo zu diesem Zeitpunkt Neujahrsfeiern im Hotel und Café stattfanden. Es liegen jedoch keine Foto- oder Videoaufnahmen vor.
Zum Frieden fehlen 10 Prozent
In seiner Neujahrsansprache am Vorabend sagte Selenskyj, ein Friedensabkommen sei zu "90 Prozent fertig", warnte aber, dass "die verbleibenden 10 Prozent, zu denen vermutlich wichtige Streitpunkte wie das Territorium gehören, das Schicksal des Friedens, das Schicksal der Ukraine und Europas und die Frage, wie die Menschen leben werden, bestimmen werden".
Der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, sagte am Mittwoch, er, US-Außenminister Marco Rubio und Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner hätten ein "produktives Gespräch" mit den nationalen Sicherheitsberatern Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und der Ukraine geführt hätten, "um die nächsten Schritte im europäischen Friedensprozess zu besprechen."
"Wir haben uns darauf konzentriert, wie wir die Diskussionen im Namen des (Trump'schen) Friedensprozesses praktisch vorantreiben können, einschließlich der Stärkung von Sicherheitsgarantien und der Entwicklung effektiver Entflechtungsmechanismen, um den Krieg zu beenden und sicherzustellen, dass er nicht wieder aufflammt", so Witkoff in einem Beitrag auf X.
Der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umerov bekräftigte ebenfalls, dass europäische und ukrainische Beamte am Samstag zusammenkommen wollen, während Selenskyj nächste Woche Gespräche mit europäischen Politikern führen soll.